StartseiteDigitale WeltenRegensburgGermanenWeltgeschichteGrenzwissenschaftDas MittelalterSuche IndexAnfänge DeutschlandsGermanische MythologieGeschichte der SeefahrtInhalteSonstigesImpressumGästebuch

Regensburg:

Übersicht

Stadtgeschichte

Stadt mit vielen Namen

Berühmte Regensburger

Die Römer in Regensburg

Regensburg und die frühe Bayerische Geschichte

Herzöge, Könige, Kaiser in Regensburg

Die Jüdische Gemeinde in Regensburg

Klöster in Regensburg

Alte Kirchen in Regensburg

Bistum Regensburg

Immerwährender Reichstag

Historische Personen in Regensburg

Historische Ereignisse in Regensburg

Bauwerke, Plätze und sonstiges Berühmtes

Mittelalterliche Künste in Regensburg

Reinis Bücher zur Geschichte Regensburgs

Vorlage Regensburg

Die Römer in Regensburg:

Die römische Epoche in Regensburg

Mark Aurel

Legio II Italica

Legio III Italica

Markomannen

Markomannenkriege

Die Provinz Raetia

Auxiliarkastell Kumpfmühl

Legionslager und Zivilsiedlung

Eine Römische Legion im Detail

Castra Regina und seine Geschichte

Porta Praetoria

Arnulfgraben

Spätmittelalter

Wenn Steine reden könnten

Das große Gräberfeld

Die Südostecke der Lagermauer

Grabungen seit den 60er Jahren

Das Westmauer-Problem

Römische Grabungsfunde im Antiquarium

Archäologie unter dem Niedermünster

Allgemein:

Startseite



Das 19. Jahrhundert gilt gemeinhin als das Zeitalter der Industrialisierung und des Fortschritts. Die Vergangenheit, zumal wenn sie soweit zurückliegt wie die römische, scheint in diesem Denken wenig Platz zu finden. Dennoch entwickelte sich gerade in diesen Jahren ein wachsendes Interesse an Geschichte und deren Überresten, und es begann eine staatlich geförderte und gelenkte Bodendenkmalpflege.

Doch diese beiden Punkte scheinen sich nur beinahe zu widersprechen, oft ermöglichten erst umfangreiche industrielle oder auch verkehrstechnische Bauvorhaben die Aufdeckung und Untersuchung vieler archäologischer Funde. Grabungen, die allein aus Forschungsgründen unternommen wurden, waren schon damals eher selten.
Auch Regensburg bildete dabei keine Ausnahme. Obwohl hier die Industrialisierung nur recht langsam voranschritt, kamen dennoch bei etlichen Bauprojekten wertvolle römische Überreste ans Tageslicht. Ein Beispiel für eine solche "Förderung" von Bodendenkmalpflege ist der Auf- und Ausbau des Eisenbahnnetzes, in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das wohl größte Bauprojekt im Regensburger Umland.

Lange hatte man um einen Bahnanschluß kämpfen müssen. Schon 1819 wurden erste Pläne für eine Schienenverbindung von Main und Donau veröffentlicht. Mitte der 30er Jahre bildete sich in Regensburg ein Komitee mit dem Ziel einer Bahnlinie nach Nürnberg.
Doch erst 1859 wurde die erste von Regensburg ausgehende Strecke in Richtung Amberg-Nürnberg fertiggestellt. Mit der Bahnanlage sprengte Regensburg ab 1859 erstmals seinen mittelalterlichen Umriß. Das damals noch freie Gelände zwischen Bahnhof und Stadt wurde recht schnell bebaut.

Stadtplan Regensburg 1839 mit Ergänzungen durch Dahlem

In den nächsten Jahren wurden die Bahnverbindungen dann immer mehr ausgebaut. Bei einer dieser Erweiterungen, der sogenannten Donautalbahn nach Ingolstadt, wurde dann bei den nötigen Erdarbeiten zwischen der Stadt und Kumpfmühl das Areal des zentralen Bestattungsplatzes des römischen Regensburg (Großes Gräberfeld) angegraben und durch Pfarrer Joseph Dahlem im Auftrag des Historischen Vereins wissenschaftlich untersucht. Er legte seine Erkenntnisse in einem ausführlichen Fundprotokoll nieder und verfertigte auch einen Gräberplan

Gräberplan Dahlems, abgedruckt in: Das mittelalterlich-römische Lapidarium und die vorgeschichtlich-römische Sammlung zu St. Ulrich in Regensburg, Regensburg 1881, hier Druckvorlage MuR.

Plan eines Teils des großen Gräberfeldes an der römischen Fernstraße von Augsburg nach Regensburg, basierend auf den Plänen von Jospeh Dahlem. Abbildung aus: Regensburg zur Römerzeit (1979), S. 363.



DIE AUFDECKUNG DES GROSSEN GRÄBERFELDES

Hinweise auf eine Nekropole entlang der Via Augustana, der alten Römerstraße nach Augsburg, gab es schon seit langem. Bereits im 18. Jahrhundert wurde dort durch den Stadtsyndikus Plato-Wild systematisch nach Funden gesucht. Und in den Jahren 1807/1808 deckte der Benediktinerpater Bernhard Stark bei seinen Grabungen im Neumillerschen Garten mehr als 300 Gräber auf. Man konnte also davon ausgehen, daß bei den Planierungsarbeiten auf diesem Gebiet relativ reichhaltige Funde gemacht würden.

Der Vorstand des Historischen Vereins, Hugo Graf von Walderdorff, erwirkte daher bei den zuständigen Behörden in München die Erlaubnis zur Beobachtung des Bahnbaus und zum Anlegen einer Sammlung. Etwa um die gleiche Zeit, von 1870-1873, führte auch die private Ostbahngesellschaft Bauarbeiten im römischen Friedhofsgebiet durch, um die Linie Regensburg-Neumarkt-Nürnberg zu erstellen. Auch hier sollte der Historische Verein eigentlich die Bergung der dabei anfallenden Funde überwachen dürfen. Die Erlaubnis wurde jedoch wieder entzogen, da die Ostbahn plante, selbst eine Sammlung für das Direktionalgebäude anzulegen (das "Sponsoring" von Geschichtsforschung hatte eben schon damals Prestigewert). Die Sammlung erreichte aber nur einen sehr bescheidenen Umfang und ging schließlich ganz verloren. Für Joseph Dahlem, der vom Historischen Verein mit der Untersuchung beauftragt worden war, bedeutete das jedenfalls, daß der südliche Bereich des Gräberfeldes ihm fast gänzlich verschlossen war. Auch im weiteren Verlauf der Grabungen hatte er immer wieder mit Schwierigkeiten zu kämpfen.

Der Friedhof, den Dahlem untersucht hatte, stellte sich nun vereinfacht ungefähr so dar: er lag, wie bereits erwähnt, zu beiden Seiten der römischen Via Augustana und hatte eine Länge von zirka 140 Meter. Direkt an der Straße begannen die Beerdigungsstätten, die hier zumeist Brandgräber und ungeordnet zueinander angelegt waren. In einer Tiefe von etwa 40-70 cm lag meist eine Urne, um die sich eine Schicht mit Asche und Scherbenresten befand. In der Urne selbst wurden oft Beigaben wie Bronze- und Eisenschmuck, Lampen, Kämme, usw., einfach alle möglichen römischen Gebrauchsgegenstände gefunden. Vereinzelt befanden sich zwischen den Brand- auch einige Skelettgräber aus der gleichen Zeit. Dieser Teil des Gräberfeldes dürfte etwa von Ende des 2. bis Ende des 3. Jahrhunderts benutzt worden sein. Weiter westlich gelegen befindet sich ein Friedhofsabschnitt, der von Dahlem als konstantinisch bezeichnet wurde.

Es ist festzuhalten, daß das großflächig untersuchte Gebiet weder ganz ausgegraben wurde - so blieben tieferliegende Gräber unberücksichtigt - noch Dahlem alle entdeckten Bestattungen in sein Protokoll aufnahm. Die Gesamtzahl der Bestattungen des Gräberfeldes dürfte bei wenigstens 3000 Brandgräbern und 2000 Körpergräbern liegen, damit ist es einer der größten bekannten römischen Grabplätze an Rhein und Donau.
Nur einen Teil seiner umfangreichen Funde veröffentlichte Dahlem selbst 1881 in einem Führer durch das Museum St. Ulrich, dem er auch seinen Gräberplan beifügte. H. Lamprecht übernahm schließlich die Bearbeitung seiner Aufzeichnungen, aus denen er einen Fundbericht erstellte, der 1906 publizierte wurde; wissenschaftlich aufgearbeitet wurde der Befund erst 1971 durch Siegmar von Schnurbein.

Seite 80 aus dem Protokollbuch Dahlems, Nachlaß Dahlem, Museum der Stadt Regensburg


Autor: E. Roth
Quelle:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/
roemer/eingang/ein-main.htm