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Die Frage "Woher kommen wir?" ist eine der ältesten der Welt. Dieser Artikel soll aus Paläontologischer und Molekulargenetischer Sicht eine Antwort auf diese Frage geben.

Einführung

Gerade in den letzten Jahren hat die Paläoanthropologie, also die Forschung, die sich mit der Entwicklungsgeschichte des menschlichen Stammbaumes beschäftigt, große Fortschritte gemacht. Es wurden innerhalb kurzer Zeit viele neue Arten von Hominiden gefunden und so einige Lücken geschlossen. Teilweise wurden auch neue Fragen aufgeworfen, da man Fossilien in Gegenden gefunden hat, in denen man sie nicht vermutet hatte. Teilweise steht es noch aus, diese in den Stammbaum einzugliedern. Einige Entwicklungen konnten noch nicht ganz enträtselt werden, doch gibt es auch Dank neuer Methoden, wie der Molekulargenetik über manche Dinge immer mehr Gewissheit. So hat sich die Linie, die schließlich zum Menschen führen sollte vor etwa 7,5 Mio. Jahren von der gemeinsamen mit den Menschenaffen getrennt. Vor etwas mehr, als 100.000 Jahren lebte dann die letzte gemeinsame Vorfahrin aller heute lebenden Menschen in Afrika.

Anatomische Veränderungen

Der Mensch hat seit dem Verlassen der Evolutionslinie der Affen eine Vielzahl von Veränderungen durchgemacht, die sich am deutlichsten im Körperbau zeigen. Die Ursachen finden sich hauptsächlich in der Umstellung von der vierbeinigen auf die zweibeinige Fortbewegung, den einzigartigen für den Menschen typischen aufrechten Gang und in der Umstellung der Ernährung. Im Zusammenhang mit dem Gehirnwachstum musste aber auch der Schädel insgesamt größer werden.

Aufrechter Gang

Es gibt heute viele Spekulationen darüber, aus welchem Grund sich damals einige Affen auf ihre Hinterbeine stellten, um fortan nur noch diese zum Laufen zu benutzen. Diese Untersuchungen wurden aber im Vergleich zu Vierbeinern gemacht, die gute Lokomotionswerte besitzen. Menschenaffen gehören aber nicht gerade zu den effektivsten Läufern. Im Vergleich zu diesen ist der aufrechte Gang des Menschen in jedem Fall eine Energieersparnis. Ein sicherer Vorteil ist, dass die Hände, die zuvor für die Lokomotion benötigt wurden, nun für andere Dinge gebraucht werden konnten, so z. B. zum Tragen größerer und mehrerer Gegenstände oder zur Verteidigung. Einige Wissenschaftler glauben, der aufrechte Gang habe sich unter anderem deshalb entwickelt, um der starken Sonneneinstrahlung in der offenen Savanne entgegenzuwirken, indem der Körper ihr durch seine Haltung weniger Angriffsfläche bietet. Das ist aber unwahrscheinlich, da sich die bipede Fortbewegung nach neuesten Erkenntnissen bereits im Wald entwickelte, wo die Sonne noch nicht so eine Rolle spielt. Die neueste Theorie besagt, dass der zweibeinige Gang sich entwickelte, als der zusammenhängende Wald sich zurückzog und nur noch Bauminseln zurückblieben. Die einzelnen Waldgebiete waren nicht mehr groß genug, um einer ganzen Horde von Hominiden genügend Nahrung zu bieten. Dadurch mussten zur Nahrungsbeschaffung größere Strecken zurückgelegt werden, was es auch nötig machte, die Nahrung weiter zu transportieren. Es ist also gut, dafür die Hände frei zu haben. Ein großer Vorteil für die Vormenschen war dabei, dass sie durch die im Vergleich zu den Hinterbeinen wesentlich größeren Vorderbeine bereits eine relativ aufrechte Oberkörperhaltung einnahmen. Auch Menschenaffen können über kürzere Strecken auf zwei Beinen laufen, z.B. um Weibchen zu imponieren, oder um einfache Werkzeuge, wie Stöckchen zum Termitenangeln zu gebrauchen. Dabei fällt allerdings auf, dass sie nicht so elegant und geschmeidig, wie wir Menschen laufen, sondern von einem Bein aufs andere schaukeln. Das liegt daran, dass sie ihren Körperschwerpunkt nicht über ihrem Standbein halten können, weil ihre Knie nicht wie bei uns nach innen gestellt sind. Dazu ist bereits ein breiterer Ansatz in der Hüfte und somit auch ein breiteres Becken notwendig. Zusätzlich wurde das Becken und speziell die Beckenschaufeln verkürzt, da die inneren Organe jetzt nicht mehr an ihm aufgehängt werden mussten, sondern in ihm wie in einer Schüssel ruhen konnten. Oberschenkel- und Unterschenkelknochen wurden insgesamt verlängert, um eine schnellere Fortbewegung zu ermöglichen. Die Verse hat sich nach hinten vergrößert, um eine bessere Hebelwirkung beim Ausstrecken des Fußgelenkes zu erhalten. Außerdem wurde sie runder um beim Laufen ein besseres Abrollen zu gewährleisten. Die Mittelfußknochen entwickelten sich zum Fußgewölbe, um das Gewicht des Körpers besser abfedern zu können, das die Füße ja nun alleine tragen mussten. Die Zehen wurden verkürzt, um das Auf- und Abpendeln des Körpers zu verringern, das nur unnötig Energie kosten würde. Außerdem wurden dadurch die anderen Gelenke geschont. Der große Fußzeh, der jetzt auch nicht mehr zum Greifen nach Ästen benötigt wurde, wurde wieder nach vorne gerichtet. Der aufrechte Gang bewirkte aber nicht nur Veränderungen im Laufskelett selbst, sondern auch im Oberkörper. Der Ansatz der Wirbelsäule am Kopf, sowie das große Hinterhauptsloch, durch welches das Rückenmark in den Schädel eindringt, wurden nach vorne unter die Schädelbasis verlegt, um den Schädel über dem Körperschwerpunkt zu halten. Die Wirbelsäule wurde zusätzlich gekrümmt, um den Oberkörper besser zu stabilisieren und um das Gewicht besser abfedern zu können. Die Ellbogengelenke mussten nicht mehr so robust sein, um das Gewicht beim Laufen tragen und konnten graziler gestaltet werden, was eine höhere Bewegungsfreiheit ermöglichte. Auch die Finger wurden der neuen Situation angepasst. Der Daumen wurde breiter und beweglicher, so dass er jedem der anderen Finger gegenübergestellt werden konnte, was einen festeren Griff beim Tragen ermöglichte. Die anderen Finger wurden etwas kürzer und die Fingerknochen, die bei den Menschenaffen noch gekrümmt sind, um besser um Äste greifen zu können, wurden geradegebogen. Im Gegensatz zu den Beinen wurden die Arme verkürzt, um schwere Gegenstände näher am Körperschwerpunkt tragen zu können und so Energie zu sparen.



Nahrungsumstellung und Kauapparat

Im Gegensatz zu den Spekulationen um die Entstehung des aufrechten Ganges liegen die Gründe für die Nahrungsumstellung auf der Hand. Das Klima in Afrika wurde während der Evolution der Hominiden immer trockener, die Vegetation immer spärlicher und härter. Nicht mehr die Früchte, das Laub und die Knospen der Wälder standen auf dem Speiseplan, sondern die härtere Kost des Savanne. Die Kauflächen der Backenzähne verbreiterte sich, während sich die Schneidezähne ein wenig verkleinerten. Der Zahnschmelz wurde dicker und härter, wodurch sich die Zahnkronen weiter vom Zahnfleisch abhoben. Diese Veränderungen betraf in besonderem Maß die Linie der robusten Australopithecinen. Eine zweite Linie, die schließlich zum modernen Menschen führen sollte, bereicherte ihren Speiseplan zusätzlich mit fleischlicher Nahrung. Durch das Freiwerden der Hände konnten diese nun auch für den Kampf und zur Verteidigung eingesetzt werden. Deshalb waren auch die großen spitzen Fangzähne nicht mehr nötig. Im Laufe der Evolution wurden diese zurückgebildet und verkleinert. Möglicherweise wurden diese aber hauptsächlich deshalb reduziert, weil die härtere Nahrung intensiver zerkaut und zermahlen werden musste und die langen Eckzähne dabei im Weg waren. Zusätzlich Platz wurde im Gebiss dadurch geschaffen, dass die Lücken in den jeweils entgegengesetzten Kieferseiten nicht mehr nötig waren, um die Fangzähne bei geschlossener Schnauze in sich aufzunehmen. Die Zähne konnten sich näher aneinanderschieben und die Lücken schließlich ganz schließen. Dies hatte auch zur Folge, dass sich die Schnauze zurückbilden und am Ende bei der Gattung Homo ganz verschwinden konnte.

Gehirnwachstum und Sprachentwicklung

Die wesentlichste Veränderung, die der Mensch während seiner Evolution gemacht hat, wenngleich sie anatomisch nur wenig ins Gewicht fällt, ist die Vergrößerung seines Gehirns, weil er sich erst dadurch von den übrigen Tieren abheben konnte. Ein durchschnittlicher moderner Mensch hat ein Gehirnvolumen von etwa 1350-1450 cm³. Das entspricht dem drei- bis vierfachen des Wertes der großen Menschenaffen. Dieses enorme Wachstum begann allerdings nicht sofort. Die direkten Nachfahren der Menschenaffen, die Australopithecinen, hatten mit 400-500 cm³ ein nur unwesentlich größeres Gehirn, als diese. Erst mit dem Auftreten der Gattung Homo und deren Hinwendung zu energiereicher fleischlicher Nahrung und dem Anfertigen immer komplexerer Werkzeuge, fing das Gehirn rasch an, zu wachsen. Bereits Homo habilis und H. rudolfensis hatten mit etwa 800 cm³ ein etwa doppelt so großes Gehirn, wie die Menschenaffen. Dabei begann die Schädeldecke sich zu wölben. Über den Augen bildete sich langsam eine Stirn heraus, während der Hinterkopf zunächst spitz blieb. Das Gehirn selbst wurde ebenfalls moderner, so wies der Paläoneurologe Ralph Holloway anhand des Innenraumabdrucks eines Rudolfensis-Schädels das Vorhandensein des Broca-Zentrums nach. Dieses ist für die grammatikalische Struktur der Sprache zuständig und kommt bei den Menschenaffen nicht vor. Sprechen konnte der frühe Vormensch allerdings wahrscheinlich noch nicht. Diese Fähigkeit hatte aber einer seiner Nachfahren, Homo erectus, bei dem sich das Gaumendach über den Atemwegen bereits wölbte. Das ist ein sicheres Zeichen dafür, dass der Kehlkopf, der bei allen Säugertieren nahe an der Mundhöhle liegt, tiefer in den Hals gerutscht war. Beim modernen Menschen zeigt sich ein direkter Zusammenhang zwischen dem Grad der Aufwölbung und dem Abrutschen des Kehlkopfes. Beides nimmt im Verlaufe der Jugend zu und erreicht sein Maximum etwa im 14. Lebensjahr. Beim Homo erectus entsprach die Wölbung des Gaumendaches etwa einem sechsjährigen Menschen. Dementsprechend dürften seine Artikulationsfähigkeiten auch noch nicht vollständig ausgeprägt gewesen sein. Dass Homo erectus sprechen konnte, ist aber so gut wie erwiesen, denn ein tiefsitzender Kehlkopf bring einen gravierenden Nachteil mit sich. Menschen können, anders als alle anderen Säugetiere, nicht gleichzeitig schlucken und atmen. Dieser Nachteil ist so tiefgreifend, dass er nur durch einen noch größeren Vorteil, der sich dabei ergibt, wieder wett gemacht werden kann und da ist in dem Fall nur eine fortschrittliche Lautsprache denkbar. Seine Schädelform modernisierte sich weiter und wirkte schon sehr menschlich. Die Schädeldecke hatte sich weiter gewölbt und bot nun Platz für ein Gehirn von bis zu 1200 cm³, damit schon annähernd so groß war, wie das der modernen Menschen. Die fliehende Stirn und die Seitenwände des Schädels stellten sich weiter auf und erreichten schließlich die heutige Form und Größe. Der Hinterkopf ist nicht mehr spitz, sondern rund. Beim modernen Homo sapiens ist die durchschnittliche Gehirngröße allerdings wieder rückläufig. Der Schweizer Anthropologe Robert D. Martin sieht darin seine Hypothese von der Abhängigkeit von Energieversorgung und Gehirngröße bestätigt. Er vermutet, dass die Mütter in den letzten 20.000-30.000 Jahren ihre Kinder mit immer weniger Milch versorgt hätten, wodurch die Versorgung des Gehirns nicht mehr optimal gewährleistet war. So etwas lässt sich jedoch nicht fossil belegen. Eine Möglichkeit ist auch die, dass die Gehirngröße keinen Selektionsvorteil mehr bietet, seit der Mensch sesshaft geworden ist und deshalb nicht mehr begünstigt wird. Denkbar ist auch eine kürzere Generationenfolge und eine höhere Anzahl von Nachkommen bei Menschen mit geringerem Gehirnvolumen. Allerdings sollte man mit solchen Aussagen vorsichtig sein, da die Gehirngröße kein direkter Hinweis auf die Intelligenz eines Menschen darstellt.

Mitglieder im Stammbaum der Hominiden

Vormenschenarten

Ardipithecus ramidus

Vor etwa 5-7 Ma begann ein Wesen, sich vom Mainstream der Menschenaffen zu lösen und sich fortan auf zwei Beinen fortzubewegen. Diese Entwicklung war dann vor ungefähr 4,5 Ma mit dem Ardipithecus ramidus abgeschlossen. Nach diesem Bindeglied zwischen Affe und Menschen wurde lange Zeit gesucht, bis schließlich Tim White, ein amerikanischer Hominidenforscher von der University of California in Berkeley, im September 1994 seine 4,4 Ma alte Entdeckung bekannt gab, die er zunächst der Gattung der Australopithecinen zuordnete. Bei den Fundstücken aus der Steinwüste des äthiopischen Middle-Awash-Beckens handelt es sich überwiegend um Gebissteile von insgesamt 17 Individuen, unter denen sich auch das eines Kindes befindet. An diesem erkannte White, dass der Eckzahn nicht mehr so mächtig ist, wie bei den Menschenaffen und die vorderen Backenzähne, die Prämolaren, sind weniger scharfkantig. Dagegen stimmen die Milchbackenzähne noch nicht mit denen von Australopithecus afarensis überein. Deshalb wird der Fund heute auch einer neuen Gattung, Ardipithecus, zugeordnet. Der im Vergleich zu den Australopithecinen noch sehr dünne Zahnschmelz lässt auf eine weiche Waldnahrung schließen. Das bedeutet, dass sich dieses Wesen wahrscheinlich noch nicht in die offene Graslandschaft hinausgewagt hat. Es spricht aber vieles dafür, dass sich Ardipithecus ramidus bereits auf zwei Beinen fortbewegte. Zum Beispiel befindet sich das Foramen magnum, das große Hinterhauptsloch, durch welches das verlängerte Rückenmark ins Schädelinnere tritt, näher an der relativ kleinen Schädelbasis. Analoges gilt auch für die Kopfgelenke. Eine vierbeinige Fortbewegung gilt auch wegen eines gefundenen Ellbogengelenkes als unwahrscheinlich, das sich deutlich von dem der kletternden Menschenaffen unterscheidet. All diese Indizien sprechen zusammengenommen eindeutig dafür, dass der aufrechte Gang bereits im Wald und nicht erst in der Savanne entwickelt wurde.

Australopithecus anamensis

Das Verwandtschaftsverhältnis der frühen Australopithecinen zu Ardipithecus ramidus ist noch nicht ganz geklärt. Fast steht, dass die ältesten Australopithecinen auf eine Zeit etwa 200.000 Jahre nach den von Tim White gemachten Funden datiert werden. Etwa 4,2 Ma alte Exemplare von Australopithecus anamensis wurden im Turkana-Becken im Norden Kenias von Meave Leakey 1994 beschrieben. Reste dieser Art wurden aber auch am Ostrand des Turkana-Sees entdeckt. Seine Lebensspanne erstreckte sich vermutlich von 4,2-3,8 Ma. Der Schädel von Australopithecus anamensis war noch sehr Menschenaffenähnlich. Die Zahnreihen in Ober- und Unterkiefer stehen fast parallel. Die deutlich schräg zur Kaufläche stehenden Eckzähne, sowie die Backenzähne sind relativ groß. Der Bau der Extremitäten erinnert dagegen schon recht stark an den der modernen Menschen, was dafür spricht, dass der aufrechte Gang voll entwickelt war, möglicherweise sogar weiter als beim jüngeren Australopithecus afarensis, was bedeuten würde, dass A. anamensis nicht sein Vorläufer gewesen sein kann.

Australopithecus afarensis

Die vermutlich bekannteste Vormenschenart ist der 3,7-2,9 Ma alte Australopithecus afarensis, zu dem auch die „Lucy“ zählt, deren Fund 1974 eine wahre Manie auslöste, was die Hominidenforschung betrifft. Das etwa 3,2 Ma alte Skelett ist das bislang vollständigste eines Vormenschen. Beim Afarensis ist der Zahnschmelz schon deutlich dicker, als beim Ramidus, also hatte er sich bereits an härtere Pflanzenkost gewöhnt und lebte vermutlich nicht mehr im Wald. Auch die Kauflächen seiner Backenzähne war vergrößert. Die ehemals dolchartigen Eckzähne verkleinerten sich dagegen weiter, und sie waren auch nicht mehr so spitz wie bei seinen Vorgängern. 3,6 Ma Jahre alte Fußabdrücke aus einer Ascheschicht im tansanischen Laetoli belegen, dass Australopithecus bereits dauerhaft auf zwei Beinen laufen konnte. Die Arme waren allerdings immer noch recht lang, und auch die Anatomie seiner Schulterblätter deutet an, dass er noch ein sehr guter Kletterer war. Auch die Fingerknochen waren noch deutlich stärker gebogen, als beim modernen Menschen. Sein Gehirn hatte sich mit einer Größe von 400-500 cm³ nicht wesentlich weiterentwickelt. Mit einer Körpergröße von 1-1,2 m war Afarensis auch insgesamt noch recht kleinwüchsig und die relativ kurzen Beine bedeuten, dass der aufrechte Gang doch sehr kraftaufwändig war. Dagegen ist der große Zeh nicht mehr abgespreizt, wie bei den Menschenaffen, sondern steht schon parallel zu den anderen Zehen. Dies verbessert das Abrollen über die Fußballen schon beträchtlich.

Australopithecus bahrelgazali

Beim Australopithecus bahrelgazali handelt es sich um eine geographische Variante der Australopithecinen aus dem westlichen Afrika. Die Gesichtspartie ist deutlich steiler, als bei anderen Hominiden desselben Alters. Sein Fund von 1995 in Bahr el gazal im Tschad sorgte nicht nur wegen seines Alters von 3,5-3,2 Ma Jahre für Aufregung, hatte man doch angenommen, Australopithecus afarensis sei über einen langen Zeitraum der einzige Hominide gewesen, sondern auch wegen seiner geographischen Lage im westlichen Afrika. Bis dahin hatte man Hominidenfunde ausschließlich aus dem östlichen und südlichen Afrika gekannt und knüpfte ihre Evolution unmittelbar an die Bildung des ostafrikanischen Grabenbruches geknüpft. Inzwischen geht man davon aus, dass Funde aus dem westlichen Afrika lediglich deshalb so selten sind, weil dort Gebiete mit guter fossiler Erhaltungschance relativ selten sind.

Australopithecus garhi

1999 wurden auch erstmals im nordöstlichen Afrika Funde von Australopithecinen gemacht. Tim White entdeckte dort im äthiopischen Hata eine 2,5 Ma alte geographische Variante, die er Australopithecus garhi nannte. Am erstaunlichsten ist, dass man neben Schädel-, Gebiss- und Langknochenresten auch Steinwerkzeuge entdeckte, die bis dato ausschließlich der Gattung Homo zugeschrieben wurden. Eine direkte Beziehung zwischen den Werkzeugen und den Fossilfunden konnte bisher allerdings noch nicht nachgewiesen werden. Dennoch könnte Australopithecus garhi der Gattung Homo durchaus nahe stehen.

Australopithecus africanus

Der erste Hominidenfund in Afrika war 1924 der des Kindes von Taung durch Raymond Dart. Er zählt zur Spezies Australopithecus africanus, die in der Zeit vor 3-2 Ma im südlichen Afrika lebte. Diese Art hatte eine kürzere Schnauze, als seine Vorgänger und noch kleinere Eckzähne. Die jeweils im gegenüberliegenden Kiefer gelegene Lücke war nun komplett verschwunden. Die Backen- und Vorderbackenzähne sind beinahe doppelt so groß, wie beim modernen Menschen. Typisch sind die weit ausladenden seitlichen Jochbeine. Die Stirn des Africanus begann sich zwar bereits zu wölben, doch war sein Gehirn nur unwesentlich größer, als das des Afarensis. Allerdings könnte der Beginn der Ausweitung des Schädeldaches entscheidend für die weitere Evolution sein, da Australopithecus africanus ein sehr wahrscheinlicher Vorläufer der Gattung Homo sein dürfte. Die Kniegelenke liegen in ihrer Entwicklung quasi zwischen der von Menschenaffen und Menschen. Während beim Schimpansen die äußere Gelenkrolle größer ist und das meiste Gewicht trägt, ist es beim Menschen die innere. Beim Australopithecus africanus ist es ausgeglichen. Jüngste Untersuchungen zeigen, dass der Lebensraum des Africanus noch stark baumdominiert war. Man fand teilweise noch Anzeichen für tropische Regenwälder mit Lianenbewuchs. Australopithecus africanus war vermutlich bereits Allesfresser, aber er dürfte wohl noch nicht selbst auf die Jagd gegangen sein, sondern sich ab und zu von Aas ernährt haben.

Robuste "Australopithecinen"

Die sogenannten robusten Australopithecinen stellen eine Seitenlinie im Hominidenstammbaum dar, die einen anderen Weg genommen haben, als die Gattung Homo. Einige Wissenschaftler ordnen sie deshalb heute einer eigenen Gattung zu, die sie Paranthropus nennen. Dieser Nomenklatur soll hier Rechnung getragen werden. Es gilt allerdings zu bedenken, dass sie in vielen Arbeiten noch als Australopithecus geführt werden. Vor etwa 2,5 Ma kam es erneut zu einem starken Wandel in der Vegetation, die nur zwei Möglichkeiten zuließ. Entweder passte man sich an die harte Pflanzennahrung an, oder man eroberte sich neue Nahrungsressourcen. Beide Möglichkeiten wurden von den Hominiden verwirklicht und es kam zur deutlichsten Aufspaltung im Hominidenstammbaum. Die eine Linie führte zu grazileren Arten mit größeren Gehirnen und schließlich zu uns Menschen, die andere führte zu immer robusteren Arten mit kräftigem Kauapparat.

Paranthropus aethiopicus

[ühttp://terra.planeten.ch/images/aaethiop.gif right]]Über Paranthropus aethiopicus ist nicht viel bekannt. Es gibt einen einzigen Schädelfund, Black Skull, der 1985 von Alan Walker und Richard Leakey am Turkana-See in Kenia gefunden und beschrieben wurde. Die Art lebte vor 2,6-2,3 Ma, hatte ein relativ flaches und breites Gesicht, sowie ein relativ kleines Gehirn mit knapp über 400 cm³. Charakteristisch ist der für die Gattung typische große Scheitelkamm, an dem kräftige Kaumuskeln ansetzen konnten.

Paranthropus boisei

Der sogenannte „Nussknacker-Mensch“ ist die robusteste aller Hominidenarten. Die Backenzähne erreichen eine Breite von über 2 cm und der Knochenkamm auf dem Schädel ist deutlich ausgebildet. Mit etwa 530 cm³ liegt die Gehirngröße über der des Aethiopicus. Paranthropus boisei existierte über einen relativ langen Zeitraum von 2,5-1,1 Ma und wurde erstmals 1959 beschrieben.

Paranthropus robustus

Beim Paranthropus robustus, der erstmals 1936 von Robert Broom in Kromdraai gefunden wurde, ist der Scheitelkamm von allen Arten seiner Gattung am wenigsten ausgeprägt. Sein Gehirnvolumen ist mit der des Boisei vergleichbar. Seine Schneide- und Eckzähne sind im Vergleich zu den Mahlzähnen ziemlich klein. Sie waren allerdings keine reinen Vegetarier, da sie sich nachgewiesenermaßen auch von Termiten ernährten. Zur Zeit des Robustus war das Klima bereits wieder etwas feuchter geworden und es gab vermehrt weichere pflanzliche Nahrung, die auch durch die kleineren Zähne belegt ist. Der Daumen war mit dem eines modernen Menschen vergleichbar. Dementsprechend durfte er wohl auch sehr präzise zugepackt haben dürfen. Paranthropus robustus ist nur aus dem südlichen Afrika bekannt und lebte dort vor etwa 1,8-1,3 Ma.

Frühmenschenarten

Homo rudolfensis und Homo habilis

Aus den Australopithecinen entwickelte sich vor 2,5 Ma neben den robusten Hominiden der Gattung Paranthropus auch die Gattung Homo. Wie genau das ablief und welchen Weg die Evolution dabei nahm, ist bis heute höchst umstritten. Viele Wissenschaftler sehen 2 Arten von Frühmenschen an ihrem Anfang, Homo habilis und Homo rudolfensis. Andere wiederum sehen die Unterschiede zwischen den beiden als natürliche Variation innerhalb einer Spezies, die mit Geschlechtsdimorphismus zu erklären wären. In jüngster Zeit steigt die Anzahl der Wissenschaftler, die im Homo habilis einen Vertreter der Australopithecinen sehen. Tatsache ist, dass H. habilis einige moderne Merkmale speziell im Gebiss besitzt, die der H. rudolfensis nicht hat. Dagegen ist sein Lokomotionsskelett eher wie bei den Australopithecinen, während das von H. rudolfensis dem der modernen Menschen ähnelt. Nachdem vor kurzem eine etwa 3,5 Ma alte neue Gattung namens Kenyanthropus entdeckt wurde, sehen erste Wissenschaftler eine nähere Verwandtschaft des Rudolfensis zu dieser Gruppe und bezeichnen ihn folglich als Kenyanthropus rudolfensis. Wie gesagt ist das genaue Verwandtschaftsverhältnis noch nicht geklärt und wird Stoff für hitzige Debatten liefern. Homo rudolfensis ist mit 2,5-1,8 Ma der ältere von beiden. Seine oberen Vorbackenzähne besitzen 3, die unteren 2 Wurzeln, wie dies auch bei den Australopithecinen der Fall ist. Die unteren Backenzähne haben breite Kronen und die Weisheitszähne sind verkleinert. Dagegen sind seine Oberschenkel und seine Füße eindeutig der Gattung Homo zuzuordnen. Auch sein im Vergleich zum Habilis größeres Gehirn mit etwa 600-800 cm³ und die fehlenden Überaugenwülste zeichnen ihn als Mitglied der menschlichen Gattung aus. Homo habilis besitzt dagegen ein mit ca. 500-650 cm³ ein kleineres Gehirn und leicht entwickelte Überaugenwülste. Auch seine Extremitäten besitzen eher noch Merkmale der Australopithecinen und der Menschenaffen. Dagegen besitzen seine oberen Prämolaren nur zwei und seine unteren eine Wurzel und die unteren Backenzähne haben schmale Kronen, wie beim modernen Menschen. Mit 2,1-1,5 Ma ist er auch jünger, als Rudolfensis. Für die meisten Wissenschaftler ist Homo rudolfensis der wahrscheinlichere Vorfahre des modernen Menschen, da die Zähne in ihrer Form oft variabel ist und einfach nur eine Anpassung an eine bestimmte Nahrung ist. Durch den Beginn der Werkzeugkultur und die Zunahme des Gehirnvolumens mussten sich der Vertreter der Gattung Homo nicht mehr auf die härtere Nahrung spezialisieren, sondern konnten durch höhere Flexibilität zunehmend unabhängiger von natürlichen Einflüssen werden. Die benutzten Steinwerkzeuge besaßen aber noch keine hohe Komplexität und Vielfalt, sondern waren eher zufällige Abschläge von größeren Steinbrocken. Diese frühen Werkzeuge werden als sogenannte Oldowan-Kultur bezeichnet.

Homo ergaster und Homo erectus

Vor etwa 1,8 Ma tauchte dann mindestens eine neue Menschenart auf. Die Wissenschaft ist sich noch nicht ganz einig, ob Homo ergaster eine frühe Form des Homo erectus darstellt, Überschreitungen der Artbarriere in zeitlicher Abfolge sind bei kontinuierlichen Veränderungen nicht leicht zu treffen, oder ob beides parallel nebeneinander existierende Arten waren. Nach der ersten Theorie lebte Homo ergaster vor 1,8-1,5 Ma und hatte mit ca. 850 cm³ noch ein kleineres Gehirn, als der spätere Homo erectus. Andere Wissenschaftler sehen in den beiden Hominiden parallel lebende Arten, die beide vor 1,8 Ma auftauchten. Der Homo ergaster lebte demnach vor 1,8-1,2 Ma, weist eine höhere Schädelwölbung bei dünneren Schädelknochen auf und keinen Knochenkamm auf dem Schädel. Die Lebensspanne von Homo erectus könnte sogar bis vor 0,1 Ma gereicht haben. Sein Schädel ist flacher und dicker und hat einen längeren Hinterkopf, sowie Überaugenwülste. Beiden gemeinsam ist ihre Körpergröße von 1,3-1,7 m und ein robusterer Körperbau als beim modernen Menschen. Dies könnte ein Anzeichen für große physische Leistungsfähigkeit sein, die Voraussetzung für das Transportieren großer Mengen Nahrung über längere Strecken ist. Das Gehirnvolumen soll mit je 750-1200 cm³ ebenfalls annähernd gleich gewesen sein und damit gegen Ende nur noch geringfügig kleiner, als beim heutigem Menschen. Das bekannteste Fossil ist wohl der Turkana-Junge, der vor etwa 1,6 Ma lebte und wohl nach moderner Lesart dem Homo ergaster zugeordnet wird. Man hat errechnet, dass der Junge etwa im Alter von 9 Jahren ums Leben kam, wobei sein Gebiss dem eines siebenjährigen Schimpansen entspricht. Die zeigt, dass die Kindheit im Vergleich zu dem Menschenaffen bereits verlängert war. Homo erectus war es auch, der es wohl als erste Hominidenart schaffte, Afrika zu verlassen und auf andere Kontinente zu expandieren. Dies muss ihm bereits recht früh nach seiner Entstehung gelungen sein, da die ältesten Funde auf Java etwa 1,6-1,8 Ma alt sind. Überall, wo der Homo erectus aufgetaucht ist, bildete er eigene Unterarten aus, wie z.B. den Pekingmenschen, Homo erectus pekinensis, der wohl der berühmteste unter ihnen sein dürfte.

Homo heidelbergensis

Ob Homo heidelbergensis eine eigene Art ist, oder lediglich eine geographische Varietät von Homo erectus, ist noch nicht vollkommen geklärt. Sicher hatte er mit 1100-1400 cm³ ein etwas größeres Gehirn als dieser und ein weniger vorstehendes Gesicht mit einem höheren Schädeldach. Er lebte vor 400.000-100.000 Jahren in Europa und erreichte eine Körpergröße von knapp 1,5 m.

Homo antecessor

Der 1997 in der Gran-Dolina-Höhle in Atapuerca, Spanien, entdeckte Gesichtsschädel eines Kindes wirkt trotz seines Alters von 780.000 Jahren schon weiter entwickelt, als Homo heidelbergensis. Der Schädel, der Kiefer und die Zähne erinnern schon stark an Homo sapiens oder Homo neanderthalensis. Möglicherweise ist er der letzte gemeinsame Vorfahre der beiden Menschenarten.

Homo steinheimensis

Homo steinheimensis wird auch als "Ante-Neandertaler" bezeichnet und dürfte wohl der Vorläufer des Neandertalers gewesen sein. Er lebte vor etwa 400.000-180.000 Jahren in Europa.

Homo neanderthalensis

Der abgesehen vom modernen Menschen wohl bekannteste Hominide ist zweifelsohne der Neandertaler. Kein Mitglied aus unserer frühgeschichtlichen Familie hat unsere Phantasie so angeregt, wie unser ungleicher "Bruder". Allzu oft wurde er als unintelligenter gewalttätiger Rohling dargestellt, der keulenschwingend durchs Land zog. Dieses Vorurteil wird dem Homo neanderthalensis, der teilweise auch noch als Homo sapiens neanderthalensis bezeichnet wird, aber nicht gerecht. Mit einem Gehirnvolumen von 1300-1700 cm³ war sein Gehirn sogar größer, als das durchschnittliche Gehirn moderner Menschen. Die Kopfform dagegen war eher noch altertümlich mit der flachen Stirn und den stark ausgeprägten Augenwülsten. Sein Schädel war langgestreckt und nur wenig gewölbt. Es fehlte ein Kinn, und durch die zusätzlich noch fehlenden Wangengruben wirkte sein Gesicht im ganzen relativ spitz. Nur die Nase war als Anpassung an die Eiszeit recht breit und passte nicht ganz in das Bild hinein. Das Skelett des Neandertalers war wesentlich robuster, als das eines modernen Menschen und er war wohl auch wesentlich muskulöser, vor allem im Schulter- und Nackenbereich. Sein Körper war an die speziellen Bedingungen in Europa währen der Eiszeit angepasst und erreichte eine Größe zwischen 1,5 und 1,7 m. Der klassische Neandertaler lebte vor etwa 90.000-30.000 Jahren, der frühe Neandertaler entstand aber bereits vor 180.000 Jahren aus dem Homo steinheimensis. Sozial war der Neandertaler schon sehr weit entwickelt, was ein männliches Skelett aus der Shinidar-Höhle belegt. Es weist eine Kopfverletzung auf, die ihn wohl halbseitig erblinden lies, einen gelähmten Oberarm, sowie Arthrose in den Fuß- und Kniegelenken. Ohne Fürsorge hätte er sein geschätztes Alter von 40 Jahren nie erreichen können. Darüber hinaus hatten die Neandertaler schon ein Bewusstsein vom Tod und einen Glauben an das Jenseits, wie die zahlreichen in Höhlen entdeckten Gräber, die teilweise sogar Spuren von Blütenpollen aufweisen, eindrucksvoll untermauern. Dies lässt sogar auf eine frühe Form der Religion schließen. Als der moderne Mensch nach Europa eindrang, wurde der Neandertaler relativ rasch durch ihn verdrängt und starb schließlich aus.

Homo sapiens

Der Homo sapiens ist der moderne Mensch und zugleich die einzige heute noch lebende Hominidenart. Frühe archaische Formen findet man in Afrika bereits vor 500.000-200.000 Jahren. Der moderne Homo sapiens sapiens ist dagegen erst seit etwa 100.000 nachgewiesen. Die Augenwülste sind verschwunden, der Oberschädel ist runder und die Stirn sowie das Kinn sind deutlicher ausgeprägt. Das Gehirnvolumen liegt insgesamt zwischen 1200 und 1700 cm³, ist aber heute wieder rückläufig. Die Körpergröße des modernen Menschen hat im Vergleich zu seinen Vorfahren beträchtlich zugenommen und liegt im Schnitt zwischen 1,60 und 1,85 m. Sein Skelett ist weniger massiv, als das des Neandertalers, der mit Sicherheit nicht sein Vorfahre ist.

Neue Hominiden, die noch nicht ganz in den Stammbaum eingegliedert sind

Sahelanthropus tchadensis

Im Juli 2001 wurde in der Djurab-Wüste im Norden des Tschad ein Hominide entdeckt, der mit 6-7 Ma der bisher älteste ist, der je gefunden wurde. Er besaß einen Hirnschädel, der noch dem eines Schimpansen glich. Sein Gesichtsschädel mit den Überaugenwülsten und die kleineren Eckzähne zeichnen ihn dagegen schon eindeutig als Hominiden aus. Sahelanthropus tchadensis könnte damit unser ältester Vorfahre sein, der sich von der Linie der Menschenaffen abgespalten hat.

Orrorin tugensis

Der im Jahr 2000 von französischen Paläoanthropologen in den Tugen Hills im Herzen Kenias entdeckte Orrorin tugensis wird auch als sogenannter "Millennium-Mann" bezeichnet, in Anlehnung an das Fundjahr. Sein Alter wurde mit 6,2-6,0 Ma ermittelt. Er besitzt relativ fortschrittliche Zähne und Kiefer. Die beiden gefundenen Oberschenkelknochen belegen, dass der Millennium-Mann bereits den aufrechten Gang beherrschte.

Kenyanthropus platyops

Diese etwa 3,5-3,2 Ma alte flachgesichtige Hominidenform aus Kenia wurde 2001 am Turkana-See entdeckt. Der Kenyanthropus ist für sein Alter relativ fortschrittlich und erinnert stark an Homo rudolfensis, weshalb dieser inzwischen von einigen Forschern in dieselbe Gattung gestellt wird.

Evolutionsfaktoren

Tektonik und Klima

Um das Entstehen einer neuen Art überhaupt zu ermöglichen, muss sich, laut Elisabeth Vrba, einer Paläontologin von der Yale University in New Haven, die physische Umwelt ändern. Dazu zählen tektonische, also durch das Driften der Kontinentplatten hervorgerufene Veränderungen, aber vor allem, weil häufiger der Fall, Veränderungen des Klimas. Vrba glaubt, dass dadurch ein so starker Selektionsdruck ausgeübt wird, dass viele neue Arten entstehen. Das Einsetzen der ostafrikanischen Rift vor 20 Ma führte nicht nur zu einer geographischen Trennung der Gebiete westlich davon von denen im Osten, sondern war mit seinen angehobenen Rücken auch eine Wetterscheide. Während es Westen feucht und waldreich blieb, wurde es östlich davon trockener und die Savanne gewann etwa vor 10 Ma immer mehr Oberhand über den Regenwald. Kurz danach, etwa vor 7,5 Ma, spaltete sich die Linie der Hominiden von derjenigen der Menschenaffen ab. In der Zeit vor 2,8 Ma setzte eine globale Abkühlung ein, die vor 2,5 Ma ihren vorläufigen Höhepunkt fand. Im Zuge der Abkühlung wurde es in Afrika trockener und der Regenwald zog sich zurück. Damals spaltete sich auch der Stammbaum der Hominiden in zwei große Zweige auf, nämlich die spezialisierten, robusten Australopithecinen auf der einen und die grazilen, anpassungsfähigen Spezies der Gattung Homo. Das Einsetzen der Eiszeiten schließlich vor einer Mio. Jahren fällt schließlich zusammen mit dem Aussterben der robusten Australopithecinen.

Ernährung

Durch den Rückzug der Regenwälder und das Ausbreiten der Savannen in Afrika veränderte sich die Vegetation grundlegend. Die weiche Waldnahrung mit Früchten und Laub verschwand allmählich und wurde durch härtere Pflanzen und deren Samen ersetzt. Dies erforderte in erster Linie eine Anpassung des Kauapparates mit breiteren Kauflächen und dickerem Zahnschmelz. Das, was den Menschen am meisten von den Tieren abhebt, ist sein Gehirn. Es ist biologisch gesehen seine wahrscheinlich wichtigste Errungenschaft, aber gleichzeitig auch seine kostspieligste. Obwohl sein Gewicht bei erwachsenen Menschen gerade mal 2% des Körpergewichts ausmacht, verbraucht es 25% der Energie. Bei Neugeborenen sind es sogar 60% der Energie bei 10% des Körpergewichts. Um diesen Bedarf bei Säuglingen zu decken, muss die Mutter mehr und energiereichere Milch produzieren. Andere energieaufwendige Organe müssen reduziert werden. Dazu zählt auch der Verdauungstrakt, der während der menschlichen Evolution verkürzt wurde, was aber wiederum auch eine Umstellung auf eine Nahrung erfordert, die leichter verdaulich ist. Aus Pflanzenfressern wurden so Allesfresser, die ihr Nahrungsspektrum um Fleisch erweiterten. Fleisch wiederum enthält mehr Energie, als pflanzliche Kost, was wiederum ein größeres Gehirn erlaubte. Primaten haben im allgemeinen ein um den Faktor 1,6-3,1 größeres Gehirn, als andere Säugetiere mit vergleichbarem Körpergewicht. Bei den Australopithecinen erreicht dieser Wert zwischen 2,4 und 3,2, bei Homo erectus zwischen 4,5 und 5 und beim modernen Menschen beträgt der Faktor immerhin schon 7,2. Zunächst wurde sicherlich hauptsächlich auf Aas zurückgegriffen, wenngleich auch bei Schimpansen bekannt ist, dass sie von Zeit zu Zeit auf die Jagd gehen.

Soziale und kulturelle Veränderungen

Soziale Strukturen

Die Primaten sind im allgemeinen sehr soziale Tiere. Sie bilden Gemeinschaften in Gruppen und helfen sich gegenseitig bei der Fellpflege, sowie der Nahrungsbeschaffung. In aller Regel ist nicht das stärkste Individuum der Anführer einer Horde, sondern derjenige, der die besten Bündnisse eingegangen ist. Bei der Gattung Homo ist dieser Gemeinschaftssinn besonders wichtig. Spätestens beim frühen Homo erectus war eine Gehirngröße erreicht, die Probleme bei einer Geburt bereitete. Würde ein Neugeborenes bei seiner Geburt ein halb so großes Gehirn, wie ein Erwachsener besitzen, wie dies bei allen Primaten der Fall ist, würde der Kopf nicht mehr durch den Geburtskanal der Mutter passen. Ein früher erwachsener Homo erectus hat ein Gehirnvolumen von 900 cm³. Das Becken bietet Platz für ein Gehirn von etwa 275 cm³. Die nötige Verdreifachung nach der Geburt spricht für Verhältnisse, wie beim modernen Menschen. Der Nachwuchs dieser Urmenschen war also bei der Geburt noch nicht so ausgereift, wie der der Menschenaffen und brauchte dementsprechend auch mehr elterliche Fürsorge und mehr Zusammenhalt in der Gruppe. Wahrscheinlich lebten die Individuen auch schon wesentlich länger, die Weibchen könnten sogar die Menopause erlebt haben, und konnten so länger mit ihrem Wissen zum Wohle der Allgemeinheit beitragen. Dieses Wissen konnte auch durch die Entstehung einer komplexeren Lautsprache differenzierter weitergegeben werden. Man konnte taktische Manöver bei der Jagd besprechen, erzählen, wo es die besten Früchte gibt, oder junge Mütter konnten sich Tipps für ihren eigenen Nachwuchs bei ihren Müttern abholen. Auch die Konkurrenz der einzelnen Horden dürfte entscheiden zur sozialen Entwicklung beigetragen haben. Man musste Lernen, das Verhalten der Gegner im Kampf vorherzusagen, um darauf entsprechend reagieren zu können. Dies gilt aber auch für das Verhalten innerhalb einer Gruppe. Wer die Reaktionen des Gegenübers am besten vorhersehen konnte, hatte die größten Chancen auf eine Führungsposition und somit darauf, sich fortzupflanzen.

Werkzeugkultur

Durch zunehmende Komplexität des Denkens konnten zunehmend raffiniertere Werkzeuge geschaffen werden, die es ermöglichten, Gegenstände zu bearbeiten, oder Tiere zu jagen. Die Entwicklung der Werkzeugkultur erfolgte in mehreren Stufen. Vor etwa 2,5 Ma entstanden die ersten 3-4 Typen, die kaum mehr, als grob behauene Steine oder zufällige Absplitterungen waren. Dazu gehörten primitive Schneide- und Schabwerkzeuge, die wahrscheinlich zum Zerschneiden von Aas benutzt wurden. Diese sogenannte Oldowan-Kultur dauerte etwa eine Mio. Jahre an. Während dieser Zeit machte die Werkzeugtechnik praktisch keine Fortschritte, so dass selbst geübte Fachleute Schwierigkeiten haben, einzelne Stücke zeitlich einzuordnen. Auch regional gibt es nur sehr geringe Unterschiede. In der Acheuléen-Kultur, die erstmals vor etwa 1,5 Ma auftaucht, lassen sich dann bereits etwa 10 Werkzeugtypen unterscheiden. Zu ihnen gehört auch der Faustkeil, das erste Werkzeug, bei dem sich der Mensch zunächst eine fiktive Form ausdenken musste, für die es in der Natur kein Vorbild gab. Die Schaber und Messer wurden z.B. den Reißzähnen, Krallen und ähnlichen raubtiertypischen Merkmalen der Raubtiere nachempfunden. Der Urmensch in Gestalt des Homo erectus hatte seine erste echte Erfindung gemacht. Die Weiterentwicklung der Werkzeuge erfolgte von nun an in immer kürzeren Zeitabschnitten. Praktisch jede Art hatte ihre eigene Kulturstufe. Der archaische Homo sapiens entwickelte das Levalloisen, das seinerseits wieder ein vergrößertes Spektrum und mehr Komplexität der Werkzeuge aufwies. Die für den Neandertaler typische Kultur ist das Moustérien. Es kommen gezackte Abschlagsformen vor, sowie spitzen, die wohl für Speere verwendet worden sein dürften. Sie haben an ihrer Basis Zapfen, oder Stümpfe, an denen man sie mit Stöcken verbinden konnte. Die Moustérien-Technik war der Schlüssel zu den vielen, schon in der Entwicklung befindlichen Verfeinerungen, die dann schließlich zu den großen Variationen im Werkzeugdesign des oberen Paläolithikums führten. Eine wichtige Neuerung kam beim Homo sapiens sapiens mit der Aurignacien-Kultur. Dabei wurde nicht mehr nur Stein als Werkzeug benutzt, sondern auch Knochen, Horn, Elfenbein und Holz. Damit war auch eine feinere Verarbeitung möglich, da sich diese Materialien leichter bearbeiten lassen. Die Werkzeuge variierten regional recht deutlich, was auch daran lag, dass die einzelnen Werkstoffe nicht überall gleich häufig vorkamen. Die einzelnen Werkzeugkulturen wechselten jetzt immer häufiger. Auf alle einzugehen, würde den Umfang dieses Artikels sprengen.



Bändigung des Feuers

Für die Evolution war auch die Bändigung des Feuers wichtig. Dies gelang dem Homo erectus spätestens vor 700.000 Jahren, aber möglicherweise auch schon vor 1,4 Ma, da man aus dieser Zeit versiegelte Lehmstücke gefunden hat, die man als Überreste von Feuerstellen deuten kann. Wahrscheinlich nutze der Mensch das Feuer schon, bevor er es selbst entfachen konnte. Er könnte durch Blitzeinschläge entzündete Feuer mit Ästen in sein Lager gebracht haben und diese dort für sich nutzen können. Laut Avraham Ronen von der Universität Tel Aviv wurde dem Urmenschen erst durch die Beherrschung des Feuers seine Einzigartigkeit bewusst. Er konnte sich nun vor Kälte und Raubtieren schützen und hatte eine neue Möglichkeit der Nahrungszubereitung. Außerdem wurde die Feuerstelle zu einem sozialen Mittelpunkt, an dem sich die Mitglieder einer Gruppe trafen.

Veränderungen im Gehirn

Das Gehirn wurde im Verlaufe der Evolution vom Menschenaffen zum Menschen nicht nur größer, es ist nicht einfach eine vergrößerte Ausgabe eines Affenhirns, sondern auch die interne Struktur veränderte sich grundlegend. Es gibt beim modernen Menschen wesentlich mehr Verknüpfungen zwischen den einzelnen Neuronen und einige Bereiche haben sich überproportional entwickelt. Dazu zählt der Neokortex, der für das assoziative Denken zuständig ist und das Kleinhirn, das angelernte Bewegungsabläufe steuert. Speziell die Bereiche, die für die Steuerung von Finger- und Gesichtsmuskulatur zuständig sind, sind im vergleich zu einem Affenhirn vergrößert. Ein Bereich für die sensorische Sprache (Wernicke-Zentrum) und einer für die Grammatik (Broca-Zentrum) kamen neu dazu, letzterer sicher schon ganz früh in der Geschichte der Gattung Homo.



Das "Out of Africa" Modell

Noch vor 10 Jahren gab es heftige Debatten darum, wie der moderne Mensch entstanden ist. Einige Wissenschaftler um Milford Wolpoff glaubten, der Homo sapiens sapiens sei in unterschiedlichen Regionen aus den dort ansässigen Hominidenpopulationen, wie den Neandertalern, hervorgegangen. Demnach hätten auch die Rassenmerkmale früher entstehen müssen, als die eigentlichen Artmerkmale, was an sich schon eine wenig logische Sache ist. Gestützt wurde diese Theorie auf scheinbare kontinuierliche Übergänge in den Fossilbeständen. Mittlerweile wurde aber gezeigt, dass der Neandertaler genetisch zu weit von uns entfernt ist, um der Vorfahre der modernen Europäer zu sein. Es gibt noch nicht einmal Hinweise auf eine genetische Vermischung mit modernen Formen. Außerdem gibt es auch keine genetischen Verbindungen der modernen Asiaten zu den dort ansässigen Frühmenschenformen. Dementsprechend ist das multiregionale Modell nicht haltbar. Stattdessen haben Paläogenetiker um Allan Wilson von der University of California in Berkeley Indizien dafür gefunden, dass der moderne Mensch vor etwa 100.000-140.000 Jahren südlich der Sahara entstanden ist. Dementsprechend wird dieses Modell auch als "Out of Africa" Modell bezeichnet. Die Paläogenetiker verwendeten Mitochondrien-DNS für ihre Untersuchung. Diese weist im Vergleich zu der DNS aus dem Zellkern zwei wichtige Unterschiede auf. Zum einen hat sie eine höhere Mutationsrate und erlaubt somit eine höhere zeitliche Auflösung, zum anderen wird sie nur von der Mutter weitergegeben. Dies ist in sofern ein Vorteil, als dass dies keine Durchmischung verschiedener Linien erlaubt und man ganz bestimmte sogenannte Matrilinien verfolgen kann. Da nicht alle Weibchen auch Töchter bekommen, sterben mit der Zeit immer mehr Linien aus, bis am Ende alles auf ein einziges Weibchen zurückzuführen ist. Deshalb wird das "Out of Africa" Modell in Anlehnung an die biblische Schöpfungsgeschichte auch als Eva-Modell bezeichnet Bis heute wurde die Mitochondrien-DNS von inzwischen über 4000 Personen aller Hautfarben untersucht und dabei immer weiter untermauert, dass die "Eva der Mitochondrien" vor über 100.000 Jahren in Afrika gelebt hat. Dies ergibt sich daraus, dass in Afrika die größte genetische Vielfalt herrscht. Die Variation unter den verschiedenen afrikanischen Stämmen ist sowohl bei der Mitochondrien-DNS, als auch bei der im Kern etwa doppelt so hoch, wie bei der übrigen Menschheit. Selbstverständlich war diese Eva nicht ganz alleine mit einem Adam zusammen, sondern sie lebte in einer größeren Population von wahrscheinlich 10.000 Individuen, doch ihre Linie ist die einzige, die erhalten geblieben ist. Für Wolpoff und seine Gruppe zählen auch heute noch einzig die Fossilien, allerdings hat diese Methode einen entscheidenden Nachteil: Niemand kann nachweisen, dass die Fossilien Nachkommen haben, aber es ist ganz sicher, dass unsere Gene Vorgänger besitzen. Mittlerweile gibt es aber auch fossile Beweise für die Eva-Hypothese. Bereits zwischen 1935 und 1975 fand man in der Höhle von Jebel Qafzeh bei Nazareth Skelette mit moderner Anatomie, für die man lange ein Alter von etwa 40.000 Jahren annahm. Dies passte gut zu nahe gelegenen Neandertalerfunden aus Kebara, für die ein sicheres Alter von 60.000 Jahren feststand. Mit Hilfe einer modernen Thermolumineszenzdatierung konnte inzwischen aber festgestellt werden, dass die anatomisch modernen Menschen von Qafzeh über 90.000 Jahren gelebt haben. Sie können also gar nicht die Nachkommen der Neandertaler gewesen sein, die 30.000 Jahre später in dieser Gegend gelebt haben. Die Frage, woher diese modernen Menschen kamen, lässt sich auch ganz leicht zeigen, denn es gibt lediglich in Afrika Funde, die Älter sind.


Quelle: »  http://www.planeten.ch/pages/terra/cwiki.php?page=Artikel:Die_Entwicklung_des_Menschen