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Reise durch den Baierschen Kreis. 1784
Eine Blüthenlese

Regensburg.



Regensburg ist eine finstere, melancholische und in sich selbst vertiefte Stadt: Dieß ist der Gruß, mit dem sie alle Reisebeschreiber ansprechen; und um die Wahrheit zu gestehen, muß man sagen, daß er richtig ist. Der Ort ist bekanntlich eine Reichsstadt; folglich hat die Spißbürgerei da wie in den meisten Reichsstädten grosse Souverainsrechte, davon einem die Merkmale beim ersten Eintritt in die Augen fallen. Die Stadtwache, die Kleidungstracht, das Pflaster, die Mundart, die Manieren, alles spricht laut, daß da Reichsbürger wohnen. Die engen Gassen, die Unregelmäßigkeit und der Ruß an den Häusern beurkunden das hohe Alter der Stadt. - Sie hat etwa 15000 Einwohner.

Von dem politischen System und der Magistratur des Reichstages sage ich Ihnen nichts; diese erhabne Versammlung ist keinem Deutschen unbekannt. - Obschon die Stadt Regensburg keine eigne beträchtliche Ressource hat, will sie sich von dem Glück nicht recht überzeugen, das sie mit dem Reichstag in ihren Mauern besitzt. Dieser illustre Konvent nährt sie großentheils in guten Jahren, und schützt sie in mißlichen Zeiten, daß der Kurfürst von Baiern im Fall eines unfruchtbaren Jahres durch die wöhnliche Sperre der Lebensmittel sie nicht aushungre. Gewiß hat sie einen großen Theil ihrer Existenz seit dem Hungerjahre 1771. bloß jener Versammlung zu danken, da sie sonst ohne einen Fußbreit Landes ausser ihren Mauern vermuthlich wenigst die Hälfte ihrer Bewohner verloren hätte. Einige Krämer machen, wie die Bubenmonarchen in allen Reichsstädten gewöhnlich zu thun pflegen, grosses Geschrei, daß von den Bedienten der Gesandten einige Kleinigkeiten zollfrei in die Stadt gebracht, und darin etwas wohlfeiler wieder verhandelt werden, als sie es geben wollen; die, welche am Zoll der Stadt sitzen, helfen sehr natürlich das Geschrei vergrößern: Aber man erwarte, daß durch die zu vermuthende Revolution von Niederbaiern der Reichstag für gut finde, sich an einem andern Platz zu fixieren, und dann wird das Geschrei der Regensburger gegen die Abwesenheit dieser Versammlung zuverlässig größer, als es izt wider die Gegenwart derselben ist.

Da nebst den sämmtlichen deutschen Reichsständen fast alle Souveräne Europens ihre Gesandte hier halten, und der reiche Fürst von Thurn Taxis kaiserlicher Prinzipalkommissarius ist, so ist es unausweichlich, daß dieser Konvent nicht einen beträchtlichen Aufwand zu Gunsten der Stadt machen müsse. Der genannte Fürst soll bloß von seinen Postgefällen jährlich an die 350000 Gulden ziehn, nebst denen er noch einige einträgliche Güter in Schwaben und Böhmen besitzt.

Es ist mir räthselhaft, wie man vor einigen Jahren, bei Ankunft eines rußischen Gesandten, sich lange bedenken, und eine Weile darüber disputieren konnte, ob man dem Gesandten seinen griechischen Gottesdienst erlauben könne, weil im westphälischen Frieden die griechische Religion nicht eingeschlossen ward.

Merkwürdig ist es, daß diese protestantische Stadt fünf katholische Reichsfürsten in ihren Mauern hat. Es sind der Fürst=Bischof, der Fürst von Thurn=Taxis, der Fürst von Emerann, die Fürstinnen von Obermünster und Niedermünster.

Soll ich Ihnen auch von der berühmten Brücke etwas sagen? Daß sie ein Lehrpursche mit Beyhilfe des Teufels gebaut, ihm die ersten zween versprochen, welche darüber gehen würden, dann zween Hahnen darüber gejagt, die der geprellte Teufel aus Zorn in Stücke zerrissen, wissen Sie vielleicht schon; und daß dieses Mährchen unter dem gemeinen Volk von Baiern noch hie und da im Ernste geglaubt werden, kann ich Ihnen auch versichern.

Unbeschreiblich ist der Nationalhaß der Baiern gegen die Oberpfäluer, oder Pfälzler, wie die Baiern es sprechen, so daß der Name Pfälzler beinahe ein Schimpfnamen ist. Sie haben auch einen gewissen singenden Accent in ihrer Mundart (besonders bei den lezten Sylben der Konstruktionen) der sie von dem ächten Baier, welcher nichts Sangbares in seine Aussprache zu legen pflegt, auf der Stelle unterscheidet. Ich habe mich bemüht, die Quelle dieses Hasses aufzufinden, aber ich konnte nichts zuverläßiges darüber erfahren.

Soviel weis ich, daß die Pfälzer in ihren Sitten sich sehr von den Baiern unterscheiden: es sind kleine Pürschgens, die entsetzlich viel Eitelkeit haben, unerträgliche Schwätzer; erst kriechend, sich an jedermann hängend und einschmeichelnd; dann, wenn sie sich emporgeschwungen haben, stolz, und pralend. Ihre allgemeine Armuth, die ihnen nichts zu essen verstattet, als Erdäpfel, die sie auf hunderterlei Arten in Pastetn, Klösse, Brei, Salat etc. zu verwandeln wissen, macht sie hauptsächlich so geschmeidig. Sie laufen unter allen bürgerlichen Gestalten häufig nach Baiern, machen erst Hausknechte, Schuhputzer, Kuppler, Trödler, Gaukler, Pflastertreter, schmiegen sich in alles, lassen sich zu allem gebrauchen, prellen nebenbei denn offenen unargwöhnischen Baier auf zwanzigerlei Arten mit glatten schönen Worten. (...) Ihre Geschäftigkeit ist unerschöpflich, dadurch schwingen sie sich dann von der untersten Stuffe der gesellschaftlichen Leiter allmählig höher, bringen endlich ihre ehemaligen Herren selbst unter die Füsse, und tirannisiren sie dann, wie es von solchen Parvenus zu erwarten ist. Eine Menge einträglicher Stellen beim Zivile, Militär, und Klerus sind mit dergleichen Pfälzern in ganz Baiern besetzt, die sich an ihrem Posten, wenn sie einmal festsitzen, in gedoppeltem Masse an den Personen und Geldbeuteln der Baiern für alles das wieder rächen, was sie auf dem Wege zu ihrem Glück ausstehen mußten. Dieß haben mir umständlich viele glaubwürdige Leute in Baiern erzählt, und hierin liegt mein Erachtens die Quelle jenes schweren Nationalhasses, der allmählig ohne Ausnahme allgemein geworden ist; so, daß sich sogar einige Gemeinheiten, zum Beispiel einige Klöster, feyerlich verbunden haben, nie einen Pfälzer in ihre Versammlung aufzunehmen.


Autor: Johann Pezzl
Quelle:
» http://www.literatur-live.de/aufkl/pezzl.html


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