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Die Südseite des Legionslagers bildet in ihrem Ostteil bis ins 19. Jahrhundert die Trasse und bauliche Grundlage der Stadtmauer, während der Westteil bei der ersten Stadterweiterung im 10. Jahrhundert oder auch erst bei der zweiten im 13. Jahrhundert durch eine nur relativ knapp außerhalb liegende und fast parallel verlaufende neue Mauer ersetzt wird. Der Bereich unmittelbar nach der Rundung wird von Stroh ab 1955 ausgegraben und sehr gut dokumentiert, anschließend wird er erhalten und als archäologischer Park der Öffentlichkeit präsentiert. Während das erste, etwa 25 m lange Stück nach der Rundung im Freien liegt und deshalb starker Verwitterung und Vandalismus ausgesetzt ist, werden die folgenden 15 m bis zur Maximiliansstraße von den Bauten der 50er Jahre des 20. Jahrhunderts überbrückt und später auch mit einem Gitter abgesperrt, so dass insbesondere die Spuren der Steinbearbeitung und die Mörtel hier sehr gut konserviert sind. Bei der Anlage des Parks senkte man aber das Gelände vor der Mauer um etwa einen Meter zu tief ab, so dass die erhaltenen Teilstücke eindrucksvoller wirken als sie eigentlich erhalten sind. Über die ganze Länge kann man jeweils den oberen Fundamentbereich, den Sockel und die erste aufgehende Wandlage aus großen Sandsteinquadern erkennen; einzelne Steine wurden durch Kalksteinquader oder Bruchsteinmauerwerk später ersetzt. Darüber und teilweise auch schon in der ersten aufgehenden Wandlage befinden sich an der Außenseite römische Spolien vor allem aus Kalkstein und vereinzelt aus Sandstein, wogegen der Mauerkern einschließlich der Innenschale ein Bruchsteinmauerwerk von Kalk-, Sand- und Hornsandstein und kleineren Quaderstücken bildet. Bei den Spolien ist besonders eine Reihe von gleichartigen, knapp 90 cm hohen Kalksteinquadern mit einem 20 cm hohen vorkragenden, für die Nutzung an der Außenseite der Kastellmauer abgeschlagenen Profilband an der Ober- oder Unterkante interessant, die auch an anderen Stellen der Mauer auftreten und wohl einem größeren Baukomplex angehört haben. Während der untere Bereich trocken gesetzt ist, wird bei den Reparaturen und der späteren Bauphase Mörtel verwendet. Besonders im überbrückten Bereich ist die Außenschale mit den Spolien nur ein bis zwei Quaderreihen hoch, danach folgt eine Bruchsteinfassade mit vermutlich demselben Mörtel, in den die Quader gesetzt sind. Weitere Reste in ähnlicher Bauweise auf den Quadern im freiliegenden Bereich, die auf einzelnen Grabungsphotos noch zu sehen sind, werden bei der Restaurierung durch Quader ersetzt. Unter der Maximiliansstraße fehlt die Kastellmauer bereits, wie bei Kanalarbeiten für den Neubau Maximiliansstrasse 27 festgestellt wird, dagegen kann sie auf der anderen Straßenseite unter dem Hotel Maximilian bereits 1889 entdeckt und 1964 teilweise dokumentiert werden; dabei zeigt sich, dass noch Fundament und Sockel erhalten sind und die Nordmauer des Hotels etwa einen Meter nördlich davon verläuft. Im Nachbarhaus Fuchsengang 6 kann 1994 die Außenseite der Römermauer sorgfältig ausgegraben werden. Auch hier sind von der ersten Bauphase nur mehr Fundament, Sockel und vielleicht Teile der ersten aufgehenden Wandlage bewahrt, darauf folgen dann in der bekannten Art die Spolienquader.

Interessant ist der Stumpf eines nach außen vorspringenden hochmittelalterlichen Turms, der in das Mauerwerk beider Phasen der Kastellmauer eingreift. Im Marienstift mit der heutigen Adresse Fuchsengang 2c wird 1911 die Mauer freigelegt, auf der die Nordfassade des Hauses auflagert. Der damalige Befund ist nicht ganz klar, da Steinmetz in einer Publikation nur ein Fundament mit Bruchsteinen ohne Mörtel in einer Dicke von fast 3 m erwähnt, andererseits im Grabungsbericht von Sockelquadern mit Schräge schreibt und auch auf Photographien große Quader zu sehen sind. Im Haus Fuchsengang 2 liegt die Innenseite der Kastellmauer kurz vor dem Südtor in Teilen frei. Westlich der Porta Decumana werden beim Bau eines Schulhauses im Jahr 1902 vierzig große römische Quader angeblich in Wiederverwendung gefunden. In diesem Bereich des ehemaligen Mittelmünsters und späteren Jesuitenklosters muss auch die „Jesuitenmauer“ gestanden haben, deren große Quader Bernhard Stark um 1810 als römische Monumente deutet. Dieses Stück der Mauer ist vielleicht mit dem von Hartmann Schedel bereits 1493 erwähnten Mauerrest „hintter sant Pauls Kirchen“ identisch, von dem auch Resch 1830 allerdings dann schon in der Vergangenheitsform berichtet. Die nächsten Fundstellen der Mauer im Garten südlich des Obermünsters liegen fast 100 m vom Schulgebäude entfernt, zum letzten sicheren Standort der Mauer an der Ostseite der Porta Decumana sind es sogar 130 m. Beim Bau des neuen Diözesanarchives wird ein Suchschnitt bis zur Trasse der Mauer gezogen, wo dann aber nur noch das Fundament erfasst werden kann. Südlich des Obermünsters wird 1760 ein Stück der Römermauer abgerissen, wobei der Berichterstatter G. Plato-Wild Augenzeuge gewesen sein will. Weitere Grabungen zur Lokalisierung der Mauer in diesem Gebiet, das sich wegen fehlender Bebauung gut für solche Untersuchungen eignet, führt der Historische Verein 1897, 1899/1900, 1922 und 1929 durch. Dabei wird höchstens noch eine einzige, auf einer Bruchsteinbettung liegende Quaderlage mit einer Tiefe von angeblich bis zu 2.90 m entdeckt. Da diese Quader offensichtlich an der Außenseite eine Sockelschräge hatten, wäre hier - vielleicht wegen des ansteigenden Geländes - das Fundament viel schwächer ausgeführt als an den anderen bekannten Stellen. Angeblich wird auch unmittelbar innerhalb der Mauer ein Weg aus Steinsplittern, Kies und Lehm gefunden, der als via sagularis gedeutet wird; vermutlich handelt es aber nur um die im Erdwall verbackenen Gesteinsabschläge. Die Grabungen ziehen sich bis in den Bereich der Rundung, wo allerdings anscheinend nur noch aus dem Bauzusammenhang gerissene Quader aufgedeckt werden können.


Autor: Thomas Aumüller
Quelle:
Die Porta Praetoria und die Befestigung des Legionslagers in Regensburg


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