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Auf Wunsch seiner Gemahlin Hemma bestätigt Ludwig der Deutsche am 14. Februar 833 den Tausch des Stiftes Obermünster von Bischof Baturich gegen das Kloster Mondsee. Noch vier Jahre zuvor hatte die wohlhabende Abtei Mondsee von Ludwig dem Deutschen den Abersee nebst den umliegenden Wäldern verliehen bekommen. Die Quelle des Tausches, die früheste in der das Stift erwähnt wird, ist aufgrund verschiedener Indizien mittlerweile als Fälschung erkannt worden. Jedoch ist die Tatsache nicht zu bestreiten, daß die wohlhabende Reichsabtei Mondsee in dieser Zeit an die Abtbischöfe von Regensburg ging. Nicht zuletzt zeigen dies die Urkunden der Abtei Mondsee selbst, die ungünstiges für das eigene Kloster enthalten. Auch setzten Abtbischof Baturich und seine Nachfolger seit dieser Zeit die Äbte des Klosters Mondsee ein. Beachtenswert erscheint zudem die Tatsache, daß die Fälschung ausschließlich in einem Emmeramer Kopialbuch des 11. Jahrhunderts überliefert wird, also zu einer Zeit in der die Mönche der Benediktinerabtei mit dem Regensburger Bischof hart um die Besitzrechte am Klostergut kämpften. Diese Fälschung hängt laut Wanderwitz wahrscheinlich mit Rasuren auf anderen originalen Königsurkunden des Klosters zusammen, durch die der Bischof als Klosterherr und Urkundenempfänger ausgelöscht werden sollte.

In der anonymen Stiftungsschrift aus dem Jahre 1692 findet sich bei der Beschreibung des Klostertausches eine Zusatzinformation: Anno 831. hat sie das Stifft Obermuenster/vorhin die Chor-Frauen zu S. Niclas genant/vom Bischoff Barturico zu Regenspurg um das Closter Mansee ...eingetauscht.... Der Zusatz vorhin die Chor-Frauen zu S. Niclas, weist auf die Vorgeschichte des Klosters hin. Woher der anonyme Verfasser diese Information erhalten hat, erfahren wir jedoch nicht. Auch lassen mehrfache Verwechslungen mit Niedermünster und der Alten Kapelle, seien diese nun absichtlich oder ungewollt geschehen, grundsätzliche Zweifel an der Zuverlässigkeit dieser Schrift aufkommen.

Das Diplom Karls III. vom 16. Februar 887 in dem der Tausch ein weiteres Mal erwähnt wird, hat sich inzwischen ebenfalls als unecht herausgestellt, jedoch besteht offenbar kein näherer Zusammenhang zwischen den beiden Fälschungen. Die Historiker Peter Schmid und Hartmut Boockmann sind der Meinung, es handle sich hierbei lediglich um eine Nachahmung aus dem 11. oder frühen 12. Jahrhundert, an deren Inhalt grundsätzlich nicht zu zweifeln sei. Es drängt sich nun aber die Frage nach der Motivation für eine solche Nachahmung auf, die dem Kloster den königlichen Schutz, das Recht der Äbtissinnen- und der Vogtwahl gewährte. Wurde hier lediglich ein bei einem Brand verloren gegangenes Original reproduziert, oder nutzte man eine solche Gelegenheit, eine nie erhaltene Urkunde zu erstellen, die das Kloster aus der unbestimmten rechtlichen Stellung befreien und des nie verbrieften Schutzes seitens der Herrscher versichern würde?

Die Lage des Stiftes innerhalb der Stadt kann vielleicht auch zum Verständnis der Umstände beitragen. Das Ober- und Niedermünster liegen sich innerhalb der Stadtmauern auf den Enden einer Diagonale gegenüber, ersteres in der Südwestecke, letzteres in der Nordostecke der ehemaligen Römermauer. Wenn sich auch aus der Lage der beiden Frauenklöster zueinander nichts ergibt, so weisen beide doch starke Parallelen auf. Das Niedermünster ist dem Domstift, das Obermünster der Abtei von St. Emmeram benachbart. Ein Vergleich mit anderen alten Bischofsstädten zeigt ähnliche Strukturen. In räumlicher Nähe zu den Domklöstern sind häufig Frauenkonvente nachzuweisen. Heuwieser erklärt das Vorhandensein der zwei Frauenklöster mit dem Dualismus der Regensburger Abtbischöfe, die zugleich Äbte von St. Emmeram waren. Er vermutet im Obermünster ein ehemals bischöfliches Eigenkloster, das von St. Emmeram aus gegründet wurde. Schon Zirngibl bezeichnete Obermünster vor dem Tausch als zum Tafelgut des Bischofs gehörig.

Hauck und Schäfer führen die Gründung des Klosters auf Herzog Tassilo zurück, sie konnten für diese Behauptung jedoch keine näheren Anhaltspunkte liefern. Obwohl über den Besitz der Agilolfinger und Karolinger innerhalb der Stadt Regensburg wenige urkundliche Nachrichten vorliegen, kann man annehmen, daß bereits die Agilolfinger die ganze Stadt in ihrem Besitz hatten. Vermutlich traten sie dem Bischof den Bereich um den Dom und das Areal um Obermünster ab. Eine Mitwirkung der Agilolfinger an der Stiftsgründung wäre aus dieser Sicht durchaus denkbar.

Aus den Pfarrverhältnissen von St. Kassian, die allgemein als die Kirche der in der Stadt wohnenden Herzogs- und Königsleute gilt, ist man in der Lage Rückschlüsse auf die ursprünglichen Besitzverhältnisse in der Stadt zu ziehen. Sowohl der Baubestand, als auch das Patrozinium der Kirche weisen in die vorkarolingische Periode, so daß ihre Pfarrverhältnisse wohl die herzoglichen Besitzverhältnisse des frühen 8. Jahrhunderts widerspiegeln. Es spricht vieles dafür, daß die Karolinger einen Großteil des agilolfingischen Besitzes in der Stadt übernommen haben. Somit kann der Tausch von Mondsee, eines Reichsklosters ersten Ranges, gegen Obermünster in Verbindung mit dem Willen der Karolinger gesehen werden, ihre königliche Position innerhalb der Stadt zu stärken und weiter auszubauen. Daß der Konvent seit 833 zum Reich gehörte ist nicht eindeutig zu beweisen, doch wahrscheinlich.

Zur Zeit des Tausches kann Obermünster deshalb nicht völlig unbedeutend und unbegütert gewesen sein. Die curtis Sallach wird Anfang des 11. Jahrhunderts bereits als lange Zeit dem Kloster entfremdet bezeichnet. Heinrich II. hatte sie erneut dem Konvent geschenkt, diese Rückgabe sei aber ohne Wirkung geblieben. Der Besitz von Obermünster dürfte, wie der bayerische Kirchenbesitz überhaupt, im Laufe des 10. Jahrhunderts in herzogliche Hände zurückgefallen sein. Heinrich II. hatte den Herzog 1009 schließlich abgesetzt und ein Jahr später den Hof Sallach an das Kloster Obermünster gegeben. Als die Absetzung Arnulfs 1017 rückgängig gemacht wurde, hat der Herzog das Gut nun offensichtlich mit dem Einverständnis des Königs erneut an sich genommen. Erst nach dem Tode Kaiser Heinrichs wurde durch seinen Nachfolger Konrad II. die ursprüngliche Zugehörigkeit des Gutes zu Obermünster bestätigt und die vorherige politische Konstellation wiederhergestellt.

Bereits zur Zeit des Tausches 833 darf man einen Kirchenbau, auf jedenfall wenigstens eine Kapelle neben den Wohnungen der Stiftsdamen annehmen. Zu Anfang stand dem Kloster offenbar noch keine Äbtissin vor, jedoch ist es wahrscheinlich, daß die Stifterin Hemma bis zu ihrem Tode zumindest die Oberaufsicht des Klosters innehatte. Nach Laurentius Hochwart soll Hemma die unansehnlichen, niedrigen Mauern des Klosters niederreißen haben lassen und mit einem Neubau begonnen haben. Außerdem soll sie das Kloster mit neuen Einkünften versorgt und dessen Ansehen vermehrt haben. Allerdings nennt Laurentius Hochwart hierfür keine einzige Originalquelle und aufgrund des großen zeitlichen Abstands der Überlieferung zum eigentlichen Geschehen kann die Quelle lediglich als Zeitdokument des 16. Jahrhunderts gewertet werden.

Zum erstenmal gesichert wird Obermünster in einem Diplom Ludwigs des Deutschen vom 6. August 866 erwähnt, in welchem dieser den Hörigen Erchanpold freiläßt.

Die bereits zitierte anonyme Schrift Wahre Nachricht der königlichen Stifftung... berichtet über Erweiterungen der Stadtmauer unter Ludwig dem Deutschen und über einen angeblich dabei erfolgten Schatzfund, der den adeligen Damen übergeben worden sei. Die Stiftung des Schatzes aus wohl agilolfingischen Gräbern, die in der östlichen Lagermauer gefunden wurden, wird in der Quelle, wie oben schon angedeutet, fälschlich mit dem Damenstift Obermünster in Verbindung gebracht, sie hat sich jedoch auf die Alte Kapelle bezogen.

Wie wichtig den Damen von Obermünster ihre Stifterin war, zeigt vor allem die Tatsache, daß ihr Gedächtnis am 7. Februar (wohl der Tag des Begräbnisses, der Todestag war der 31. Januar) bis zur Aufhebung des Stiftes aufs feierlichste begangen wurde. Hemma soll an gewissen Tagen barfüssig die Ausspeisung von Armen vorgenommen haben. Später wurde diese Tradition durch die jeweilige Äbtissin jeweils am Todestag Hemmas fortgeführt. Die Stiftung des Hemmatages, der offenbar bis zur Säkularisation begangen wurde, erscheint für die Geschichte der Institution insofern als besonders wichtig, da auf diese Weise das Wissen um die späten Karolinger über die Jahrhunderte wachgehalten wurde. Die adeligen Damen von Obermünster hatten niemals eine eindeutige Urkunde über ihre reichsrechtliche Stellung erhalten. Der Königsschutz, die Immunität und das Wahlrecht der Äbtissin und des Vogtes scheinen dem Kloster nie verliehen worden zu sein. Zwar wurde Obermünster faktisch wohl schon im 9. Jahrhundert Reichskloster, die Stiftsdamen waren sich aber bis in die Regierungszeit Kaiser Konrads II. wegen des Fehlens eines Freiheitsbriefes ihrer Stellung nicht sicher. Auch Kaiser Konrad II. vermied in der Urkunde vom 30. April 1029 die Stellung des Obermünsters zu erwähnen, hob jedoch die mißliche Lage in der sich das Stift befand hervor. Es ist möglich, daß die Herzöge oder andere Dynasten noch lange Jahre Rechte an diesem Stift ausüben konnten, die aus der Zeit stammten, als das Kloster noch in der Hand des Regensburger Bischofs war. Die Fälschung der Urkunde von Karl III., die genau die nicht verbrieften Rechte beinhaltete, stammt wahrscheinlich aus der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert, der Zeit des späten Investiturstreits. Der Machtwechsel um 1103 brachte wohl auch in Regensburg große Veränderungen mit sich, die das Kloster durch einen Rückgang der königlichen, bzw. kaiserlichen Privilegierung zu spüren bekam. Dieses Defizit wollte man offensichtlich mit der gefälschten Urkunde ausgleichen. Die Damen waren stets sehr auf die Nähe zu den jeweiligen Herrschern bedacht, was sich nicht zuletzt im Gebetsgedenken ausdrückte. Während die karolingischen Königsmemoria und sogar einige kaiserliche Wohltäter im jüngeren Nekrolog von Niedermünster keinen Eingang mehr fanden, da man sich dort der Reichsfreiheit offensichtlich auch so sicher war, wurden die Karolinger (besonders aus der Umgebung der Familie Hemmas) im Nekrolog des 12. Jahrhunderts von Obermünster explizit aufgeführt und weiterhin verehrt. Auch in der Urkunde von 887 war man darauf bedacht, die fortwährende Königsnähe des Stiftes hervorzuheben, was mit der Erwähnung des Klostertausches von 833 und der Behauptung, die Grabstätte der Königin Hemma läge in Obermünster, geleistet wurde.

Die Frage nach dem Bestattungsort der Königin, die nach einem Schlaganfall am 31. Januar 876 in Regensburg verschied, ist eng mit den Problemen der Frühgeschichte des Obermünsterstiftes verknüpft. Spätestens seit dem 12. Jahrhundert streiten Obermünster und das Kloster St. Emmeram um den wahren Ort der letzten Ruhestätte. Die Forschung, die das Problem allein durch historische Interpretation der Quellen zu lösen versuchte, konnte bis auf den heutigen Tag für keine der beiden Möglichkeiten einen endgültigen Beweis erbringen.

Der Verfasser der Fuldaer Annalen, der dem Erzbischof Luitbert von Mainz, dem Erzkaplan Ludwigs des Deutschen sehr nahe stand, nennt zum Jahr 876 St. Emmeram als Bestattungsort Hemmas. Die Problematik des wahren Bestattungsortes der Königin kann hier nicht ausführlicher erörtert werden, als es zur Behandlung des eigentlichen Themas dieser Arbeit beiträgt. Jedoch ist der Verfasser der Ansicht, daß eine Lösung dieser Frage nicht allein aufgrund von Quellenstudium zu erreichen ist. Aufschlußreich wäre sicherlich eine Fortsetzung der Grabungskampagne von 1957, die unter widrigen Umständen genau zu dem Zeitpunkt abgebrochen werden mußte, als die Archäologen auf einen Sarkophag stießen, der möglicherweise die letzte Ruhestätte der Königin Hemma darstellte. Zur Öffnung des Grabes kam es leider nicht mehr. So ist also wie in den Jahrhunderten zuvor in Sachen Hemmagrab alles offen.

Der anonyme Verfasser der Schrift Wahre Nachricht... weiß zum Bestattungsort der Königin ebenfalls einiges beizutragen. Die Quellenaussage bezieht sich zum Teil auf das als unecht erkannte Diplom Karls III., interessant erscheinen hier jedoch die zusätzlichen örtlichen Angaben, die in keiner älteren Quelle anzutreffen sind: Den 7. Februarii, anderthalb Monat vor ihrem Herrn/welcher deren heiligen Leichnam in ihr Stifft Obermünster/von der königlichen Burg aus/so auf dem Platz bey der neuen Uhr/davon der Bogen allda/worauf die Hoff-Capellen der zwoelff heiligen Aposteln gestanden/jetzt aber zu einem Getreydekasten gebraucht wird/noch ein Stueck zu sehen ist/zur Erden bestaettiget/wie solches Carolus der dicke Kaeyser/ihr dritter Sohn/in seinem Kaeyserl. Freyungs-Brief bezeiget.... Falsch ist zum einen die Angabe des Sterbedatums Ludwigs des Deutschen. Jener verschied nämlich nicht eineinhalb Monate nach der Königin, sondern erst am 28. August desselben Jahres in der Pfalz zu Frankfurt. Die als königliche Burg bezeichnete Örtlichkeit soll sich nach der Quelle auf dem jetzigen Arnulfsplatz unmittelbar außerhalb der arnulfinischen Stadtmauer befunden haben. Die Ortsangaben der Quelle sind lokalisierbar, die Gründe für eine Verknüpfung dieser Örtlichkeiten mit der Geschichte Hemmas bleiben jedoch ungeklärt.

Christophorus Hoffmann (genannt Ostrofrancus), ein Mönch aus St. Emmeram behauptet, Hemma sei bald nach ihrer Bestattung in Obermünster nach St. Emmeram überführt worden. Nach dem Kirchenbrand im Jahr 1166 seien bei der Beseitigung des Schuttes zwei Jahre darauf ihre Gebeine wiederentdeckt worden. Wie jedoch bereits Laurentius Hochwart erkannte, bleibt uns der Mönch jeden Beweis schuldig, der den durchaus möglichen Fund von Gebeinen als die sterblichen Überreste der Königin Hemma deuten ließe.

Bemerkenswert ist auch die Beobachtung, daß die Emmerammer Nekrologe, deren ältester dem 11. Jahrhundert entstammt, erst seit dem 15. Jahrhundert den Zusatz ...hic sepulta, sepulta circa aram sancti Achatii... bringen. Die älteren Angaben, die nicht über das 12. Jahrhundert zurückzuverfolgen sind, orientieren sich offensichtlich an der Überlieferung der Fuldaer Annalen. Das Übergewicht der Nachrichten aus St. Emmeram mag seine Ursache darin haben, daß das Damenstift Obermünster nie über eine ausgeprägte eigene Geschichtsschreibung verfügt hat. Eine ausführlichere Diskussion des Problems an dieser Stelle würde den Rahmen der Arbeit sprengen, ich verweise daher auf die einschlägige Spezialliteratur.

In den Nachrichten des 10. Jahrhunderts wird deutlich, daß Obermünster bisher niemals eine konkret faßbare Reichsunmittelbarkeit erlangt hatte. Wie die Quellen beweisen, war das Stift zur Zeit des heiligen Wolfgang wieder in die Hände der aufstrebenden Herzogsmacht gefallen. In dieser Zeit war die religiöse Disziplin in den beiden Damenstiften gänzlich verloren gegangen. Der heilige Wolfgang bemühte sich, die verweltlichten Stifte zu reformieren und die benediktinische Regel wieder einzuführen. Er tat dies mit der ausdrücklichen Unterstützung Herzog Heinrichs. Das Vorhaben war jedoch in Niedermünster nur teilweise, in Obermünster gar nicht von Erfolg gekrönt, so daß Wolfgang in St. Paul (Mittelmünster) ein neues Frauenkloster gründete, welches streng an die Regel des Benediktus angeschlossen war und den beiden anderen Konventen zum Vorbild dienen sollte.

Die Wirkung der Reformtätigkeit Wolfgangs hat in Obermünster jedoch bald nachgelassen, denn zahlreiche Schenkungen an das Kloster aus dem 10. und 11. Jahrhundert beweisen, daß die Damen nicht nach der benediktinischen Regel, sondern nun wieder als Kanonissinnen im Stift lebten. Die Gräfin Bertha stiftete dem Kloster Besitzungen in Langenpreising als Präbende für ihre zwei Enkelinnen. Wenn diese sich nicht für die festgesetzte Ordnung im Stift entscheiden würden, sollte dennoch die Schenkung zu ihrem und ihres verschiedenen Gatten Seelenheil Eigentum des Klosters bleiben. Auch der Edelmann Pernhart und der Burgvogt Aeskwin geben Ländereien an das Stift für den Unterhalt ihrer beiden Schwestern, bzw. Töchter. Die Schenkungen sollten selbst im Falle eines freiwilligen Austrittes beim Stift bleiben.


Autor: Thomas Reißer
Quelle: » http://home.mnet-online.de/visualisierung/seiten/Forsch/Ober/node3.html


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