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Die Anfänge des Regensburger Antiquariums

Als der Historische Verein im Jahre 1858 nach mehrmaligem Ortswechsel in ein geräumiges Lokal im Thon-Dittmer-Haus umzog, erhielt er mit der Sigismund-Kapelle auch genügend Platz für die steinernen Denkmäler, die zuvor eher stiefmütterlich präsentiert worden waren. Der Vereinsvorstand schilderte diesen neuen Umstand. [1] "Nachdem deßhalb die bisher zum Theil in den Domkreuzgängen aufbewahrten Monumente des Antiquariums hieher gebracht worden, sind im vorderen Gewölbe die römischen Monumente, nämlich 20 inschriftliche Denkmale, 8 Steinbilder und 2 Sarkophage aufgestellt, und in dem zweiten Gewölbe befinden sich die mittelalterlichen Monumente ... ." Damit schloß ein bisher unbeachtetes Kapitel Regensburger Museumsgeschichte. Im folgenden soll versucht werden, anhand der Hinweise aus der Literatur und gedruckten Quellen die Entwicklung nachzuzeichnen, die das sog. "Antiquarium" in Regensburg genommen hat [2].

Die Entstehung des Antiquariums liegt fast zwei Generationen vor der Zusammenführung der beiden Sammlungen. Im Jahre 1808, nachdem der ehemalige St.Emmeramer Pater Bernhard Stark bereits aufsehenerregende Funde im sog. Neumillerischen Garten gemacht hatte, interessierte sich der damalige Herr über Stadt und Kloster, der Fürstprimas Carl v. Dalberg, für dessen Entdeckungen. Ein Zeitgenosse, der Historiker und ebenfalls Ex-Konventuale von St.Emmeram Roman Zirngibl, der einen regen Briefwechsel mit Lorenz von Westenrieder [3], einem Mitglied der Akademie der Wissenschaften, unterhielt, erwähnte am Rande auch den Arbeitsfortgang Starks. Danach grub dieser noch im Februar 1808 auf eigene Kosten und ohne weitere Unterstützung [4]. Dabei "vergeht kein Tag, wo er nicht entweder eine Urnam, oder Lampe, oder Thränengefäße, oder Waffen, oder Münzen ausbeutet" [5]. Am 13. Juli berichtete er: "Der Primas hat dem H.Stark die Kösten auf die Ausgrabung der römischen Urnen mit 200fl ersetzt, die Sammlung ihm mit 200 ,flabgekauft', und dieselbe dem Fürst Abt, ... , zur Aufbewahrung mitgeteilt" [6].

Fürstabt Steiglehner hatte sich bei Dalberg für den Altertumsforscher verwendet und um eine jährliche Entlohnung von 150 fl für ihn gebeten [7]. Steiglehner, der vielseitig interessiert war und selbst Sammlungen von Münzen, Gemmen, Gemälden und Antiqualien besaß, konnte dem geschlossenen Fundkomplex einen eigenen Raum in den Klostergebäuden zuweisen, das ehemalige Sommerrefektorium [8]. Starks Fund umfaßte "mehrere Urnen von besonderer Form und Größe, Ossuaria, und Cineraria, von denen diese die Aschen, jene die Gebeine der verbrannten Körper enthielten, Lampen, deren mehrere mit lateinischen Namen bezeichnet sind, nebst Töpfen, und Deckeln, in welchen die Lampen aufbewahret wurden, Thränengläser, oder Gefäße, Schalen aus feuerhaltiger Erde mit Verzierungen nach römischer Art, sammt den dazu gehörigen Bechern, einige Münzen, nebst anderen Merkwürdigkeiten ..." [9], etwa zwei Wachstäfelchen mit Schreibgriffeln. Wichtig für die Erforschung der römischen Epoche waren der Grabstein, den er am 9. Februar 1808 in Neumillers Garten heben konnte, sowie ein weiterer Soldatengrabstein, im Oktober 1808 außerhalb des Gartens ausgegraben, die beide von der III. Italischen Legion Zeugnis geben [10].

Das Wirken Bernhard Starks in Regensburg

Starks Funde legten den Grund zu einem Antiquarium in Regensburg, das für ein halbes Jahrhundert römische wie auch deutsche und jüdische "Alterthümer" beherbergen sollte.

Bis dahin hatte man Überreste der Römer in Regensburg eher zufällig gefunden und eher zufällig aufbewahrt, etwa indem man sie einmauerte. Von den neun römischen Steinen, die Aventin noch gesehen und beschrieben hatte, sind nur vier auf uns gekommen [11]. Wohl bei der Grundlegung des Jesuitenkollegiums, fertiggestellt 1592, jedenfalls aber vor 1594, kam ein weiterer Stein zum Vorschein. Wieder mauerte man ihn als Zeichen ein.

Während so die steinernen Überreste als Monumente meist öffentlich sichtbar blieben, bereicherten Kleinfunde nicht selten die privaten Sammlungen, etwa die des Senators Häberle [12]. Als weiterer Aufbewahrungsort von römischen Funden aller Art ist auch die Stadtbibliothek zu nennen, in der eine marmorne Tafel mit der Soldateninschrift zu Ehren des Kaisers Severus Alexander lagerte [13]. Sie war 1798 [14] im Bereich der heutigen Dr. Martin-Luther-Straße/Hemauerstraße aufgefunden worden.

Daß sich der Stark'sche Fundkomplex in St.Emmeram in der Folge zu einem Antiquarium erweitern würde, hat indes eher mit der politischen Konstellation zu tun. Bis 1810 und dem Ende der Ära Dalbergs diente das Sommerrefektorium wohl als beschaulicher Ort für die Studien Starks und das Interesse Steiglehners. Erst mit dem Übergang Regensburgs an Bayern und der buchhalterischen Inbesitznahme durch die kgl. Hofkommission änderten sich die Verhältnisse. Ebenso wie andere Regensburger Sachkundige, etwa Zimgibl oder Gemeiner, zur Mitarbeit gewonnen werden konnten, war man auch auf den Altertumsforscher Bernhard Stark aufmerksam geworden [15]. Mit ihm sollten sich diejenigen in Verbindung setzen, denen römische Steine und Inschriften auffielen [16]. Den angeforderten Bericht über die Altertümer in Regensburg legte er am 1 September 1810 der kgl. provisorischen Landesdirektion vor, die diesen an die kgl. Hofkommission weiterreichte. Am 22. April 1811 erhielt er, noch von der Hofkommission [17], den Auftrag, die "in Regensburg und außerhalb der Stadt noch übrigen Monumente in St.Emmeram zu sammeln" [18].

Stark berichtete über seine Unternehmung am 4. Juli an das Generalkommissariat des Regenkreises, das mittlerweile die Hofkommission abgelöst hatte [19]. Danach umfaßte die Sammlung 14 Grabsteine, davon sechs unbeschädigte. Zum bisher einzigen Zeugnis der III. Italischen Legion habe er drei weitere Belege geborgen, zwei auf dem Bustum und eines von der Mauer hinter dem Klarissenkloster. Außerdem seien im Antiken-Kabinett unter seiner Leitung:

"1. ein Denkmal, dessen Inschrift sich auf die Wiederherstellung des Tempels des Merkur bezieht; 2. ein zweites Denkmal mit 3 Brustbildern wurde von der Kirche zu Hohengebraching abgenommen, von dessen Aufschrift nur noch einige Silben übrig sind; 3. ein Bruchstück von einem Altar des Aeskulap, an dessen Seite eine kleine römische Figur ein gehauen und an dem ein Stab noch erkennbar ist, um den sich eine Schlange windet; es wurde im Frühjahr 1811 auf einem Feld unweit des Bustum ausgegraben; 4. an einem 4. Monument sind mehrere Figuren ausgehauen; es soll nach Parizius [20], der die zu seiner Zeit hier bekannten Denkmäler beschrieben hat, die eheliche Treue vorstellen; 5. das Bild eines Römers, das Stark von einem durch Brand am 23. April 1809 zerstörten Monument abschrotten und zusammensetzen ließ; 6. ein Sarkophag, an dessen Seite eine Tafel mit Inschrift angebracht war, die aber früh wegkam" [21].

Die Rekonstruktion dieser kleinen, feinen Sammlung römischer Monumente wird erleichtert durch eine spätere wissenschaftliche Bearbeitung der römischen Inschriften durch Joseph von Hefner [22]. Abgesehen von den beiden bereits 1808 ausgegrabenen Grabsteinen sowie dem im Frühjahr 1811 aufgefundenen Bruchstück mit der Äskulapfigur [23], gehörten zur frühen Ausstattung des Antiquariums die folgenden Grabsteine und Denkmäler: [24]

An der Vorderfront des Gartenhauses, das Kaspar Graf von Sternberg 1804/5 in den Botanischen Garten hatte setzen lassen [25], waren fünf römische Steine eingemauert worden. Die früheren Fundorte des Grabsteins für Claudius Gemellus [26] bzw. des Fragmentes, das die Erben gestiftet hatten [27], sind nicht mehr bekannt. Zirngibl berichtet lediglich, Sternberg habe die Steine "von den unbedeckten Mauern der Stadt" [28] geborgen. Ebenfalls am Gartenhaus angebracht war die schon seit langem bekannte Weiheinschrift an Merkur, die vor 1594 bei Grundlegung des Jesuitenkollegiums entdeckt und außen am Bau eingemauert worden war [29]. Die beiden letzten Steine befanden im Keller des östlichen Turms am St.Peterstor, es handelte sich um die Grabinschrift, die Claudius Florinus gestiftet hatte [30], und einen dreiseitig reliefierten Kubus ohne Inschrift, von dem zunächst nur eine Seite sichtbar war. Erst die Herausnahme des Steinblocks machte die Abbildung einer Familie auf der Vorderseite und der Dienerschaft links und rechts vollends sichtbar [31]. Bernhard Stark hatte die Steine aus dem 1809 zerstörten Gebäude herausnehmen und am 29. April 1811, also wenige Tage nach der Auftragserteilung durch die kgl. Hofkommission, im Zuge der Konzentration der Altertümer, nach St.Emmeram bringen lassen.

Ebenfalls im Bereich des Peterstores war der Stein für Flavia Concessa [32] eingemauert gewesen. Das altarförmige Grabmal war laut Hefner "in einer Seitenwölbung desselben gefunden" worden [33].

Weitere Erwerbungen für das Antiquarium

Am 4. Mai 1811 gelangte der Grabstein für die Söhne des Vindelicius Surinus, der seit Jahrhunderten an der Alten Kapelle seinen Platz hatte, nach St.Emmeram [34]. Vermutlich gleichzeitig wurde auch das Grabdenkmal für Togius und seine Söhne [35] dorthin verbracht.

Am 7. Mai transportierte man den Stein für Julia Ursa und deren Angehörige [36], der schon seit Aventins Zeiten am nördlichsten Turm der Steinernen Brücke, dem sog. "Schwarzen Turm", eingemauert und nach dessen Abtragung 1810 im Baustadel gelagert war, nach St.Emmeram, eventuell gemeinsam mit dem Stein für Festinus [37], der ebenfalls vom nördlichsten Turm stammte.

Am 8. Mai 1811 übertrug Stark den Sarkophag der Flavia Florina, der bereits 1710 beim Gruftbau unter der Georgskapelle von St.Emmeram ausgegraben, dann als Wassertrog verwendet und später neben dem Denkmal Aventins eingemauert worden war, ebenfalls in das Sommerrefektorium [38]. Aus Hohengebraching, dem Sommersitz des Fürstabts von St.Emmeram, gelangte ein Stein mit drei Reliefbüsten und stark fragmentierter Inschrift in das Antikenkabinett [39].

Am 9. oder 11. Mai [40] öffnete Stark das Aurelia-Grab, das sich damals noch im Kreuzgang von St.Emmeram befand. Unter dem Deckel mit der römischen Inschrift [41] befand sich kein Sarkophag, wie erwartet, sondern ein weiterer, umgedrehter Deckel, in dessen Schale Gebeinreste lagen. Daneben erst fand man einen Sarkophag, der früher eine Inschriftplatte getragen haben muß und der
"mit Gebein von einem Weibsbild angefüllt war, wie es scheint" [42]. Der zweite Deckel trug lediglich die Buchstaben "D.M." [43].

Die Tatsache, daß das Aureliagrab geöffnet wurde, bedeutet jedoch nicht zwingend, daß die römischen Sarkophagteile in das Antiquarium übertragen wurden; es ist denkbar, daß sie am 29. Oktober 1812 mit anderen Monumenten aus dem Kreuzgang und der St.Kolomann-Kapelle in die Kirche St.Emmeram gelangte [44], als die Klostergebäude dem Fürsten von Thurn und Taxis abgetreten wurden mußten.

Ebenfalls im Mai 1811 kam der Grabstein des Julius Aelianus [45] nach St.Emmeram. Der Stein war erst 1809, nach der Zerstörung der alten Mauer des Klosters St.Klara, zutage gekommen.

Das Grabmal für Flavia Lepidina, der Silvina und der Sulpicia Secundina [46] soll bereits 1811 nach der Abtragung des 1809 zerstörten Turmes bei St.Klara nach St.Emmeram gelangt sein, während die Grabmäler für Julia Januaria und ihre Angehörigen [47] bzw. für den Veteranen Septimius Impetratus und zwei Verwandte [48] erst 1812 ebenfalls im Mauerwerk des Turms bei St.Klara, der vermutlich auf den Resten des ehemaligen Osttores errichtet war, sichtbar wurden und somit erst nach Abfassung des Stark'schen Berichtes in das Antikenkabinett bei St.Emmeram kamen.

Schicksal der Regensburger Sammlung

Das Jahr 1812 ist bei der Erforschung des Antiquariums insofern ein schwieriges Jahr, weil zu diesem Zeitpunkt das Fürstenhaus Thurn und Taxis die Klostergebäude übernommen hatte und die noch verbliebenen ehemaligen Klosterinsassen mit dem Fürstabt das Haus mit Hab und Gut verlassen mußten. Nach den Übereinkünften im März sollten die Gebäude "bis nächstens Georgi" geräumt sein [49].

Bereits im Vorjahr 1811 hatte das Generalkommissariat und Vorschläge für die Verbringung der Sammlungen vor der bevorstehenden Räumung entworfen. Das vormalige Refektorium im Dominikanergebäude und die Kirche des Deutschen Ordens, St.Ägid, waren für die Altertümer im Gespräch [50], letztere auch für Archiv und Handschriften [51]. Das Deutsche Haus am Ägidienplatz, zu dem die Kirche gehörte, erhielt am 11. September 1812 der ehemalige Fürstabt Steiglehner als Gegenwert für einige seiner Sammlungen zugesprochen [52], die Kirche durfte nicht für den öffentlichen Gottesdienst benutzt werden [53]. Zu diesem Zeitpunkt war Stark bereits als Konservator an das Kgl. Antiquarium nach München berufen worden; als Nachfolger für die Beaufsichtigung der Regensburger Antiken-Sammlung hatte er am 21. September 1811 seinen früheren Mitkonventualen Placidus Heinrich bestimmt [54], der auch für die mathematisch-physikalische Sammlung zuständig war.

Der Aufenthaltsort der Altertümer kann für einige Jahre nicht bestimmt werden, doch ist zumindest bekannt, daß 1816 ein Teil der Sammlung ausgegliedert und nach München geschafft wurde. Den Anlaß dafür gab die Auffindung eines neuen Begräbnisplatzes vor dem Ostentor. Nach einem Bericht des Generalkommissariats an das Ministerium des Innern entschied Minister Montgelas, übrigens auf Betreiben der Akademie der Wissenschaften, diese neuen Funde sowie "die in Regensburg befindlichen vorzüglichen Altertümer" in das Kgl. Antiquarium holen zu lassen, und zwar von Konservator Bernhard Stark [55].

Der Transport kam wohl am 8./9. Mai 1816 [56] zustande und betraf die beiden 1808 von Stark ausgegrabenen Steine, die Denkmäler für Togius, für Flavia Concessa bzw. für M. Aurelius Militaris und die Weiheinschrift für Merkur [57]. Die Regensburger Historiker urteilten über deren Transport in die bayerische Hauptstadt übrigens wenig begeistert. So monierte Gumpelzheimer:

"Zu bedauern ist es übrigens, daß auch diese Innschrift nicht an ihrer Stelle gelassen und sogar von hier weg nach München geführet worden, wo sie ... als eine zerbrochene Scherbe gewiß nicht mit der Sorgfalt auf die späte Nachkommenschaft gebracht werden wird, als wenn dieses unansehnliche Fragment in Regensburg der Commune belassen worden wäre. Diese und mehrere andere Entführungen der Art haben wir dem sonst so verdienstvollen Alterthumsforscher Herrn Pater Stark zuzuschreiben, dem die Localität nichts zu gelten schien" [58].

Das Antiquarium wurde im dritten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in den Domkreuzgang verlagert. Nach dem Ausscheiden der sechs Stücke aus dem Sammlungsverband ist nach der vorliegenden Lage der Literatur erst wieder sicher für das Jahr 1830 ein Zugang anzunehmen. Damals wurde "in einer Kiesgrube an der Hauptstraße zwischen Regensburg und St.Niklas" [59], an der Straubinger Straße, ein kleiner Grabstein für Clementianus, von seinem Bruder Macrinus gestiftet [60], entdeckt und in den Domkreuzgang gebracht. Zu einem unbekannten Zeitpunkt war ein zweimal benütztes Fragment [61] aufgefunden und ebenfalls in Domkreuzgang gegeben worden.

Auch die Marmorplatte mit den Namen der Praetorianischen Kohorte, die 1798 entdeckt worden war, hatte man dorthin verbracht, vermutlich bereits vor 1830/31 bzw. vor der Gründung des Historischen Vereins [62]. Seit seinem Bestehen gelangten neue Funde in dessen Lokal [63].

Der Domkreuzgang [64], vor allem der breitere Mittelgang (Mortuarium) der beiden aneinanderstoßenden Kreuzgänge, trat also in dieser Hinsicht die Nachfolge des Sommerrefektoriums in St.Emmeram an. Seine Funktion als Begräbnisstätte wie auch als Gedenkstätte für später transferierte Grabsteine aus dem Dom [65] ließ offenbar auch die Aufstellung anderer römischer und mittelalterlicher Grabsteine und Denkmäler passend erscheinen.

Ein Besucher des Domkreuzgangs, der Direktor der Berliner Gemäldegalerie Gustav F. Waagen [66] erlebte um 1840 die Sammlung so:

"Der Kreuzgang, welcher zu diesen Gebäuden [der Stephanskapelle, die Verf.] führt, mündet in einen schönen Raum in der gotischen Bauweise aus, ... Auf dem Boden dieses Raums sieht man viele Grabsteine mit sehr flach, aber an einigen gut gearbeiteten Figuren und Wappen. In einem der Kreuzgänge sind zwei große Sarkophage von antiker Form, mit den bekannten Masken von sehr roher Arbeit an den Ecken, sowie eine große nicht minder rohe Sphinx, als Denkmale, welche aus der Zeit unbehülflicher Nachahmung römischer Vorbilder während der Herrschaft der Agilolfinger herrühren mögen, höchst merkwürdig" [67].

Dieser Beurteilung römischer Grabmalsarchitektur entgegnete Schuegraf recht heftig [68]. Er selbst berichtete, "daß die beiden Mauerwände in der gedachten Vorhalle [der Stephanskapelle, die Verf.] ... auch mehrere erst in neuerer Zeit dahin versetzte römische Denkmäler überdecken" [69]. Schließlich solle man sich "in den nördlichen, mit einem Gatter abgesperrten Gang des rechten Quadrates wenden. ... Gleich zu Anfange sind auch hier wieder römische Altertümer, welche man zutiefst aus der Erde gegraben, als: Steinerne Sarkophage von verschiedener Größe und Gestalt, darunter jener mit der Sphinx, worüber Herr Direktor Waagen so unglücklich glossierte" [70]. Aus diesen Worten wird nun klar, daß sich das Antiquarium im Domkreuzgang nicht nur im gemeinsamen Mittelgang der beiden Kreuzgänge, sondern auch im rechten Gang, parallel zum sog. "Alten Dom", der Stephanskapelle, erstreckte.

Die Fülle des Materials erschwerte es offenbar, eine detaillierte Beschreibung anzufertigen, so daß sich etwa Andreas Niedermayer anders behalf: "Sie sind: 1) Römische, die aus verschiedenen Plätzen der Stadt hieher gebracht wurden. Man sieht tumbenartige Sarkophage; eine Sphinx (Greif?); einen Offizier auf einem Steine; eine römische Familie und Steine mit Inschriften verschiedener Art, die andernorts genaueste Beschreibung gefunden haben" [71].





Anmerkungen

[1]  Mayer, J., Rede zur feierlichen Eröffnung der neuen Lokalitäten im von Thon-Dittmer"schen Gebäude am 14. Oktober 1858, in: Verhandlungen des Historischen Vereins für die Oberpfalz und Regensburg (VO) 19, 1860, 305. [Zurück] 
[2]  Bei der Aufzählung des Bestandes wird nur auf die römischen Steine als Teil des Gesamtbestandes Bezug genommen. [Zurück] 
[3]  ADB 42, 1897, Nachdruck 1971,173-181. [Zurück] 
[4]  Kraus, A., Briefe P.Roman Zirngibls an Lorenz von Westenrieder 1, VO 103, 1963, 154. [Zurück] 
[5]  Kraus, 1, 156. [Zurück] 
[6]  Kraus 1, 159, s.a. Grill, Regis, Coelestin Steiglehner, letzter Fürstabt von St.Emmeram zu Regensburg. (Studien und Mitteilungen des Benediktinerordens, Ergänzungsheft 12) München 1937, 102. [Zurück] 
[7]  Grill, 64. [Zurück] 
[8]  Bosl, K., Aus den Anfängen moderner staatlicher Denkmals- und Kulturpflege in Bayern. Die Denkmäler Regensburgs. In: Aus Bayerns Frühzeit. Friedrich Wagner zum 75. Geburtstag. (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 62), München 1962, 14. [Zurück] 
[9]  Zirngibl, R., Erklärungen und Bemerkungen über einige in der Stadt Regensburg sich befindende Römische Steininschriften, in: Ders., Ueber Römische Alterthümer in Regensburg, über Nieder-, Obermünster und St.Paul, o.O., o.J., 10. Der Aufsatz, geschrieben ca. 1808, entspricht dem 1813 von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gedruckten Werk. [Zurück] 
[10]  Prähistorische Staatssammlung München (PSM) IV 763/764, Vollmer 379 und 381. [Zurück] 
[11]  Dietz, K.H., u.a. (Hgg.), Regensburg zur Römerzeit, Regensburg 1979, 14. [Zurück] 
[12]  Vgl. etwa die Lampe bei Hager, G., Mayer, J.A., Die vorgeschichtlichen, römischen und merovingischen Altertümer. (Kataloge des Bayerischen Nationalmuseums 4), München 1892, Nr.861. [Zurück] 
[13]  Museum der Stadt Regensburg (MSR), Lap.65, Vollmer 364, vgl. Dietz, 389. [Zurück] 
[14]  Gemeiner, C.T., Regensburgische Chronik 1, Regensburg 1800, Nachdruck München 1987, IX, berichtet, daß er "vor ungefähr zwei Jahren auf dem Weg nach Weinting ausgegraben worden" sei. [Zurück] 
[15]  Zirngibl berichtete Westenrieder am 24. Juli 1810, Stark habe den Auftrag erhalten, die römischen und altdeutschen Monumente zu untersuchen. Sein Anspruch, deshalb auch die Archive zu Rate zu ziehen, war bei Zirngibl und Gemeiner allerdings auf Mißtrauen gestoßen, Kraus, A., Briefe P.Roman Zirngibls an Lorenz von Westenrieder 2, VO 104, 1964, 45, 47. [Zurück] 
[16]  Bosl, 5. [Zurück] 
[17]  Am 26. April 1811 erging an den Hofkommissär v. Weichs die Abberufung; im Laufe des Mai übernahm das Generalkommissariat des Regenkreises die Amtsgeschäfte. [Zurück] 
[18]  Bosl, 17. [Zurück] 
[19]  Die folgende Aufzählung orientiert sich an Bosl, 17f, der offenbar ziemlich genau den Wortlaut Starks übernimmt. [Zurück] 
[20]  Vgl. Parizius, J.C., Allerneueste und bewährte Nachricht von ... Regensburg ... , Regensburg 1753, 226, der diesen Stein am Petersturm wahrgenommen und beschrieben hat, "es stehet nemlich ein Kind zwischen zweyen Eheleuten"; ebd. machte er auf einen ähnlichen Stein aufmerksam "bei St.Emmeram in der Mauer des schönen Gartens gegen Morgen am Fuhrweg". [Zurück] 
[21]  Bosl, 18. Das Antiquarium in St.Emmeram erhielt zu diesem Zeitpunkt auch mittelalterliche Denkmäler, die bislang im Baustadel in Stadtamhof aufbewahrt worden waren, ebd. Stark erwähnte in anderem Zusammenhang, es befänden sich noch 70 römische Münzen in seiner Sammlung, Bosl, 16. [Zurück] 
[22]  Hefner, J.v., Die römischen inschriftlichen Denkmäler Regensburgs, in: VO 13, 1849, 1-85. Die Abschriften und Vergleiche mit früheren Abdrucken besorgte übrigens J.R.Schuegraf aus Regensburg, s. Hefner VO 13, 3 und Walderdorff, H. G. v., Joseph Rudolph Schuegraf, der verdiente bayerische Geschichtsforscher. Ein Lebensbild. In: VO 27, 1871, 343. [Zurück] 
[23]  MSR Lap.49. [Zurück] 
[24]  Wo nicht anders vermerkt, stammen die Angaben aus Hefner, VO 13, der z.T. die Aufzeichnungen Starks benutzt hat, vgl. ebd. 5 und 19. In die Aufzählung wurden nur diejenigen Stücke aufgenommen, die dem Antiquarium sicher zugeordnet werden konnten. [Zurück] 
[25]  S. dazu Reidel, H., Emanule Joseph von Herigoyen, kgl. bayer. Oberbaukommissar 1746-1827. München - Zürich 1982, 70. 1806 hatte Dalberg das Gebäude angekauft, um es zum Sitz einer staatlichen naturwissenschaftlichen Akademie zu machen, s.ebd. [Zurück] 
[26]  MSR Lap.124. Vollmer 374. Hefner VO 13, 33, gibt zu diesem Stein an, er sei "nach dem am 23sten April 1809 durch die Beschießung der Stadt erfolgten Brande ... in den Antiken-Saal nach St.Emmeram gebracht" worden, meint dies jedoch wohl kausal. [Zurück] 
[27]  MSR Lap.79, Vollmer403. [Zurück] 
[28]  Zirngibl, 28. [Zurück] 
[29]  PSM IV 762, MSR Lap. 58, Vollmer 360. [Zurück] 
[30]  MSR Lap.78, Vollmer 398. [Zurück] 
[31]  MSR Lap.53. [Zurück] 
[32]  PSM IV, 765, Vollmer 382. [Zurück] 
[33]  Hefner, VO 13, Nr. 30. [Zurück] 
[34]  MSR Lap.26a, Vollmer414. [Zurück] 
[35]  PSM IV 767, Vollmer 412. [Zurück] 
[36]  PSM IV 766, Vollmer 391. [Zurück] 
[37]  MSR Lap.23, Vollmer 380. [Zurück] 
[38]  MSR Lap.75, Vollmer 383. [Zurück] 
[39]  MSR Lap.3, Vollmer 357. [Zurück] 
[40]  Nach Endres, J.A., Die Hochgräber in St.Emmeram zu Regensburg, in: Ders., Beiträge zur Kunst- und Kulturgeschichte des mittelalterlichen Regensburgs, Regensburg o.J., S.157. der nach den Diarien Zirngibls den 9. Mai zitierte; Hefner VO 13, Nr.2, spricht unter Berufung auf Starks Unterlagen vom 11.Mai 1811. Zirngibl, 22, fügt in der Anmerkung a) hinzu, daß Steiglehner bereits früher nachgraben lassen wollte, weil er vermutete, daß der Sarkophag darunter liegen müsse, jedoch "der Eintritt der neuen Verhältnisse des Stiftes vereitelte seinen Entschluß". [Zurück] 
[41]  MSR Lap.28, Vollmer 367. [Zurück] 
[42]  Endres, 157, nach Zirngibls Diarien. [Zurück] 
[43]  Wohl MSR Lap. 140, V.417, von dem es allerdings heißt, er sei 1811 im Alten Dom St.Stephan gefunden worden, s. Dahlem, J., Steinmetz, G., Führer durch die Sammlungen des historischen Vereins im Oberpfälzischen Kreismuseum zu St.Ulrich in Regensburg, in: VO 82, 1931, 243, bei Nr. 93. [Zurück] 
[44]  Endres, S.158. [Zurück] 
[45]  MSR Lap. 126, Vollmer 386. [Zurück] 
[46]  MSR Lap. 25, Vollmer 411. [Zurück] 
[47]  MSR Lap.89, Vollmer 396. [Zurück] 
[48]  MSR Lap.76, Vollmer 397. [Zurück] 
[49]  Grill, 111. [Zurück] 
[50]  Bosl, 32. [Zurück] 
[51]  Ebd. [Zurück] 
[52]  Grill 117. [Zurück] 
[53]  Ebd. Steiglehner widmete einen Teil seiner Kraft der Verzeichnung der dort neu wieder aufgestellten Grabsteine der Deutschordensritter, Grill, 127-129. Ob auch die römischen und mittelalterlichen Bestände des Antiquariums dort einen Platz gefunden haben, ist nicht ersichtlich. [Zurück] 
[54]  Bosl, 13. [Zurück] 
[55]  BosI, 20f. [Zurück] 
[56]  Hefner, Nr.31: 9. Mai, Nr.32: 8. Mai. Nr.33: 18. Mai (?), Nr.34: 8. Mai 1811. [Zurück] 
[57]  Die sechs Steine waren um 1867 aus dem Kgl. Antiquarium München an das Bayerische Nationalmuseum, und später an die Prähistorische Staatssammlung München abgegeben worden, PSM IV 762-767. Wohl zu diesem Zeitpunkt gelangten auch die Grabbeigaben der Stark'schen Ausgrabungen in das Kgl. Antiquarium München, vgl. Dietz, 18. [Zurück] 
[58]  Gumpelzheimer, C.G., Regensburgs Geschichte, Sagen und Merkwürdigkeiten, 4 Bde. Regensburg 1830-38, hier 1, S.15f. [Zurück] 
[59]  Hefner VO 13, 11. [Zurück] 
[60]  MSR Lap.130, Vollmer 404. [Zurück] 
[61]  L.21, V.408. Laut Hefner VO 13, lagerten 1849 noch zwei Fragmente, Nr.19 und 20, im Domkreuzgang, die jedoch von Vollmer nicht in die "Inscriptiones Bavariae Romanae" aufgenommen wurden. Nach freundlicher Auskunft Dr.Boos, Museum der Stadt Regensburg, finden sich diese nicht mehr vor. [Zurück] 
[62]  1849 befand sich dieses Fragment bereits in den Räumen des Historischen Vereins, Hefner VO 13, 3. [Zurück] 
[63]  Vgl. etwa die Auffindung eines steinernen Löwen im Ziegler'schen Garten an der Straße nach Kumpfmühl, nach der Zugangsliste, Verhandlungen des Historischen Vereins für den Regenkreis 2, 1833, 258, heute MSR Lap.22. [Zurück] 
[64]  S. dazu Strobel, R., Der Domkreuzgang mit seinen Kapellen und Anbauten, in: Der Regensburger Dom. Beiträge zu seiner Geschichte. (Beiträge zur Geschichte des Bistums Regensburg l0) München - Zürich 1976, 119-134, und Morsbach, P., Zur Bau- und Ausstattungsgeschichte des Regensburger Domkreuzgangs, in: Der Dom zu Regensburg. Ausgrabung - Restaurierung - Forschung. München - Zürich, 1989, 25-40. [Zurück] 
[65]  Etwa die Grabplatte des Bischofs Theoderich von Abensberg, die ursprünglich hinter dem Hochaltar im Dom lag, und wohl erst im 19. Jahrhundert verlagert wurde, vgl. Hubel, A., Mittelalterliche Plastik in Kreuzgang und Kapitelhaus des Regensburger Doms, in: Der Dom zu Regensburg. Ausgrabung - Restaurierung - Forschung. München - Zürich, 1989, 53-72, hier 55, unter Berufung auf Schuegraf, J. R., Geschichte des Domes von Regensburg und der dazu gehörigen Gebäude 1, VO 11, 1847, 132. [Zurück] 
[66]  ADB 40, 1896, Neudruck 1971, 410-414. [Zurück] 
[67]  Waagen, G. F., Kunstwerke und Künstler in Deutschland, 2 Bde., Leipzig 1843-1845, 93. [Zurück] 
[68]  S. Schuegraf 1, XVIII - XX. [Zurück] 
[69]  Schuegraf. J. R.. Geschichte des Domes von Regensburg und der dazu gehörigen Gebäude II, VO 12, 1848, 111. [Zurück] 
[70]  Schuegraf II, 112. [Zurück] 
[71]  Niedermayer. A., Künstler und Kunstwerke der Stadt Regensburg. Landshut 1857, 108. [Zurück] 



Dieser Aufsatz erschien im Katalog zur Ausstellung, auf den Seiten 96 bis 105.


Autor: Carolin Schmuck
Quelle:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/
roemer/texte/auf_schmuck.htm