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Konrad Roritzer

Dombaumeister in Regensburg

Über die Herkunft und die Jugend Konrads Roritzer ist nichts überliefert. Wahrscheinlich ist das er zu Regensburg geboren ist. Seine Mutter war in zweiter Ehe mit dem Dombaumeister Andreas Engl (Engel) verheiratet und 1459 gestorben. Es ist anzunehmen das Konrad eine feine Schule in der Dombauhütte seiner Vaterstadt durchgemacht hat.

Ob schon unter Meister Mencgla ( Junker von Prag 1411 – 1416 ) muß dahingestellt bleiben. Die erste selbstständige Arbeit Roritzers von der wir wissen, ist der Entwurf zum Chorbau von S. Lorenz in Nürnberg. Derselbe wurde 1445 begonnen, zuerst unter Leitung von Konrad Heinzelmann, welcher vorher an der Georgskirche zu Nördlingen tätig gewesen war. Seit 1448 war auch Konrad häufig in Nürnberg. 1458 wurde die Bauleitung an den bisherigen balierer Conradten Roritzers Hans Baur von Ochsenfurt übertragen.

Baur starb schon 1462 und Konrad übernahm die Leitung wieder selbst, als Balier fungierte erst Konrad Lang, dann sein Sohn Matthäus Roritzer. Als Konrad Roritzer den Plan zum Chor von S. Lorenz in Nürnberg entwarf, stand er im Dienste der Stadt Regensburg, war aber nicht in der Dombauhütte tätig, in welche er nach einer Urkunde von 1446 erst in diesen Jahren eintrat. Schon wenige Jahre später wurde ihm an Stelle seines Stiefvaters Andreas Engl die Leitung des Dombaus übertragen. Als Konrad Roritzer dieselbe übernahm war Chor und Langhaus nahezu vollendet. Die Wölbungen sind zum Teil unter seiner Leitung ausgeführt (1464).

Außerdem arbeitete man an den Türmen und der Fassade. Der Südturm war in drei Geschossen bis zum Achteck ausgeführt ( soweit als an ihm während des Mittelalters überhaupt gebaut wurde), der übrige Teil der Fassade war bis zum Abschluß des Erdgeschosses geblieben. Als da Werk Konrad Roritzers darf mit Sicherheit das zweite Geschoß des Nordturmes und des mittleren Teiles der Fassade betrachtet werden. An letzerem führte er an die Stelle der früher beabsichtigten Rose das große Doppelfenster ein. Die Formgebung ist reich und frei, im Sinne der Spätgotik gehalten. Wie weit Konrad an den planlichen Arbeiten persönlich beteiligt war, namentlich ob das Figürliche, wie Denzinger vermutet, von ihm ist kann nicht mehr mit voller Sicherheit entschieden werden. Während Konrad Roritzer Dombaumeister war, fand 1459 in Regensburg eine Versammlung der deutschen Steinmetzbruderschaft zum Besuche engerer Beziehungen der verschiedenen Bauhütten statt. Tiefe Beziehungen kamen auch zustande, doch trat ihr aus unbekannten Gründen gerade die Regensburger Bauhütte nicht bei. Roritzer wurde mehrfach bei auswärtigen Bauten zu Rate gezogen., angeblich beim Bau von S. Stefan in Wien, beim Freiburger Münster, beim Münster zu Ulm. Sicher bezeugt ist nur seine Anwesenheit bei der Baumeisterversammlung, welche die Pläne Ganghofers für die Wölbung der Frauenkirche zu München zu begutachten hatte (1474).

Konrad Roritzers Name wird in Regensburger Urkunden bis zum Jahre 1474 erwähnt. Das Jahr seines Todes ist ebenso wenig bekannt wie das seiner Geburt. 1480 scheint er bereits verstorben gewesen zu sein. Er hinterließ zwei Söhne, Matthäus und Wolfgang.



Matthäus Roritzer, Sohn des vorigen

Dombaumeister zu Regensburg.

Das Jahr seiner Geburt ist unbekannt. Die erste Unterweisung erhielt er seinem Vater. Dieser brachte ihn 1462 als Balier zum Chorbau von S. Lorenz in Nürnberg, und machte ihn im Novenber des volgenden Jahres zum Meister.

Später finden wir ihn in Eichstätt unter Bischof Wilhelm von Reichenau tätig. Sicher ist ihm die schöne Sakrestei am Dom zuzuschreiben. Angeblich soll er auch die Marienburg und das 1474 gegründete Kloster Mariastein erbaut haben. Während des Aufendhaltes in Eichstätt wandte sich Meister Jörg Ganghofer an ihm, um seinen Rat bezüglich der Wölbung der Münchner Frauenkirche zu vernehmen (1473), welcher in des anscheind nicht ausreichte, da im folgenden Jahre eine größere Meisterversammlung in der gleichen Frage zu beraten hatte. Ob Matthäus Roritzer auch in Magdeburg gearbeitet hat, muß dahingestellt bleiben und ist nicht wahrscheinlich. Auffallenderweise erscheint er im Jahre 1474 wieder als Geselle und wird als solcher von dem Steinmetzmeister Hanns von Esslingen in den Straßburger Mauererverein aufgenommen. Nach dem Tode seines Vaters, um 1480 wurde er an dessen Stelle als Dombaumeister nach Regensburg berufen.
Unter seiner Leitung wurde der Giebel der Fassade ausgeführt. Er trägt die Jahreszahl 1486. Der Laufgang, welcher über dem ersten Geschoße der Fassade zwischen den Türmen vor der Fassade des Mittelschiffes hinführt ist gleichfalls sein Werk. Er trägt die Jahreszahl 1482. Man hat daraus geschlossen das der ganze Mittelteil der Fassade von Wolfgang Roritzer erbaut sei. Allein diese Gallerie ist eine spätere Zutat und steht weder mit den Türmen n och mit der Fassade in Verband auch ihre Formbehandlung ist eine andere als bei den benachbarten Teilen, stimmt aber mit der des Giebels wohl überein.

Ferner ist die Kanzel des Domes 1482 von ihm. Matthäus Roritzer hat auch eine Unterweisung in seiner Zunft geschrieben. Das Büchlein von der Fialen Gerechtigkeit. Ist seinem früheren Herrn dem Bischof Wilhelm von Reichnau gewidmet, welcher die Kosten des Drucks, oder doch die Druckbelegung veranlasste (bec imprimi fecit anno Die MCCCCLXXXVI). Nach der Widmung ist die Absicht des Autors, die von halbwissenden eingeführten Mängel und Gebrechen auszurotten und die wahre Zumft dem allgemeinen Nutzen zur Liebe recht ans Licht zu setzen. Es ist eine Unterweisung für die Gesellen der Bauhütte welche es ermöglicht das in der Hütte mit großer Gleichmäßigkeit gearbeitet wird, ohne das es nötig ist das der Meister selbst alle Risse zeichnet und es gibt ein geometrisches System für die Proportionen der Fialen und ihre Teile, Wimperge und Kreuzblumen. Am Regensburger Dom ist nach den Untersuchungen von Denzinger dieses System zur Anwendung genommen und Denzinger selbst hat es beim Ausbau der Türme beibehalten. Eine allgemeine Geltung für die Proportionen gotischer Bauten kommt ihm nicht zu. Das Werkchen ist nur in sehr wenigen Exemplaren erhalten, eines bewahrt die Regensburger Kreisbibliothek, eines das baierische Nationalmuseum in München, drei weitere waren inPrivatbesitz.

Matthäus Roritzer hat sein Büchlein selbst gedruckt. Es ist ferner ein Druck aus dem gleichen Jahr 1486 von ihm erhalten, eine Staatsschrift in welcher der Magistrat der Stadt Regensburg die Gründe seiner Unterwerfung unter Herzog Albrecht IV. von Baiern bekannt macht. Die Schrift wurde in 600 Exenplaren gedruckt und an alle Fürsten und Reichstädte des Reichs verschickt. In der Stadtrechnung findet sich eine Bemerkung über die Bezahlung von 15 Schilling 17 Pfennigen an den Druckmeister für das Drucken der genannten Schrift. Sie stimmt im Satz genau mit dem Fialenbüchlein überein. Matthäus Roritzer wird im Jahre 1492 zum letzten Male urkundlich erwähnt. Er dürfte zu Anfang 1495 gestorben sein. In dem selben Jahr wurde sein Bruder Wolfgang Roritzer Dommeister.



Wolfgang Roritzer, Sohn des Konrad Roritzer,

Dombaumeister zu Regensburg.

Über seine Lehr und Wanderjahre ist nichts bekannt. Sein Steinmetzzeichen findet sich am Dom zu Eichstätt, es scheint also das er mit, oder nach seinem Bruder dort gearbeitet hat. Noch zu Lebzeiten seines Bruders hat er in Regensburg gearbeitet. Im Jahre 1493 führte er nach der Stiftung des Domherrn Georg von Freising das Sacramentshäuschen im Dome aus. Es ist etwa 15 m hoch.. sehr zierlich aufgebaut. Im Jahre 1495 wurde er Dombaumeister. Seine Tätigkeit scheint nächst dem Aufbau des dritten Geschosses des Nordturmes (1496) hauptsächlich auf die decorative Ausstattung der Kirche gerichtet gewesen zu sein. Der schöne Brunnen von 1500 im südlichen Seitenschiff ist sein Werk.

Er zeigt in formaler Hinsicht große Übereinstimmungen mit dem Sacramentshäuschen. Eine größere Anzahl plastischer Arbeiten ( Figuren am Nordturm ) zeigt ihn als tüchtigen Bildhauer. Irrtürmlicherweise werden ihm die Fenster im mittleren Flügel des Domkreuzgangs, reiche Arbeiten im Übergang von der Gotik zur Renaissance zugeschrieben. Wolfgang Roritzer war entschieden kirchlich gestimmt. Im Jahre 1498 ist er an der Stiftung der St. Anna Bruderschaft bei den Minoriten beteiligt und wird 1499 zum Bruderschaftsmeister gewählt. 1508 trat er auch der St. Wolfgangsbruderschaft bei St. Emmeram bei. In den Jahren 1513 und 1514 wurde Wolfgang Roritzer in städtische Unruhen verwickelt, welche ihm das Leben kostete. Der Hergang war folgender: Die Stadt hatte sich im Laufe der Zeit von der herzoglichen und bischöflichen Verwaltung fast vollständig befreit, als Herzog Albrecht IV. von Baiern ungünstige städtische Verhältnisse benutzte und dieselbe unter seine Landeshoheit brachte 1486. Kaiser Friedrich III. betrachtete diesen Schritt der Stadt als Abfall vom Reich und zwang 1492 den Herzog zur Herausgabe der Stadt und zur Anerkennung von derer Reichsunmittelbarkeit. Ein kaiserlicher Reichshauptmann wurde ernannt, eine Maßregel, welche auf Seiten der baierischen Partei heftigen Widerspruch erregte, und als nach dem Tode des ersten 1513 ein zweiter Reichshauptmann eingesetzt werden sollte, brach ein Aufruhr aus, bei welchem der alte und würdige Ratsherr Wolfgang Ansfircher unter den nichtigsten Vorwänden hingerichtet wurde. Endlich wurde die Ruhe notdürftig hergestellt und gegen die Unruhestifter mit Strafen vorgegangen.

Unter den Haupträdelsführern hatte sich Wolfgang Roritzer befunden. Dieser war nach Herstellung der Ordnung mit anderen Genossen aus der Stadt entwichen, hatte jedoch auf höhere Verwendung einen kaiserlichen Geleitsbrief bis zum Eintreffen einer kaiserlichen Kommission erhalten und war nach Regensburg zurückgekehrt. Er blieb auch in der Stadt als diese Kommission welche die Verhältnisse endgültig regeln sollte, am 2. April 1514 eingetroffen war. Und auch jetzt noch ließ er sich nicht abhalten gegen die kaiserliche Sache zu agieren. Er Verließ jede Nacht die Freiung des Bischofshofes ging unter die Bürgerschaft und regte die Gemüter auf. Die kaiserlichen Kommissare hielten es für nötig, gegen widerwärtigen und Aufrührerischen Personen die im Finstern und in Freiungen sitzend ihr Unwesen forttrieben ernstlich zu verfahren. Man verlangte vom Bischof die Auslieferung Roritzers, und als diese verweigert wurde wurde derselbe in der Dombauhütte aufgehoben. Er wurde mit anderem Mitschuldigen vor die Kommission gestellt und am 30 Mai 1514 enthauptet. Der Regensburger Aufstand war beendet.

Roritzer wurde auf dem Domfriedhof bestattet. Sein Grabstein, eine einfache Platte mit der Inschrift: Anno 1414 am 12 Mai starb der erbare Wolfgang Roritzer Baumeister dem nebst dem Steinmetzzeichen des Meisters in einen Wappenschildchen , war bis zum Jahre 1838 erhalten, ist aber seitdem verschwunden.

Roritzers Frau scheint schon vor ihm gestorben zu sein. 1522 wird dem Dionysus Roritzer, einem Sohne Wolfgangs sein ehelicher Geburtsbrief bestädigt. 1524 verkaufen die Vormünder der Kinder Wolfgand Roritzers deren Haus in der Malergasse. Damit verschwindet die Spur der Familie aus der Regensburger Geschichte.


Autor: Reinhold Weinzierl


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