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1.) Das Stammesherzogtum des Früh- und Hochmittelalters (ca. 500-1000)

I. DAS ÄLTERE STAMMESHERZOGTUM (ca. 500-788)

Die Ursprünge:

Die Bayern treten als "Bajuvarii" (= Männer aus dem Lande Baia = Böhmen ?) erstmals in der 1. Hälfte des 6. Jahrhunderts im Raum der ehemaligen römischen Provinz Noricum und Raetia II auf. Ihre Herkunft ist noch ungelöst und Gegenstand wissenschaftlicher Kontroversen (Kelten-, Markomannen-, Sueben-, Frankenhypothese usw.). Heute besteht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass vermutlich unter dem Ostgoten-König Theoderich (471-526) zu Beginn des 6. Jahrhunderts das Land der von ihm beanspruchten römischen Provinz Noricum und Raetien eine neue germanische Herrschafts- und Bevölkerungsschicht erhielt, die wohl von Böhmen her eingewandert war und mit der die noch ansässigen römischen Provinzialen sowie anderen Stammessplitter der Völkerwanderung verschmolzen. Im Rahmen der Bündnispolitik Theoderichs mit den Thüringern und Franken mag das Machtvakuum in den ehemals römischen Provinzen mit dem Herzogtum von Bayern aufgefüllt worden sein, wobei möglicherweise die Provinz Raetia II westlich des Lechs den von den Franken 496 geschlagenen Alamannen zugeteilt wurde. Nach dem Zusammenbruch der gotischen Vormachtstellung mit dem Tode Theoderichs wurde der gotische Herrschafts- und Einflussbereich nördlich der Alpen an die Franken abgetreten. Unter ihnen begegnet ein dux für die Bayern, Garibald I. Die Abhängigkeit vom Frankenreich war in der Folgezeit unterschiedlich. Seitdem die Langobarden 568 in Nord-Italien ihr Reich begründet hatten, traten die bayerischen Herzöge in Bündnisse mit ihnen ein. Eine Bestätigung hierfür ist die Heirat der Tochter des Bayern-Herzogs Garibald, Theudelinde, mit dem Langobarden-König Authari 589 (Schatz der Theudelinde im Dom zu Monza). 592 wird jedoch Herzog Tassilo I. durch den Franken-König eingesetzt, der 591 mit den Langobarden Frieden geschlossen hatte. Die bayerischen Herzöge gehörtem dem Geschlecht der ARNULFINGER an, das mit Garibald I. (ca. 530-590) seinen ersten urkundlich fassbaren Ahnherrn hat und Bayern bis 788 regierte. Seine Herkunft ist nicht erhellt: in langobardischen Quellen ist fränkische Abstammung bezeugt. Außerdem wird burgundischen und langobardischen Abkunft erwogen.

Die frühe Siedlung:

Der bayerische Siedlungs- und Herrschaftsraum, der durch die -ing-Orte markiert ist, erstreckte sich am Ende des 6. Jahrhunderts bereits bis zum Lech (starke schwäbische Siedlungsgruppen östlich davon in sich aufnehmend), im Süden bis zu den Alpen, wo die Bayern neben den Langobarden in den seit dem Ausgang des 6. Jahrhunderts vom Balkan aus vordringenden Awaren und Slawen neue Nachbarn erhielten. Ihr weiterer Vorstoß wurde im westlichen Pustertal erstmals 592 unter Herzog Tassilo I. von den Bayern zum Stehen gebracht, die sich damit den Weg nach Italien offen halten wollten. Herzog Tassilo III. bannte die Gefahr 772 endgültig. Um die Mitte des 7. Jahrhunderts amtete in Bozen bereits ein bayerischer Grenzgraf, und die bayerische Siedlung drang über die Enns hinaus kolonisierend nach Osten vor. Auf dem bayerischen Nordgau verlief 805 die Nordgrenze der bayerischen Siedlung bei Premberg (Burglengenfeld), 905 bei Nabburg. Der Kernraum des Herzogtums war das Land an der Donau mit dem ehemaligen römischen Castrum Regensburg als Sitz des bayerischen Herzogs. Dort lag, meist in der Umgebung alter Römerkastelle, ausgedehntes herzogliches Fiskalgut, das vielleicht auf römisches Domänengut zurückgeht. Der Besitz der fünf anderen bayerischen Hochadels-Geschlechter der HUOSI, FAGANA, HAHILINGA, DROAZZA, ANNIONA scheint im westbayerischen Raum gelegen zu haben, wo sich allerdings auch Herzogsgut findet. Von einer "Zweiteilung" des Herzogtums in agilolfingischer Zeit zu sprechen, ist deswegen wohl überspitzt. Über die soziale Gliederung des Volkes in Adel, Freie und Unfreie gibt das zwischen 739 und 743 kodifizierte bayerische Volksrecht (Lex Bajuwariorum) Auskunft, das auch eine hervorragende Quelle für Volksleben und Volkskultur bildet.

Mission und frühe Kirchengeschichte:

Über die ursprüngliche Religion der Bajuwaren ist wenig bekannt. Während das Herzogs-Geschlecht von Anfang dem christlichen (katholischen) Glauben anhing, war das Volk in seiner Mehrheit im 6. Jahrhundert noch heidnisch. Die bereits im Lande ansässigen kelto-romanischen Christen konnten ihren Kult jedoch ungestört ausüben, wie es die Verehrung der römischen Märtyrer Afra in Augsburg und Florian im oberösterreichischen Lorch (Lauriacum) bezeugt. Die in der Römerzeit mit großer Wahrscheinlichkeit schon bestehende Kirchenorganisation dürfte allerdings nach dem Abzug der römischen Truppen und Staatsorgane weitgehend untergegangen sein (Vergleiche Vita Severini des Eugippius). Bayern musste deswegen fast wieder von Grund auf neu missioniert werden. Dies geschah hauptsächlich durch angelsächsische, aber auch durch irische und fränkische Mönche, die ihren Rückhalt weniger im Papsttum als bei den fränkischen Königen hatten, welche in der Christianisierung eine wertvolle Hilfe für die politische Erschließung der eroberten Gebiete erblickten. Bereits zu Beginn des 7. Jahrhunderts wirkten die 3 irischen Wandermönche Agilus, Eustasius und Agrestius aus dem Jura-Kloster Luxeuil in Bayern; das Kloster Weltenburg führt seine Gründung auf Eustasius zurück. Gegen 700 kamen die irischen, in ihrer Mehrzahl aber wohl westfränkischen Missionare Erhard von Narbonne und Emmeran von Poitiers nach Regensburg, Rupert aus dem Wormsgau nach Salzburg und Korbinian aus Arpajon bei Melun nach Freising, alle auf Geheiß der bayerischen Herzöge, die an den genannten Orten ihre Pfalzen hatten. Herzog Theodo erreichte 716 von Papst Gregor II. eine Anweisung (älteste Urkunde der bayerischen Geschichte) für die Einrichtung von festen Bistümern in einem bayerischen Metropolitansprengel, doch kam diese nicht oder nur teilweise zur Ausführung. So vollendete der Angelsachse Winfried (Bonifatius) mit seinen Helfern die bayerische Kirchenorganisation 739 im Zusammenwirken mit Herzog Odilo im Auftrag Papst Gregors III. An den früheren Herzogssitzen wurden Bistumssitze eingerichtet und kanonisch geweihte Bischöfe eingesetzt (Regensburg, Freising, Salzburg, Passau). Die Bistümer Säben, Brixen und Augsburg, die älter waren, wurden davon nicht berührt. Entscheidender als die Einrichtung von festen Bischofssitzen waren für die Missionierung des Landes die Klöster, die seit dem 7. Jahrhundert ins Leben gerufen wurden. Die große Welle der benediktinischen Kloster-Gründungen setzte jedoch erst im 8. Jahrhundert unter der Regierung Herzog Tassilos III. (748-788) ein. Tassilo selbst gründete (zumindest gilt er als Gründer) die Klöster Kremsmünster (777, Tassilo-Kelch), Niederaltaich, Innichen (769), Niedermünster zu Regensburg, Thierhaupten, Polling, Wessobrunn, Mondsee, Mattsee usw. Hochadlige Geschlechter des Landes, wie zum Beispiel die HUOSI, gründeten die Stifte Tegernsee und Benediktbeuren. Die Bistümer selbst wurden Besitzer von Eigenklöstern (zum Beispiel Scharnitz-Schlehdorf). Das staatliche und religiöse Leben wurde auf Landessynoden geordnet (Aschheim 750 und 756, Neuching 771, Dingolfing 774). Die Klöster entwickelten sich in kurzer Zeit zu Zentren geistlicher, geistiger und weltlicher Kultur, in denen Schulen eingerichtet und von denen aus das Land gerodet wurde. Im Bund mit den Bistümern wetteiferten sie in der Ostmission (Innichen, Kremsmünster, Chammünster, St. Emmeran, Niederaltaich, Metten), die mit der bayerischen Kolonisation einherging.

II. BAYERN IM KAROLINGERREICH (788-911):

Politische Geschichte:

Seit dem 8. Jahrhundert versuchten die KAROLINGER, das relativ unabhängig gewordene Herzogtum Bayern wieder stärker unter ihre Kontrolle zu bringen (Vorstoß Karl Martells nach Bayern 725; Sieg Pippins und Karlmanns über Herzog Odilo am Lech 743). Obwohl Herzog Tassilo III. 757 Pippin und seinen Söhnen den Lehnseid schwören musste, führte er seine selbständige Politik im Bündnis mit den Langobarden fort - er heiratete 765 die langobardische Königs-Tochter Liutberga. Die Unterwerfung der Langobarden 774 durch KARL DEN GROSSEN beraubte den Herzog seiner wichtigsten Bundesgenossen. 788 wurde Tassilo von KARL DEM GROSSEN wegen angeblicher Fahnenflucht als Herzog abgesetzt und mit seiner ganzen Sippe in Klöster verbannt. Bayern wurde fränkische Provinz. Nach dem Bericht Einhards gab KARL DER GROSSE Bayern Grafen zum Regieren, was als Einführung der fränkischen Grafschaftsorganisation gedeutet wird, die wohl auf agilolfingische Vorläufer zurückgriff. Die Grafen waren vermutlich Angehörige fränkischer "Reichsaristokratenfamilien", die sich aber bald mit dem einheimischen Adel versippten. Nach der Eingliederung ins Frankenreich blieb Bayern in seinem territorialen Umfang erhalten und behielt sein eigenes Stammesrecht. Die Eigenständigkeit der karolingischen Provinz Bayern wurde noch dadurch erhöht, dass KARL DER GROSSE 798 eine bayerische Kirchenprovinz mit Salzburg als Erzbistum begründete. Die Einrichtung von Marken an der Ostgrenze sicherte das Land vor den Awaren. Unter Ludwig dem Deutschen (817-876) und unter Karlmann (876-880) ist Bayern karolingisches Teil-Königreich. Nach dem Aufgehen Bayerns im ostfränkischen Reich war Regensburg neben Frankfurt der Hauptort des Reiches (Errichtung einer neuen Pfalz durch Kaiser ARNULF "VON KÄRNTEN"; spätkarolingische Grablege in St. Emmeram).

Die Klöster und ihre Bedeutung für die kulturelle Entwicklung:

Die in der AGILOLFINGER-Zeit begründete Klosterkultur der nunmehrigen Reichsklöster setzte sich ohne Bruch im KAROLINGER-Reich fort. "Der Stamm an der Grenze der abendländischen Welt" rezipierte als erster im Gebiet des heutigen Deutschland die lateinische Bildung durch eigene literarische Schöpfungen. Waren in der Frühzeit des Stammesherzogtums insulare und langobardisch-südliche Kultureinflüsse stärker ausgeprägt, die zur Begegnung mit der lateinischen Liturgie führten, so wurde die von Anfang an vorhandene westliche Kulturströmung aus dem fränkischen Reich aufgrund der herrschaftlich-staatlichen Bindungen seit der
KAROLINGER-Zeit immer bestimmender. Träger der kulturellen Aktivität waren seit dem 8. Jahrhundert die Domklöster an den Bischofssitzen (Abt-Bischof Virgil von Salzburg, ca. 700-784) und die benediktinischen Monasterien von Benediktbeuren, Wessobrunn, Niederaltaich, Tegernsee, Herrenchiemsee, Niedernburg (Passau), Monsee und Kremsmünster. Sie setzt sich in die KAROLINGER-Zeit ungebrochen fort (Augsburger beziehungsweise Staffelseer Schreibschule; Wessobrunner Gebet), wobei die Hofkapelle der ostfränkischen KAROLINGER die "dichteste Kontaktstelle zwischen karolingischer Politik und bayerischem Episkopat" war. Theologische, seelsorgerische und hagiographisch-biographische Gebrauchsliteratur überwog, auch gab es bereits Ansätze für annalistische Fixierung, sowie poetische Versuche neben Rechtssammlungen.

III. DAS "JÜNGERE" STAMMESHERZOGTUM (ca. 907-1180):

Politische Geschichte:

Der gegen Ende des 9. Jahrhunderts einsetzende Niedergang des Reiches ließ führende Adelsgeschlechter in den Stämmen wieder zu Herzögen aufsteigen, wodurch das sogenannte "jüngere" Stammes-Herzogtum begründet wurde. Der Sohn des mit dem bayerischen Heerbann gegen die Ungarn bei Pressburg 907 gefallenen Markgrafen Luitpold, Arnulf (907-937) nannte sich wieder Herzog von Bayern. 919 zum König (von Bayern? von Ost-Franken?) gewählt, unterwarf er sich nach anfänglichem Widerstand dem von KONRAD I. designierten, von Franken und Sachsen zum König erhobenen Heinrich I. von Sachsen, der ihm sonst außen- und kirchenpolitische Selbständigkeit beließ. Durch die Säkularisierung von Klostergütern, die Arnulf an berittene Vasallen zur Ungarnabwehr zu Lehen ausgab (Beiname: der Böse), konsolidierte er seine Macht. König OTTO I. entsetzte die LUITPOLDINGER des Herzogtums Bayern 947, das er seinem Bruder Heinrich, der mit der LUITPOLDINGERIN Judith, Tochter Herzog Arnulfs, verheiratet war, übertrug. Unter seinem Sohn Heinrich dem Zänker (955-976 und 985-995) erhielt Bayern seine größte territoriale Ausdehnung überhaupt (953 Markgrafschaft Verona, Mark Krain und Istrien zu Bayern, aber bereits 976 dem von Bayern abgetrennten Herzogtum Kärnten zugeschlagen). Der Sohn des Zänkers, Heinrich IV. (995-1004), wurde 1002-1024 deutscher König (HEINRICH II.). Er stattete das 1007 von ihm begründete Bistum Bamberg vor allem mit bayerischen Herzogsgut aus. Unter den salischen Kaisern wurde Bayern zu einer Art Kronland, das von den regierenden Königen meist an Familienmitglieder verliehen wurde. Die Wahl durch die bayerischen Großen war dabei auf die Akklimation reduziert (1026-1027 Herzog Konrad = König KONRAD II.; 1027-1042 und 1047-1049 Herzog Heinrich VI. = Kaiser HEINRICH III.; 1054-1055 Herzog Konrad II., Sohn Kaiser HEINRICHS III.; 1053-1054 Herzog Heinrich VIII. = König HEINRICH IV.; 1055-1061 Herzogin Agnes, Witwe Kaiser HEINRICHS III.). Bayern wurde so eine entscheidende Machtgrundlage der deutschen Könige, Regensburg sogar einer der Hauptorte des Reiches. Seit 1070 herrschten für mehr als ein Jahrhundert die WELFEN als Herzöge von Bayern (bis 1180; mit Unterbrechung des Jahres 1139 bis 1156, in denen das Herzogtum in den Händen der BABENBERGER lag). Die Familie der jüngeren, italienischen WELFEN errang unter Herzog Heinrich dem Stolzen (1126-1138) 1137 auch das Herzogtum Sachsen, womit sie zur mächtigsten Familie im Reich aufstieg. So war der Grund zur Rivalität mit den STAUFERN gelegt, die 1180 mit der Absetzung Heinrichs des Löwen durch FRIEDRICH BARBAROSSA und der Verleihung des bayerischen Herzogtums an Otto von Wittelsbach sein Ende fand. Dieser war ein Nachkomme der seit der Mitte des 11. Jahrhunderts urkundlich nachweisbaren Grafen von Scheyern(-Wittelsbach), die seit ca. 1120 das bayerische Pfalzgrafen-Amt innehatten.

Siedlung und Verfassung:

Nach dem Sieg auf dem Lechfeld 955 über die Ungarn begann die zweite Welle der bayerischen Ostsiedlung. Um 970 war die in den Ungarnstürmen untergegangene bayerische Ostmark wieder aufgerichtet und über den Wienerwald hinaus erweitert worden. 976 wurden die BABENBERGER Markgrafen in der Ostmark, die Ende des Jahrhunderts erstmals "Ostarrichi" genannt wird. 1156 wird sie beim Ausgleich der BABENBERGER mit den WELFEN vom Herzogtum Bayern abgetrennt und mit der Verleihung an Heinrich Jasomirgott als Herzog zum selbständigen Herzogtum erhoben. Die Steiermark wurde 1180 abgetrennt, während das Kolonisationsgebiet in Kärnten und in den südlichen Marken Krain und Istrien schon seit 976 verloren war. Träger des Landesausbaus waren Bistümer, Klöster und der hohe Adel, deren Spuren in Besitz und Ortsnamen zum Teil bis in die Gegenwart nachwirken.
Grundherrschaft und Lehenswesen, die ihre Anfänge in agilolfingisch-karolingischer Zeit haben, kamen auch in Bayern seit dem ausgehenden 10. und 11. Jahrhundert zu voller Entfaltung. Zusammen mit Allodialbesitz wurden sie zu Grundlagen der Hochadelsherrschaften des 12. Jahrhunderts, wie sie die gräflichen Dynastengeschlechter der ANDECHS(ER), WITTELSBACH(ER), FALKENSTEIN (ER) (Codex Falkensteinensis), BOGEN(ER) usw. innehatten. Seit etwa 1000 begegnen in Bayern auch Ministerialen, die im ausgehenden 13. Jahrhundert zum landsässigen Adel aufstiegen und Landstände wurden. Bereits in agilolfingischer und karolingischer Zeit finden wir eine ausgebildete Großgrundherrschaft der größeren Stifte und Klöster (Fronhof- und Hufenverfassung; älteste Traditionsbücher: Indiculus Arnonis, Breviarius Urolfi, Freisinger Traditionscodex des Cozroh, Breviarium Exempla usw.). Seit der in ottonischer Zeit erfolgten Unterstellung der Bistümer und größerer Klöster unter Königsherrschaft, womit zugleich auch die Immunität (Freiheit vom Grafengericht, Einrichtung einer Gerichtsvogtei) verbunden war, verfügte das Königtum in Bayern über eine unmittelbare, vom Herzogtum unabhängige Machtgrundlage. Dies erklärt unter anderem die königstreue Haltung vieler alter bayerischer Stifte im Investiturstreit, während der Hochadel mit den von ihm gegründeten Familien-Klöstern (Reform- und päpstliche Klöster) zum Teil der päpstlichen Partei anhing. Über den Umweg der Vogtei gelang es den gräflichen Dynasten, auch die Herrschaft über den Besitz der Reichskirche an sich zu reißen. Die vizekönigliche Stellung des bayerischen Herzogs, die sich gerade in der Reichslandepoche herausgebildet hatte, verhinderte mit der hier schon früh (1094) einsetzenden herzoglichen Landfriedenswahrung den vorzeitigen Auseinanderfall des landrechtlich/stammesherzoglichen Verbandes, der allerdings auch durch vasallitische Bindungen der Dynasten zum Herzog untermauert war. Die tatkräftige Wahrnehmung vizeköniglich-herzoglicher Rechte durch die ersten WITTELSBACHER war zusammen mit dem Erwerb unmittelbarer Herrschaften des aussterbenden Hochadels ein Hauptgrund für die Bewahrung des stammesherzoglichen Kernraumes in landesfürstlichen Territorialstaat.


Der Territorialstaat des Spätmittelalters (1180-1508)

DIE ERSTEN WITTELSBACHER HERZÖGE (1180-1255)

Die Belehnung des Pfalzgrafen Otto von Wittelsbach mit dem Herzogtum Bayern 1180 begründete eine neue Dynastie. Sein früher Tod 1183 stürzte das noch unfertige Herzogtum in eine schwere Krise. Sein Sohn Ludwig I. (1183-1231) musste sich gegenüber den zentrifugalen Tendenzen des Hochadels und der Bischöfe durchsetzen. In der Bogener Fehde unterlag er und wurde erst durch das Eingreifen Kaiser HEINRICHS VI. 1193 gerettet. Im Krieg mit den Bischöfen von Regensburg um die Rechte in der Stadt konnte er die Lösung des Hochstiftes und der Stadt vom Herzogtum nicht verhindern, dafür aber wichtige bischöfliche Lehen erhalten. Auch im Konflikt mit Erzbischof Eberhard II. 1218/19 musste er die Ausbildung des Erzstiftes Salzburg anerkennen, konnte aber das Peilsteiner Erbe Reichenhall behaupten. Obwohl seit 1198 auf staufischer Seite, erkannte er 1208 OTTO IV. an, was ihm die Bestätigung der Erblichkeit des Herzogtums Bayern sowie die Reichslehen des Mörders König PHILIPPS VON SCHWABEN, des Pfalzgrafen Otto VIII., sowie des (angeblich gleichfalls an der Mordtat beteiligten) ANDECHSER Heinrich von Istrien eintrug. Die Verlobung seines Sohnes Otto mit Agnes, Tochter des welfischen Pfalzgrafen Heinrich des Langen und die Anerkennung König FRIEDRICHS II. im Jahre 1212 brachte 1214 die Belehnung mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein. Durch dieses Amt stärker an der Reichspolitik beteiligt, leitete er 1221 den Kreuzzug nach Kairo; 1226 wurde er Reichsgubernator und Vormund König HEINRICHS (VII.). Dessen Verbindung mit den 1227 rehabilitierten ANDECHSERN ließ das Verhältnis zu den STAUFERN abkühlen, doch wurde 1229/30 der Frieden wiederhergestellt. Otto II. (1231-1253) kam in seinem Krieg mit HEINRICH (VII.) und den bayerischen Bischöfen in schwere Bedrängnis, aus der ihn erst der Anschluss an Kaiser FRIEDRICH II. befreite. Doch als 1238 Otto II. Hoffnungen auf die Länder des geächteten Herzogs Friedrich II. von Österreich enttäuscht wurden, konnte ihn der päpstliche Legat Albert Behaim, der ihn gegen die Bischöfe unterstützte, vorübergehend für den Kampf gegen FRIEDRICH II. gewinnen. Die wachsende Isolierung führte den Herzog 1241 an die staufische Seite zurück. Die Verbindung wurde durch die Vermählung König KONRADS IV. mit Elisabeth, Tochter Ottos II., noch enger geknüpft, womit sich dieser die Exkommunikation zuzog. Die Erwerbung Österreichs gelang auch 1246 nicht, doch konnte der Herzog 1242 die Grafen von Bogen, 1248 die ANDECHSER und die älteren ORTENBURGER beerben und Konrad, den letzten Grafen Wasserburg, vertreiben.



2.) Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts dürften sich die germanischen Neusiedler zwischen Donau und Zentralalpen zum Stamme der Bayern zusammengeschlossen haben. Der Eisack folgten sie zunächst bis ins Brixener Becken. Später gelang es ihnen, die langobardischen Nachbarn über Bozen hinaus hinter die Salurner Klausen zurückzudrängen. Im Passeiertale rückten bayerische Höfe nahe an den Vintschgau heran. Währenddessen mischten sich unter awarischer Herrschaft im Donautale bis in den Linzer Raum aufwärts Slawen mit der germanischen Bevölkerung. In den Ostalpen erreichten ihre Spitzen von der Mur aus über den Tauernpass hinweg die Oberläufe der Enns, Traun und Salzach. Östlich von Bruneck blieb das Pustertal eine menschenleere Siedlungszone gegen die Karantanen, bis sich deren Fürst 772 Bayern unterordnete. Die Zerschlagung des Awarenreiches durch
KARL DEN GROSSEN führte 788/805 zur Annexion des Donaulaufs bis zum Wienerwald und Oberpannonien östlich der Alpen. Seitdem blühte der Handel mit den slawischen Nachbarn. Bayern lieferte Salz, Luxusgüter, Metallwaren und Waffen. Eingeführt wurden Pferde, Sklaven, Wachs und Honig. Zum bedeutendsten Marktort des Landes entwickelte sich Regensburg, das im Schutze der römischen Ummauerung seine Bedeutung wohl nie ganz verloren hatte. Im Fernhandel tätige Juden unterhielten von hier aus wirtschaftliche Beziehungen zu Italien und zum Rheinland. Den Verkehr auf der Donau überwachten Zollstellen in Lorch, Linz, Raffelstedten, Ybbs und Mautern.
Während des 9. Jahrhunderts entwickelte sich Bayern, dessen rechtliche Besonderheit die Franken ungeschmälert bestehen ließen, zu einem selbstbewussten Teilreich, doch ging ihm durch die Landnahme der Magyaren das Vorfeld östlich der Alpen verloren. Im Donautale musste die Grenze 907 hinter die Enns in den Traungau zurückgenommen werden. Die militärisch bedrohliche Lage stärkte indessen die innere Geschlossenheit des Stammes. Freiwillig ordneten sich weltliche und geistliche Herren dem zum Reichsadel gehörenden LIUTPOLDINGER Arnulf (907-937) als ihrem Herzog unter. Sie überließen ihm das karolingische Krongut, das Recht der Bischofserhebung und den Vorsitz auf geistlichen Synoden. Er hielt am Protektorat über Böhmen fest, erwarb Vintschgau und Engadin. Nur die Annahme des Königstitels konnte ihm HEINRICH I. verwehren, und auch sein kühner Griff nach der lombardischen Krone misslang.
Erst OTTO DER GROSSE konnte nach Arnulfs Tode Bayern fest ins Reich einbinden. Domänen und Ödländereien unterstellte er der Aufsicht eines Pfalzgrafen. Auch den Schutz der Kirche und ihrer Güter nahm er wieder für den Herrscher in Anspruch. Dem neuen Amts-Herzog, Arnulfs Bruder Berthold (938-947), verblieben Heerbannführung, Vorsitz auf Landtagen, schiedsrichterliche Gewalt über Adel und Klerus zur Wahrung des Landfriedens, Kammergut, Salinen, Vogteien, ererbte Grafschaften und die gewaltigen Allodien seines Hauses. Um Bayern aber der sächsischen Dynastie noch enger zu verbinden, erhob der König seinen Bruder Heinrich, den Gemahl einer LIUTPOLDINGERIN, zum Herzog (947-955). Mit Verona, Trient und Istrien überließ er ihm 952 sogar den Zugang zur Poebene und die Häfen der nördlichen Adria. Die Grenze an der Donau wurde nach der siegreichen Lechfeldschlacht 955 abermals bis an Kamp und Traisen vorverlegt. Dieser beachtliche Zuwachs an Macht erlaubte es Herzog Heinrich dem Zänker (955-976, 985-995) beim Thronwechsel der Jahre 973 und 983, nochmals den Anspruch seines Stammes auf die Krone nachdrücklich, wenn auch vergeblich geltend zu machen. Sein Scheitern hatte zur Folge, dass Kärnten mit den Marken südlich der Alpen als selbständiges Herzogtum angetrennt wurde.
Eng verwandt mit den ARIBONEN waren die gräflichen Stifter von Kloster Sonnenburg im Pustertal und St. Georgen im Lurngau (um 1010). Dieser das Eisacktal beherrschenden Familie entstammtem die Bischöfe Hartwig von Brixen (1022-1039) und Ulrich von Trient (1022-1055). Ihr stehen die Grafen von Suben nahe, die sich nach einer Burg am Unterlauf des Inn benannten, die aber auch im Alpenraume begütert waren. Verwandte von ihnen erwarben vom Lurngau aus Lehen in Friaul und beteiligten sich als Kolonisatoren um Görz an der Erschließung des Isonzotals. Aus der gleichen Wurzel stammen die genealogisch schwer fassbaren SIGEHARDINGER oder SIZZONEN im Isen- und Chiemgau, um Burghausen, im Gasteintale, östlich der Salzach, in Kärnten, um Melk und St. Pölten, auch im Nordgau. Man kennt sie als Stifter des Klosters Baumburg und Förderer von Michaelbeuren. Verschwägert waren ihnen die Grafen im Jaunetale, die Inhaber der Mark an der Drau. Zu ihnen gehörte Bischof Albwin (um 975-1006), der seinen Sitz nach Brixen verlegte und sich durch Gütererwerb eine beherrschende Stellung an den Passstraßen zwischen Kärnten und Friaul verschaffte. Als Grafen im Ries- und Sundergau erwarben sie durch Verschwägerung mit den Grafen von Öhringen auch schwäbischen Besitz. Von ihnen stammen die HOHENSTAUFEN ab. Zum Sippenverband der ARIBONEN zählen ferner die den EBERSBERGERN nahestehenden Grafen von Rott in Isen-, Chiem-, Sunder- und Westgau, in Tirol und Ostmark.







Quellen
1.) Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1696
2.) Trillmich Werner


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