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Unter dem Begriff Markomannenkriege werden die Auseinandersetzungen zwischen dem Römischen Reich und den germanischen und sarmatischen Stämmen hauptsächlich im Bereich der mittleren Donau (Mähren, Slowakei, Ungarn, Rumänien) zusammengefasst. Sie fanden unter der Herrschaft des Kaisers Mark Aurel von 166 bis zum Jahr 180 statt. In zeitgenössischen Quellen und der antiken Geschichtsschreibung werden die Kriege als "expeditio Germanica prima et secunda" bezeichnet.

Bei den Hauptgegnern Roms während der Kriege handelte es sich um die Markomannen, Quaden, Iazygen und Wandalen; daneben waren Langobarden, Bastarnen, Hermunduren, Narisker sowie weitere Stämme im Vorfeld und Hinterland des römischen Limes an der mittleren Donau in die Kämpfe verwickelt.

Auf dem Territorium des Römischen Reiches waren von den Kampfhandlungen vor allem die Donauprovinzen Raetia, Pannonia, Moesia und Dacia betroffen. Hauptquartiere der römischen Armeeführung befanden sich in Carnuntum, Vindobona und Sirmium.

Enthauptung gefangener Germanen durch Landsleute unter römischer Militäraufsicht während des Markomannenkrieges, Marc-Aurel-Säule, Rom.



Vorgeschichte

Unter der Herrschaft des Kaisers Antoninus Pius drängten die ersten germanischen Stämme an die Donaugrenze und baten um Aufnahme ins Römische Reich, was aber abgelehnt wurde. Antoninus Pius versuchte, auf friedlichem Wege der Lage Herr zu werden; so setzte er bei den Quaden einen romfreundlichen König ein (Münzprägungen "rex Quadis datus"). Die Unruhen setzten sich jedoch zu Beginn von Mark Aurels Herrschaft fort, so dass dieser sich gezwungen sah, militärisch zu handeln. Da dies aber erst nach Beendigung der Partherkriege stattfinden konnte, führten die Provinzstatthalter an der Donau Verhandlungen, die die Völker vorerst beruhigen und hinhalten sollten.


Erster Markomannenkrieg

Gegen Ende des Jahres 166 oder zu Beginn des folgenden Jahres kam es zu einem ersten Einfall von 6.000 Langobarden und Obiern nach Pannonien, der aber rasch abgewendet werden konnte. Die Eindringlinge unterlagen Hilfstruppenkontingenten, bestehend aus Kavallerie unter dem Befehl des M. Macrinius Avitus Catonius Vindex und einer Abteilung Infanterie unter dem Befehl des Candidus. Auch in Westdakien kam es zu Kämpfen mit Wandalen und Sarmaten, die die dortigen Goldbergwerke angriffen.
M. Iulius Bassus, der Statthalter von Pannonia Superior, führte im Jahre 167 Friedensverhandlungen mit Vertretern von 11 Stämmen unter der Vermittlung von Ballomar, dem König der Markomannen. Die ins Reich eingedrungenen Völker zogen wieder ab und verpflichteten sich zur Ruhe, die Markomannen sollten dafür garantieren. Eine dauerhafte Lösung wurde jedoch nicht erreicht, die unruhige Lage an der Grenze blieb bestehen.

Erst nach der Rückkehr der Truppen aus dem Osten konnte die römische Führung an eine militärische Offensive denken. Zum Auftakt des bevorstehenden Feldzuges hielt Kaiser Mark Aurel am 6. Januar des Jahres 168 eine Ansprache an die Prätorianer in Rom. Im Frühjahr des selben Jahres bezog er zusammen mit seinem Mitkaiser Lucius Verus ein Hauptquartier in Aquileia in Norditalien. Erste Maßnahmen waren die Einrichtung eines Verteidigungssystems aus befestigten Anlagen in Oberitalien und den Donauprovinzen ("praetentura Italiae et Alpium") und die Aushebung von neuen Legionen. Eine dieser Legionen, die Legio III Italica, wurde später in Raetien im Lager Castra Regina stationiert, woraus das heutige Regensburg entstand.

Die Pest, die die Armee aus dem Osten miteinschleppte, breitete sich schnell aus und führte zu einer dramatischen Verschlechterung der militärischen Lage auf römischer Seite. Im Frühjahr 169 entschlossen sich die Kaiser auf Anraten des Hofarztes Galen zur Rückkehr nach Rom; Lucius Verus starb aber auf der Reise, wahrscheinlich an einem Schlaganfall. Im Herbst des selben Jahres brach Mark Aurel von Rom zur Front auf. Begleitet wurde er unter anderem von Tib. Claudius Pompeianus, dem Schwiegersohn des Kaisers, der sein engster Berater während der Kriege werden sollte.

Eine im Jahre 170 stattfindende erste Offensive der römischen Armee auf germanisches Gebiet scheiterte, wobei 20.000 Römer im Kampf fielen. Infolgedessen kam es zu verheerenden Invasionen germanischer Stämme in die Donauprovinzen und nach Oberitalien. Aquileia wurde belagert und das benachbarte Opitergium völlig zerstört. Die Barbaren stießen sogar bis nach Griechenland vor und plünderten Eleusis.
Im Laufe des Jahres 171 wurden die Eindringlinge aus den Provinzen vertrieben, wobei sich der spätere Kaiser Pertinax auszeichnete. Gegen Ende des Jahres folgten umfangreiche diplomatische Verhandlungen in Carnuntum zur Vorbereitung des Feldzuges. Die Quaden verpflichteten sich zur Neutralität. Cornelius Clemens, der Statthalter in Dakien, verhandelte unterdessen mit den vandalischen Stämmen der Asdingen und Lakringen, die als Bundesgenossen der Römer gegen die Kostoboken zu Felde zogen. Die Kotiner, ein Volk mit stark keltischem Einschlag, erklärten sich bereit, unter der Führung des Tarutienus Paternus, des kaiserlichen Sekretärs für den lateinischen Schriftverkehr, gegen die Markomannen zu kämpfen, wurden jedoch kurze Zeit später wieder abtrünnig.

Im Jahre 172 ging die römische Armee zur Gegenoffensive jenseits des Limes über. Zunächst zog man gegen die Markomannen; es folgten Feldzüge gegen die Quaden, die vertragsbrüchig geworden waren und den Markomannen Hilfe geleistet hatten, schließlich gegen die Naristen und Jazygen. Besondere Ereignisse während dieser Feldzüge waren das so genannte "Regenwunder im Quadenland" und das "Blitzwunder", bei denen nach römischer Propaganda die Götter, veranlasst durch die Gebete des Kaisers, die römischen Truppen aus Gefahr erretteten. Die Christen führten diese Wunder auf die Gebete ihrer im Heer dienenden Glaubensgenossen zurück. Hier liegt der Ursprung der Legende um den heiligen Donatus.

Im Jahre 174 wurde der romfreundliche König Furtius von den Quaden vertrieben und durch seinen Konkurrenten Ariogaesus ersetzt. Mark Aurel verweigerte dessen Anerkennung und setzte ein Kopfgeld auf ihn aus. Eine Erneuerung des Friedensvertrages wurde trotz des Angebotes der Auslieferung von 50.000 Gefangenen abgelehnt. Ariogaesus geriet in Gefangenschaft und wurde nach Alexandria verbannt.
Der erste Markomannenkrieg endete im Jahre 175 nach einem Feldzug gegen die Iazygen mit einem Waffenstillstand. Sie lieferten 100.000 römische Gefangene aus und stellten ein Kontingent von 8.000 Reitern, von denen 5.500 nach Britannien abkommandiert wurden.

Wegen des Aufstandes des Avidius Cassius zog der Kaiser mit einem Großteil der Truppen in die östlichen Provinzen. An diesem Zug nahm auch ein von Markomannen, Quaden und Naristen gestelltes Truppenkontingent unter der Führung des Prokurators Valerius Maximianus teil. Nach ihrer Rückkehr feierten Mark Aurel und sein Sohn Commodus am 23. Dezember des Jahres 176 in Rom einen gemeinsamen Triumphzug („de Germanis“, „de Sarmatis“).


Zweiter Markomannenkrieg

Nach einer kurzen Ruhephase flammten im Jahre 177 die Kämpfe an der Donau erneut auf. Am 3. August des Jahres 178 brachen Mark Aurel und Commodus zum zweiten Markomannenkrieg auf („expeditio Germanica secunda“). Der Prätorianerpräfekt Tarutienus Paternus erhielt den Oberbefehl im Feld.

Ein besonderes Ereignis war eine Schlacht gegen die Quaden in der heutigen Slowakei, die einen ganzen Tag lang dauerte. Im Gebiet der Markomannen und Quaden wurden halbfeste Militärlager mit insgesamt 40.000 Mann angelegt. Im Winter 179/180 lagerte Valerius Maximianus mit Truppenkontingenten der Legio II Adiutrix bei Laugaricio (Trenčín). Am 17. März des Jahres 180 starb Kaiser Mark Aurel, vermutlich in Vindobona. Sein Sohn Commodus schloss mit den germanischen Stämmen Frieden und kehrte nach Rom zurück, wo er am 22. Oktober des selben Jahres einen Triumph feierte.


Ursachen

Eine Ursache der Kriege wird in den Bevölkerungsverschiebungen im Inneren Germaniens gesehen, die um die Mitte des 2. Jahrhunderts stattfanden. Vermutlich sind sie vor allem durch die erste Ausbreitung der Goten in Richtung Süden begründet. Klimaveränderungen in Mitteleuropa und dadurch verursachte wirtschaftliche Krisen werden hierfür verantwortlich gemacht. Diese Wanderungen führten zu einem verstärkten Druck auf die Grenzen des Römischen Reiches und zu Unruhen innerhalb der unmittelbar an das Reich angrenzenden Klientelstaaten, die einen wichtigen Bestandteil des römischen Grenzverteidigungssystems bildeten.

Aber auch Veränderungen innerhalb der germanischen Stämme können als Ursache der Kriege herangezogen werden. Die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Verhältnisse waren bei den Germanen zuvor durch eine Vielzahl von Clans geprägt, die nur locker miteinander verbunden waren und insgesamt nur eine geringe Macht besaßen. Durch den Handel mit römischen Gütern, aber auch durch politische Einflussnahme von Seiten des Römischen Reiches kam es innerhalb der germanischen Klientelstaaten zu einer ausgeprägten Strukturierung der Gesellschaft, die eine Festigung von dauerhaften Herrschaftsverhältnissen zur Folge hatte. Dies kam auch den Römern entgegen, die bestrebt waren, zum Schutz des Reiches jenseits des Limes innerhalb der Klientelstaaten über politisch verlässliche Partner zu verfügen. Es kam bei den Stämmen zur Bildung größerer Gefolgschaften, die die militärische Dispziplin und Waffentechnik der Römer übernahmen. Diese konnten aber auch von romfeindlichen oppositionellen Kräften innerhalb der Stämme für Aktionen gegen das Römische Reich genutzt werden. Die zur Reichsgrenze drängenden landsuchenden Germanen verschärften die Lage zusätzlich.


Bedeutung

Die Markomannenkriege waren ein Teil der militärischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Krisen, die unter der Regierung Kaiser Marc Aurels begannen und im 3. Jahrhundert zu einer tiefgreifenden Krise des Reiches führten. Auf militärischen Gebiet gehören dazu neben den Kriegen an der Nordgrenze auch die Kriege im Osten gegen die Parther, die sich im 3. Jahrhundert in den Kämpfen gegen die Sassaniden fortsetzten.

Innerhalb des Römischen Reiches kam es ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts zu religiös und ökonomisch motivierten Unruhen. Es verstärkten sich der Konflikt mit den außerhalb der Gesellschaft stehenden Gruppen, besonders den Christen, was sich unter Kaiser Mark Aurel in den ersten systematischen Christenverfolgungen äußerte, die sich im 3. Jahrhundert ebenfalls verstärkten. Auch begann zu dieser Zeit die lang andauernde wirtschaftliche Krise des Reiches.

In den Markomannenkriegen trat erstmals das bis zum Ende des Römischen Reiches virulente Problem auf, in welcher Form und im welchem Maße die außerhalb des Reiches lebenden Völker, vor allem die germanischen Stämme, an den wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und geistigen Errungenschaften der römischen Zivilisation teilhaben sollten. Die germanische Oberschicht profitierte von der Nachbarschaft zum Römischen Reich und glich sich an die Lebensverhältnisse an, wie sie in den römischen Provinzen herrschten. Gleichzeitig behielt sie ihre eigene kulturelle Eigenart bei. Die römische Führung war einerseits auf Einflussnahme bei den germanischen Stämmen bedacht, andererseits aber auch auf strikte territoriale Abgrenzung und Aufrechterhaltung der Reichsgrenzen. Die Markomannenkriege bedeuten in diesem Zusammenhang nach einer langen Phase des friedlichen Ausgleichs eine Hinwendung zu einer gewaltsamen Lösung dieses Konfliktes, die von beiden Seiten ausging.
Trotz einer Periode der Ruhe an der Donaugrenze, die einige Jahre anhielt, gelang eine dauerhafte Befriedung nicht. Ab dem 3. Jahrhundert unternahmen Germanen immer wieder Beutezüge ins Römische Reich, und die Klientelvölker jenseits der Grenze versuchten, die Vormundschaft Roms zu lockern oder gänzlich abzuschütteln. Gleichzeitig war es den Römern nicht mehr möglich, das Reich territorial zu erweitern und damit die Lage in den Griff zu bekommen. Letztlich mündete diese Entwicklung in die Völkerwanderung.


Probleme der Forschung

Die genaue Datierung sowie die zeitliche Abfolge der einzelnen Kriegsgeschehnisse sind im einzelnen unklar, was auf die dürftige Quellenlage zurückzuführen ist (s. Quellen). Des Weiteren sind die letztlichen Kriegsziele der Römer umstritten: Die Frage, ob Kaiser Mark Aurel eine dauerhafte Eroberung des Gebietes und die Einrichtung zweier neuer Provinzen ("Marcomannia", "Sarmatia") plante, lässt sich nicht sicher beantworten.


Quellen

Neben den Inschriftenquellen und den Schriften antiker Historiker (vor allem Cassius Dio und die - allerdings umstrittene - Historia Augusta) sind archäologische Reste in Deutschland, Österreich, Tschechien, der Slowakei und Ungarn vor allem in Form von Militärlagern und Zerstörungsschichten in militärischen und zivilen Anlagen nachweisbar.

Bei Iža in der Slowakei fand sich im Vorfeld des antiken Brigetio ein Holz-Erde-Lager, das nach den jüngsten Münzfunden im Jahre 179 zerstört wurde, also kurz vor dem Ende der Kriege. Bei Mušov in Mähren fand sich eine weit ausgedehnter militärischer Stützpunkt mit den Resten eines römischen Badegebäudes und mehreren Militärlagern.

Eine wichtige Quelle ist auch die Mark-Aurel-Säule auf dem Marsfeld in Rom, die nach dem Tod des Kaisers zu seinen Ehren errichtet wurde und auf der die Feldzugsereignisse dargestellt sind. Die genaue Chronologie der Darstellung ist umstritten, jedoch handelt es sich nach der gängigsten These um Szenen aus dem ersten Markomannenkrieg, in der unteren Hälfte die Feldzüge gegen die Markomannen und Quaden in den Jahren 172 und 173, in der oberen Hälfte die Erfolge des Kaisers über die Sarmaten in den Jahren 174 und 175. Die Erzählung beginnt mit dem Übergang der Armee über die Donau. Weitere zu identifizierende historische Ereignisse sind das "Regenwunder" und das "Blitzwunder".


Autor: Wikepedia
Quelle: » http://de.wikipedia.org/wiki/Markomannenkriege