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Evolution des Menschen ab den Australopithecinen; von unten nach oben: Ardipithecus, Australopithecus afarensis, Australopithecus africanus, Homo habilis, Homo ergaster, Homo rudolfensis, Homo erectus, Homo heidelbergensis, Homo neanderthalensis, Homo heidelbergensis, Homo sapiens



Die Hominisation (lat. die Menschwerdung) bezeichnet die biologische und kulturelle Entwicklung des Menschen, die mit affenartigen Primaten begann und erst bei einem eventuellen Untergang der Menschheit abgeschlossen sein wird.

Die Menschwerdung begann nach heutigem Forschungsstand in Ost-Afrika. Durch zufällige Veränderungen (Mutationen) des Erbguts, genetische Rekombinationen und natürliche Selektionsprozesse entstanden aus schimpansenartigen Vorfahren, in mehreren Ansätzen und teilweise parallel, neue Zweige eines Stammbaums, aus denen letztlich der Homo sapiens sapiens hervorging. Warum von allen Menschenformen nur der moderne Mensch übrig blieb, gehört zu den ungelösten Fragen der Paläanthropologie, einer Unterwissenschaft der Anthropologie. Generationen von Forschern suchten und suchen nach fehlenden Gliedern, die die Übergänge von einer Art zu einer anderen erklären würden. Das Auffinden solcher "Missing Links" ist zufallsbedingt und gilt als äußerst unwahrscheinlich, da die Entstehung neuer Zweige meist nur auf wenige Individuen einer Kernfamilie beschränkt bleibt. In der Mehrzahl der Fälle findet man unvollständige Fossilien (meist nur Schädelteile, Unterkieferknochen, Zähne, Bein- und Armknochen, Teile des Beckens etc.) von Individuen, die lediglich einem Seitenzweig der Entwicklung entstammen.

Der "Stammbaum" des Menschen



Man nimmt heute an, dass die Menschwerdung vor etwa 7 Millionen Jahren in Afrika begann. Stammesgeschichtlich haben sich die Schimpansen zu dieser Zeit von der gemeinsamen Entwicklungslinie abgetrennt. Es entstanden nach einigen anderen Übergangsformen vor ca. 4 Millionen Jahren die vermutlichen Vorläufer des Menschen, die Australopithecinen ("Südaffen").

Die frühesten aufrecht gehenden Hominiden

Nach dem Fund eines Schädelknochens im Tschad im Jahre 2001 und Funden des Jahres 2000 im Rift Valley (Kenia), einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs, gelten der Sahelanthropus tchadensis, der auch als Toumaï bezeichnet wird, und der so genannte „Millennium-Mann“ der Art Orrorin tugenensis als älteste Vorläufer des Menschen. Sollten sich die Annahmen der Experten bestätigen, gab es schon vor 6-7 Millionen Jahren aufrecht gehende Hominiden.

Bereits 1994 wurden Hominiden-Fossilien in Äthiopien entdeckt, die etwa 4,4 Millionen Jahre alt sind und zu einer Art gehören, die als Ardipithecus ramidus (von ramid = die Wurzel) bezeichnet wird. Diese Individuen sahen noch schimpansenähnlich aus, konnten aber zweifelsohne aufrecht gehen.

Jüngste Genanalysen des Broad-Instituts, eines Zusammenschlusses der Hochschulen MIT und Harvard im US-Staat Massachusetts, legen sogar nahe, dass eine erste Abspaltung noch wesentlich früher erfolgte und der gemeinsame Weg von Menschen- und Menschenaffenvorfahren länger dauerte und ungewöhnlicher verlief, als bisher angenommen. Bei dieser Studie wurden 800-fach mehr Gene als in früheren DNA-Analysen unter die Lupe genommen, nämlich 20 Millionen Basenpaare von menschlicher, Schimpansen- und Gorilla-DNA. Die Untersuchungen bezogen sich primär auf die so genannte molekulare Uhr: Dabei wird der Verlauf der Evolution mit Hilfe von Genmutationen berechnet, die sich in besonderen "Schlüsselsequenzen" des Erbguts abgespielt haben. Dies ermöglichte eine weit präzisere Datierung und Bestimmung der Auseinanderentwicklung von Mensch und Hominiden. Danach teilte sich eine frühe Affenart vom gemeinsamen Vorfahren bereits vor ca. 10 Millionen Jahren ab. Die unterschiedlichen Populationen vereinigten sich jedoch einige Jahrtausende später wieder und bildeten eine Mischpopulation, die zu Kreuzungen mit den Vorfahren tendierte. Es ergibt sich also ein komplizierter und sehr lange währender Prozess der Kreuzungen sich auseinanderentwickelnder Gruppen, bis eine erstmalige grundlegende Trennung der Schimpansenvorfahren und der Vorfahren des Homo vor ca. 6,3-5,4 Millionen Jahren erfolgte. Noch sensationeller sind die Behauptungen der Forscher, dass diese Trennung noch nicht definitiv war, sondern dass es danach noch gut vier Millionen Jahre bis zur endgültigen Aufspaltung von Mensch und Schimpanse dauerte, beide Arten also erst vor etwa 1,2 Millionen Jahren endgültig getrennte Wege gingen. Dies würden beim Menschen die X-Chromosomen belegen, die für die Bestimmung des Geschlechts wesentlich sind und die sich erst zu diesem späten Zeitpunkt in der für Menschen charakteristischen Form herausbildeten. Dieses konkrete Szenario blieb selbstverständlich nicht unwidersprochen, wirft aber ein neues Licht differenzierterer Betrachtungen auf den Prozess der Menschwerdung, was allgemein anerkannt wurde. Die Publikation der Studie in der Zeitschrift Nature erfolgt im Sommer 2006.

Australopithecinen

Zu den relativ gut bekannten Vorläufern des Menschen gehören die Australopithecinen. Nach den bisher vorliegenden Funden unterscheidet man verschiedene Arten, darunter Australopithecus anamensis, Australopithecus africanus und Australopithecus afarensis. Ferner wird eine Sonderlinie von Australopithecinen mit einem robusteren Gebiss zur Gattung Paranthropus gezählt.

Ein sehr gut erhaltenes Australopithecinen-Skelett wurde am 30. November 1974 von Donald Johanson und Tom Gray in Hadar, Äthiopien, gefunden. Das Weibchen wurde 3,18 Millionen Jahre nach seiner Geburt auf den berühmt gewordenen Namen "Lucy" getauft. Namensgeber war angeblich der Beatles-Song Lucy in the Sky with Diamonds, der auf der anschließenden Feier wiederholt gespielt wurde. Wissenschaftlich gehört der Fund zur Art Australopithecus afarensis. Der Knochenbau zeigt eine Verdickung unter dem Kniegelenk (zum Abfangen des Körpergewichts beim Aufrechtgehen) und weist keine tiefe Grube mehr für die Elle im Ellbogen auf (wie bei Primaten, die sich mit den Fingerknöcheln beim Gehen abstützen). Das Skelett bestätigt somit den aufrechten Gang der Australopithecinen. Lucy befindet sich heute im Nationalmuseum von Äthiopien in Addis Abeba sowie ein Abguss vom Original im Frankfurter Senckenbergmuseum.

Bei Laetoli in der Olduvai-Schlucht in Tansania wurden Fußabdrücke von anderen Australopithecus-afarensis-Individuen gefunden, die ebenfalls eindeutig belegen, dass Vertreter dieser Art aufrecht gingen.

Der "Flat Faced Man"

Etwa zeitgleich mit Lucy lebte in Afrika im selben Verbreitungsgebiet der 1999 in Kenia entdeckte Kenyanthropus platyops. Wegen seines flachen Gesichtsschädels wird er auch "Flat Faced Man" genannt. Ob er zu den direkten Vorfahren des Menschen gehört, ist noch umstritten.

Die Gattung Homo

Aus den Australopithecinen oder dem "Flat Faced Man" entwickelten sich vor zwei bis drei Millionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung Homo.

Hierbei handelt es sich um den Homo rudolfensis (benannt nach dem Rudolf-See, heute Turkana-See, in Kenia), den Homo habilis (der "geschickte" Mensch, für den bereits Werkzeugherstellung nachweisbar ist) und den Homo ergaster. Über diese Arten ist nur wenig bekannt, die Fundsituation ist recht heterogen, und die Verwandtschaftsbeziehungen sind ungenügend geklärt.

Vor etwa eineinhalb bis zwei Millionen Jahren entwickelte sich Homo erectus. Diese Menschenform war die erste, die Afrika verließ und sich über den vorderen Orient nach Europa und Asien auszubreiten begann. Bei Homo floresiensis, scherzhaft auch "Hobbit" genannt, dessen Überreste 2003 auf der indonesischen Insel Flores entdeckt wurden, handelt es sich wahrscheinlich um eine späte Zwergform des Homo erectus.

Die weitere Entwicklung wird diskutiert. Die jüngsten Fossilien des Homo erectus, die auf Java gefunden wurden, sind etwa 50.000 Jahre alt. Vor ca. 800.000 Jahren entwickelt sich parallel zum Homo erectus als besonders große Form der Homo heidelbergensis ("Goliath"). Es ist unklar, ob er eine Unterart des Homo erectus (europäische Forschung) oder eine eigene Art (angloamerikanische Forschung) darstellt.

Aus dem Homo heidelbergensis oder dem Homo erectus entwickelten sich zwei weitere Menschenformen: Der Neandertaler (Homo neanderthalensis) und der Homo sapiens, der heutige Mensch samt seinen direkten Vorfahren. Diese vier Menschenformen könnten teilweise zur gleichen Zeit gelebt haben.

Homo sapiens - Out of africa?

Über die Ursprünge des Homo sapiens gehen die Meinungen auseinander: Die "Out of Africa"-Hypothese vermutet, dass die Ausbreitung vor etwa 150.000 Jahren durch eine zweite Auswanderungswelle von Afrika aus in alle anderen Regionen der Erde begann. Die "multiregionale" Hypothese vermutet, dass sich lokale Populationen des Homo erectus mehrfach unabhängig voneinander in verschiedenen Regionen der Welt zum Jetztmenschen entwickelten, wobei es in Kontaktzonen zu einer genetischen Vermischung lokaler Gruppen der dortigen frühen Menschen kam. Genetische Befunde stützen vor allem die erste Hypothese. Dies schließt eine Vermischung zwischen Homo sapiens und den späten Vertretern der anderen Arten nicht aus und ist für Einzelfälle wahrscheinlich.

Die ältesten Funde des modernen Menschen in Afrika sind etwa 160.000 Jahre alt. Außerhalb Afrikas reichen Funde des Homo sapiens bis etwa 100.000 Jahren zurück. Es handelt sich bei ihm um die einzige Menschenart, die Amerika (vor etwa 35.000 Jahren, nach mancher Ansicht wesentlich früher) und Australien (vor etwa 60.000 Jahren) besiedelt hat. Homo sapiens ist zugleich der letzte Überlebende der Gattung Homo innerhalb der Familie der Hominiden.

Neue Gattungen

In den Jahren 2000-2002 wurden vier neue Gattungen und ein halbes Dutzend neuer Arten entdeckt. Die fossilen Funde werden nach Alter und nach morphologischen Eigenschaften (Zähne und Gehirn) zusammengefasst. Die einzelnen Gruppen sind überraschenderweise in diesen Eigenschaften recht inhomogen: der älteste Hominidenfund hat verblüffend moderne Merkmale hinsichtlich der zierlichen Zähne und des flachen Gesichtes.

Modelle der frühen Hominisation

Anhand der Skelettmerkmale kann festgestellt werden, dass sich der aufrechte, zweibeinige Gang des Menschen deutlich früher entwickelte als die starke Vergrößerung des Gehirns.

Zur Erklärung der Merkmale aufgrund veränderter Selektionsbedingungen gibt es vor allem zwei Modelle:

die Savannen-Hypothese. Sie sieht eine weltweite klimatische Veränderung mit einer Ausbreitung der Steppen und einem Rückgang der Urwaldgebiete von Ostafrika bis Süd-Ost Asien vor ca. 15 Millionen Jahren als Anstoß. Unsere heutigen Nachfahren leben noch heute in diesen Gebieten. Der aufrechte Gang könnte sich bereits vorher als Anpassung an eine Lebensform zwischen Baum und Boden entwickelt haben. Während rein baumbewohnende Arten sich ebenso vierfüßig fortbewegen wie rein bodenbewohnende, ist eine Lebensweise, die einen Großteil ihrer Nahrungsquellen auf dem Boden findet, diese aber im Schutz der Bäume verzehrt, für eine aufrechte Fortbewegung prädestiniert ("präadaptiert"). Auch moderne Affen können z.T. gut aufrecht laufen. Dieser Hypothese widerspricht, dass die ältesten Hominiden, für die der aufrechte Gang nach den jüngsten Funden nachzuweisen ist, in dicht bewaldeten Gebieten gelebt haben.  
 
die Wasseraffen-Theorie, weiter entwickelt zur Wat-Affen-Theorie. Sie geht davon aus, dass während der frühen Hominisation Vorfahren des heutigen Menschen teilweise am und im Wasser gelebt haben. So zeigen auch Menschenaffen (die ungern ins Wasser gehen) im Wasser watend den aufrechten Gang. Bei einer Intensivierung dieser Lebensweise hätte es einen Selektionsdruck gegeben, der anatomische Anpassungen an den aufrechten Gang sowie weitere Merkmale, die für eine semiaquatische Lebensweise nützlich sind (geringe Behaarung), begünstigt hätte. Diese Hypothese kann sich auf keine Fossilfunde stützen; jedoch zeigen neueste Analysen, dass sich in den Knochen unserer Vorfahren Mineralien abgelagert hatten, die auf marine Nahrungsquellen schließen lassen. Auffällig ist auch die im Verhältnis zu anderen Primaten gute Schwimmfähigkeit. Kinder bis sechs Monate können schwimmen ohne zu ertrinken, dann verlernen sie es. Die Wasseraffen-Theorie geht von der Annahme aus, dass sich die Vorfahren des Menschen bereits vor rund 12 Millionen Jahren von den Menschenaffen abgespalten haben. Tatsächlich geschah dies aber vor ca. 7 Millionen Jahren. Für die nötigen Evolutionsschritte ins Wasser hinein und aus diesem wieder heraus fehlt daher nach Ansicht von Kritikern die nötige Zeit.  

Eine treibende Kraft der Hominisation war möglicherweise das Zusammenwirken von aufrechtem Gang (dadurch freie Greifhände) und dem Zwang zur Kooperation in der Gruppe. Hieraus könnte zuerst die Gebärdensprache und später die Wortsprache entstanden sein. Eine Verständigung über Zeichen begünstigt die Ablösung von instinktgesteuertem Verhalten zugunsten kultureller Normen. Dadurch wurden schnelle Anpassungen an neue Lebensräume und veränderte Lebensbedingungen zusätzlich zur biologischen Evolution möglich (Soziokulturelle Evolution).

Ein anderes (Außenseiter-)Modell ist die Retardations- und Foetalisationstheorie nach Lodewijk Bolk bzw. Neotenie-Hypothese nach Emile Devaux. Sie geht davon aus, dass der Mensch neoten sei und - überspitzt formuliert - auch im Erwachsenenstadium einen geschlechtsreifen Affenfötus darstelle. Tatsächlich weist auch der erwachsene Mensch mehr Ähnlichkeiten mit jungen Menschenaffen auf als mit erwachsenen Menschenaffen. Beispiele dafür sind die Kopf- und Gesichtsform, das Verhältnis von Hirnschädel zu Gesichtsschädel, spärliche Behaarung und die Form der Hände. Dabei handelt es sich nicht um eine vollständige Neotenie, sondern um eine neotene Entwicklungsverzögerung bei einzelnen Merkmalen. Dieses Modell befasst sich mit dem Zustandekommen der Merkmale auf ontogenetischer Ebene, nicht dagegen mit der Frage von Selektionsbedingungen. Es ist daher mit beiden oben genannten Modellen kompatibel. Eine besondere Eleganz der Neotenie-Hypothese liegt darin, dass sie auch eine relativ schnelle Ausprägung einiger typisch menschlicher Merkmale erklären kann. So bedarf eine Neotenie nur geringer Änderungen im Hormonhaushalt, die bereits durch wenige Mutationen ausgelöst werden können. Durch diesen Mechanismus wäre eine Anpassung an veränderte Lebensbedingungen schnell möglich gewesen.

Ökologische Differenzierung bei Australopithecinen

Eine Klimaveränderung, ausgelöst durch die plattentektonische Hebung Ostafrikas, bewirkte eine weitgehende Versteppung des angestammten Lebensraums. Diese Grassteppe bot in erster Linie Nahrung für Grasfresser (Paarhufer, Wiederkäuer), die es vorher schon, meist in kleineren Formen, als Waldbewohner gab. Diese traten nun bald in großen Herden auf, und weil sie zahlreicher wurden, konnten sich auch Raubtiere und Aasfresser vermehren.

So differenzierten sich zwei Typen von Vormenschen. Die eine Strategie war eine biologische Anpassung an das neue zellulosereiche Nahrungsangebot. Australopithecus robustus und andere Arten entwickelten als Anpassung eine gewaltige Kaumuskulatur und entsprechend mächtige Molaren. Die Muskulatur setzte dabei an einem deutlich sichtbaren Knochenkamm auf dem Scheitel des Schädels an. Es gab verschiedene, meist mächtige und große Primaten, die diese ökologische Nische zu nutzen versuchten, die allerdings allesamt wieder ausstarben.

Eine andere Strategie war die des Fleischfressers. In den Anfängen dürfte sich dies aber auf Aas und Beuteraub beschränkt haben, da der Mensch weder die Fähigkeit besaß, als Raubtier größere Beutetiere zu stellen, noch über Klauen oder Zähne verfügte, die geeignet gewesen wären, ein Beutetier zu töten oder aufzubrechen. Sehr wahrscheinlich kam es hier zum ersten Werkzeuggebrauch, in dem zufällig gefundene scharfkantige Steine dazu benutzt wurden, Beutetiere aufzubrechen. In dieser Phase der Evolution gab es also primitiven Werkzeuggebrauch und sehr wahrscheinlich auch einfache Formen der Kommunikation.

Die frühe Menschheit stand unter einem starken Selektionsdruck. Die anderen Lebenwesen der Steppe waren schon seit Millionen von Jahren an ihre Umgebung angepasst. In körperlicher Leistung konnte man es nicht mit ihnen aufnehmen. Jedoch verfügten die Affen über ein leistungsfähiges Gehirn.

Der größte evolutionäre Schritt war dann aber wohl die Entwicklung der Jagd. Kommunikation und Waffen wurden dabei so weiterentwickelt, dass der frühe Mensch sein biologisches Manko durch kulturelle Leistungen aufhob und nun befähigt war, selbst zu jagen.

Aber damit war die biologische Evolution nicht abgeschlossen. Unter dem Selektionsdruck, Werkzeuge und Kommunikation zu verfeinern, und dem Angebot von reichlich hochwertigem Eiweiß waren höhere intellektuelle Fähigkeiten von Vorteil. Nachdem der Mensch schon Jahrmillionen zuvor den aufrechten Gang erworben hatte, entwickelte er nun auch ein größeres Gehirn. Da sich das weibliche Becken unter Einfluss des aufrechten Ganges aber nicht an den wachsenden Kopfumfang des Neugeborenen anpassen konnte, kamen diese zu einem biologisch immer weiter vorverlegten Termin, also immer weniger weit entwickelt und immer mehr und länger auf Brutpflege angewiesen, zur Welt. Zudem war mehr Zeit nötig, um die Fähigkeiten von den Erwachsenen zu erlernen (vertikale Proliferation im Gegensatz zur horizontalen Proliferation durch Vererbung). Die Evolution half mit der "Erfindung" der Pubertät. Die Entwicklung der Keimzellen wird für einige Jahre gestoppt, wodurch eine längere Zeit von Kindheit und Jugend entsteht, die es dem Menschen ermöglicht, alle überlebensnotwendigen Fähigkeiten zu erlernen (Neotenie). Das menschliche Gehirn wächst bis zum 23. Lebensjahr; Bei den Primaten ist es nach 6 bis 12 Monaten ausgewachsen. Das ermöglicht eine verlängerte Lernphase. Die Geschlechtsreife findet schon jedoch schon vorher statt, (Menschen)Affen werden erst "spät", im Verhältnis zu ihrer mentalen Reife, mit 6 bis 7 Jahren geschlechtsreif.

Eine weitere biologische Anpassung war das Schwitzen am gesamten Körper. Die ersten Primaten regulierten ihre Körpertemperatur vermutlich wie andere Säugetiere über die Atmung, was den Umfang der Wärmeabfuhr stark einschränkte. Kein anderer Primat verfügt über eine so hohe Dichte an Schweisdrüsen wie der Mensch. Er nutzte nun zur Wärmeabfuhr den ganzen Körper und wurde damit in Punkto Ausdauer und Anpassungsfähigkeit den meisten Tieren überlegen. Außerdem ermöglichte das Schwitzen, auch unter großer Hitze oder Anstrengung, die Kommunikationsfähigkeit über die Sprache zu erhalten. Wirklich effektiv war die Fähigkeit zu schwitzen jedoch nur, wenn kein Fell die Luftzirkulation behinderte. In der Folge wurde der Mensch also weitgehend unbehaart. Eigentlich ist es effektiver, ein kurzes Fell wie das eines Löwens zu tragen. Wärmeabsorbtion und UV-Schädigung sind auf nackter Haut weitaus höher. Jedoch war wohl der Selektionsdruck so stark, dass die Vorteile durch die Kühlung alle Nachteile aufwog. Später entwickelte der Mensch als Ersatz schützende Kleidung, die ihm das Überleben in kälteren Regionen ermöglichte.

Evolution des Sexualverhaltens

Die menschliche Sexualität ist in der uns bekannten Natur so einzigartig, wie es auch der Mensch ist ("Wir sind die sonderbarste Spezies von allen", Jared Diamond). Ihre Besonderheiten entstanden gleichzeitig (und in Ko-Evolution, also Wechselwirkung) mit den weiteren anatomischen und kulturellen Merkmalen, die Menschen von den dreißig Millionen anderen Tierarten unterscheiden.

Die wichtigsten Besonderheiten unserer Sexualität sind:

versteckter Eisprung: die Fruchtbarkeit von Tierweibchen wird in der Regel durch körperliche oder Verhaltens-Signale mitgeteilt, damit in dieser Phase eine Befruchtung stattfinden kann; bei Menschen ist dies nicht der Fall, die fruchtbare Phase ist für beide Geschlechter nur schwer zu erkennen.  
 
Sexualität zum Vergnügen: anders als fast alle Tiere wird Sexualität bei Menschen nicht an bestimmten genetisch fixierten Zeiten (Brunftzeiten) praktiziert; Menschen sind grundsätzlich jederzeit an Sexualität interessiert, diese dient vorwiegend dem Vergnügen und weniger der Befruchtung, d.h. sie ist von der Fortpflanzung relativ entkoppelt worden, hat zusätzliche Funktionen erhalten  
 
Kopplung von Scham und Sexualität: Menschen sind die einzige Spezies, die kulturell Scham für Sexualität entwickeln kann; häufig findet Sexualität also unter Ausschluß der Öffentlichkeit statt, während Tiere in der Regel vor den Augen der Artgenossen kopulieren.  
 
Beendigung der Fruchtbarkeit von Frauen: ab einem Alter von ca. 50 Jahren erleben Frauen durch die Wechseljahre ein Ende ihrer Fruchtbarkeit.  
 
"offizielle" Monogamie: dieses umstrittene Merkmal bezieht sich darauf, daß viele (nach einer anderen Position: die meisten) menschlichen Kulturen die mehr oder weniger langfristigen Paarbeziehungen zwischen einer Frau und einem Mann zum Zweck der Kinderaufzucht kennen. Relativ selten kommen offizielle Polygynie oder Polyandrie vor. Die offizielle Monogamie ist nachweisbar gekoppelt mit einer Neigung beider Geschlechter zu "Seitensprüngen" ("Kombinierte Fortpflanzungsstrategie")  

Diese Besonderheiten der menschlichen Sexualität können erklärt werden durch ihre Ko-Evolution mit anatomischen und Verhaltens-Merkmalen der Menschen, zwischen denen sie das Bindeglied darstellt. Zu den anatomischen Besonderheiten zählen v.a. die leistungsfähige Greifhand, die koordinierten Augen (dreidimensionales Sehen), das größere Gehirn, der aufrechte Gang und sehr modulationsfähige Stimmbänder als Voraussetzung des Sprechens. Zu den kulturellen Merkmalen zählen die extrem gesteigerte Fähigkeit zu kollektivem Lernen (durch Sprache, d.h. symbolische Kommunikation), Kooperation und Technikeinsatz (Feuer, Werkzeuge, Landwirtschaft etc.). Mit zunehmender Leistungsfähigkeit der menschlichen Technik wächst die Abhängigkeit von ihr und gleichzeitig der Aufwand, der bei der Kinderaufzucht zur Weitergabe des technischen Wissens betrieben werden muß, bis die Nachkommen sich relativ selbständig ernähren und wiederum fortpflanzen können. Dieser wachsende Aufzucht-Aufwand wirkte über hunderte von Generationen als Selektionsdruck auf Anatomie und Sexualphysiologie zurück. Eine stabile Kooperation von mindestens zwei Erwachsenen bei der Kinderaufzucht hat sich in der biologisch-kulturellen Evolution durchgesetzt. Eine Reihe von Autoren vertritt die Position, daß der versteckte Eisprung, die Sexualität zum Vergnügen und die Privatheit des Sexualaktes Merkmale sind, die die Bindung des Mannes an eine Frau, d.h. die zur Kinderaufzucht notwendige langfristige wirtschaftliche Kooperation von Paaren begünstigt haben. Die Beendigung der Fruchtbarkeit der Frau ab einem Alter, in dem die Lebensgefahr durch die Geburt eine bestimmte Schwelle überschreitet, komme ebenfalls der Kinderaufzucht zugute und habe sich deshalb in der Evolution bewährt und durchgesetzt.


Autor: Wikepedia
Quelle:
» http://de.wikipedia.org/wiki/Hominisation