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Beschreibung:

Die Sterne, die jeweils aus zwei ineinander gesteckten Quadraten gebildet sind, breiten sich strahlenförmig, von oben nach unten größer werdend, über den halbkreisförmigen Mantel aus.

In einem Quadrat in der Rückenmitte als der vornehmsten Stelle ist Christus in der Mandorla dargestellt, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten. Darum gruppieren sich „SOL“ (Sonne) und „LVNA“ (Mond), Alpha und Omega als Anfang und Ende der Welt sowie Cherubim und Seraphim. Gemeinsam verkörpern sie die Maiestas Domini, die Größe des Herrn. Weitere christliche Motive reihen sich an, so 14 runde Medaillons mit den Evangelistensymbolen, außerdem 21 Medaillons mit nimbierten Halbfiguren (ein 22. ist anzuschließen, aber nur fragmentarisch erhalten). Die beiden stehenden Personen über der Maiestas Domini und die sechs sitzenden Gestalten an den vorderen Kanten des Mantels sind nicht zu benennen. Die christliche Mitte ist umgeben von Sternzeichen, die um die beiden Himmelshälften angeordnet sind.

Den unteren Saum des Mantels umzieht eine gestickte lateinische Inschrift in Majuskeln. Sie ist im rechten Teil aus Platzgründen nicht vollständig. Der Ergänzung zu zwei Hexametern durch den Aachener Kanonikus Franz Bock (1823-1899) wurde aber bisher nicht widersprochen: „Heil sei dir, du Zierde Europas, Kaiser Heinrich, dein Reich mehre der König, der da herrschet ewiglich.“ (Übersetzung von Ernst Maas).



Auftraggeber:

Da Heinrich („CESAR HEINRICE“) in diesen Versen persönlich angesprochen wird, kann er nicht der Auftraggeber des Mantels gewesen sein. Er war vielmehr der ursprüngliche Empfänger. Kleinere Kapitalis-Inschriften geben Auskunft über die Entstehungsgeschichte der kostbaren Stickerei. Rechts über der großen Randumschrift ist zu lesen, dass einem Ismahel Frieden gewünscht wird, der dieses (Werk) in Auftrag gegeben hat („PAX ISMAHELI QVI HOC ORDIHAVIT“ (=ordinavit)). Der Auftraggeber Ismahel war 1018 in der Schlacht bei Cannae von den Byzantinern vernichtend geschlagen worden und starb an einem 23. April in Bamberg, wie aus dem zweitältesten Bamberger Domnekrolog zu ersehen ist. Als Todesjahr kommt nur 1020 in Frage. In diesem Jahr trafen Heinrich II. und Papst Benedikt VIII. an Ostern in Bamberg zusammen. Ismahel dürfte sich in deren Gefolge befunden haben. Der Mantel war beim Tod Ismahels noch in Arbeit, da der Friedenswunsch „PAX“ für den Verstorbenen noch hinzugefügt werden konnte.



Zeitliche Einordnung und Fertigstellung des Mantels

Heinrich sorgte für die Fertigstellung des ihm zugedachten Mantels. Er wollte ihn jedoch nicht selbst tragen und stiftete ihn dem Bamberger Dom. Wie die Inschrift unter dem Viereck auf der Rückenmitte besagt, wünschte Heinrich, dass dem höchsten Wesen dieses kaiserliche Geschenk willkommen sein möge. („SVP(ER)NE VSYE SIT GRATIV(M) HOC CESARIS DONVM“). Beim Tod Heinrichs im Juli 1024 dürfte sich der Sternenmantel bereits im Bamberger Domschatz befunden haben.

Die Lebensdaten Heinrichs II. und das Schicksal des apulischen Fürsten Ismahel erlauben eine zeitliche Einordnung des Sternenmantels zwischen 1018 und 1024. als Entstehungsort kommt Regensburg in Frage, da die Majuskel-Buchstaben der großen Randumschrift am ehesten mit Initialen der Regensburger Buchmalerei, z.B. im Sakramentar des hl. Wolfgang (Bibliotheca capitulare, Verona) oder in einem Regensburger Evangelistar (Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg), zu vergleichen sind.



Veränderungen am ursprünglichen Mantel

Zwischen 1453 und 1455 erfolgte eine weitreichende Reparatur des Sternenmantels. Aus dem alten Mantel des 11. Jahrhunderts aus dunkelpurpurfarbener Seide schnitt man die einzelnen Motive und die Buchstaben der erklärenden Texte aus und nähte sie auf einen in etwa hellerem Blau gehaltenen Mantel aus Granatapfel-Damast auf. Bei der Aufbringung der goldgestickten Motive hielt man sich im Wesentlichen an deren Anordnung auf dem Mantel des 11. Jahrhunderts. Mit den Inschriften verfuhr man jedoch viel unbekümmerter: Man schnitt die einzelnen Buchstaben der größten Sterne aus und fügte sie, unter Zuhilfenahme einer Überarbeitung der ins Lateinische übersetzten Phainomena des Aratos, zu neuen Texten zusammen. Von den ursprünglichen Texten blieb allein der das Sternbild Krebs umziehende Satz „das Sternbild des Krebses trägt Schaden in die Welt“, allerdings nur etwa zur Hälfte, im Originalzustand erhalten. Schon am Endes des 19 Jahrhunderts hatte Ernst Maas erkannt, dass er sich dabei um einen astrologischen Text handelt, während die der
Schrift des Aratos entlehnten Inschriften astronomisch ausgerichtet sind. Anzunehmen ist, dass ursprünglich alle Sternbilder mit astrologischen Texten umgeben waren. Ismahel hatte dem Mantel, dessen Thema auf der linken Seite über der Randumschrift mit „DESCRIPC(I)O TOCIVS ORBIG“ (=orbis) (Beschreibung des ganzen Erdkreises / der ganzen Himmelsphäre) angegeben wird, ein vermutlich weitreichendes astrologisches Programm zugrunde gelegt, das bei der Restaurierung von 1453-1455 verloren gegangen ist und nicht mehr rekonstruiert werden kann.

Bemerkenswert ist, dass der Sternenmantel, obwohl er bis ins späte Mittelalter nur als Mantel des Ismahel und nicht als Heinrichsreliquie galt, in der Mitte des 15. Jahrhunderts so aufwändig und unter großen Kosten restauriert wurde.



Quelle:

Baumgärtel-Fleischmann, Renate, in 1002-1024 Kaiser Heinrich II., Katalog zur Bayerischen Landesaustellung 2002, Hrsg. Kirmeier Josef, Schneidmüller, Bernd, Weinfurter Stefan und Brockhoff Evamaria, S. 382-383.

Weiterführende Literatur:
Baumgärtel-Fleischmann, Renate, Die Kaisermäntel im Bamberger Domschatz, in Bericht des Historischen Vereins Bamberg 133 (1997), S 94f..
Baumgärtel-Fleischmann, Renate, Der Sternenmantel Kaiser Heinrich II. und seine
Inschriften in Koch, Walter, (Hrsg) Epigraph, Wien 1990.
Schramm, Percy Ernst, Mütherich, Florentine Denkmale der deutschen Könige und Kaiser, Bd 1, München 1962, 2. erg. Auflage 1981, S. 163, 485.


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