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Geschichte des römischen Regensburgs

Im Stadtgebiet von Regensburg finden sich vereinzelt vorgeschichtliche Reste nahezu aller Epochen seit der Altsteinzeit, die eine dauerhafte Nutzung dieser Gegend zeigen, ohne dass damit eine Kontinuität der Besiedlung herzuleiten wäre. In unserem Zusammenhang ist vielleicht eine Siedelstelle der Urnenfelderzeit (1250-750 v. Chr.) nahe der Niedermünsterkirche an der Ostseite des Legionslagers interessant. Auch aus der Folgezeit sind immer wieder einzelne Funde oder Siedlungsreste bekannt, die jedoch keineswegs ausreichen, ein in der früheren Forschung immer wieder postuliertes keltisches Oppidum nachzuweisen; die geringe Funddichte lässt dieses sogar mit großer Wahrscheinlichkeit ausschließen. Gegen Ende des 1. Jahrhunderts v. Chr. ist der Regensburger Raum jedenfalls nur sehr dünn bevölkert. Nach der Eroberung der Alpen im Jahr 15 v. Chr. unter Kaiser Augustus stoßen die römischen Truppen im südbayerischen Raum daher ohne deutlichen Widerstand bis zur Donau vor. In der Regierungszeit des Tiberius oder kurz danach wird das Gebiet als Provinz Raetien organisiert, Hauptstadt wird zunächst Cambodunum/Kempten, im 2. Jahrhundert dann Augusta Vindelicorum/Augsburg. Eine erste Kette von kleinen Kastellen entlang der Donaugrenze errichten die Römer in claudischer Zeit, wobei auch in der Regensburger Gegend ein Befestigungsbau zu vermuten ist, der sich aber nicht nachweisen lässt. In flavischer Zeit entstehen dann zwei etwas größere Kastelle: Kumpfmühl und das Donaukastell. Das erstere wird unter Vespasian (69-79), spätestens aber unter Titus auf dem Königsberg etwa 1.5 km südwestlich des späteren Legionslagers gegründet. Seine Größe beträgt 183 x 150 m, wobei die Umwehrung zunächst in Holz-Erde-Bauweise errichtet13 und dann wohl unter Antoninus Pius in (Bruch-) Stein erneuert wird. Das Kastell ist mit seiner Porta Praetoria nach Osten orientiert; hier und auch im Süden liegt der Vicus des Kastells.

Zerstört wird es dann in den Markomannenkriegen, nach der neuen Untersuchung eines 1989 gefundenen Schatzes wahrscheinlich bereits gegen 166. Später werden Kastell und Vicus für eine Wiederverwendung des Baumaterials mehr oder minder systematisch abgebrochen. Das Donaukastell, das schon seit einiger Zeit von Dietz und Fischer postuliert worden ist, kann jetzt endlich auch nachgewiesen werden15. Sein zugehöriger Vicus wird etwa zeitgleich mit Kumpfmühl angelegt und ebenfalls im Zuge der Markomannenkriege zerstört. Diese Kriege sind eine wichtige Episode in der römischen Geschichte, denn „erstmals sah sich Rom für mehrere Jahre auf breiter Front in der Defensive“18. Sie beginnen 162 mit ersten Angriffen der Chatten; die Lage wird so bedenklich, dass Marc Aurel um 165/166 zwei neue Legionen aufstellen lässt. Um 166/167 folgt eine Angriffswelle von Langobarden und Obiern, der anscheinend das Kastell in Kumpfmühl zum Opfer fällt, und die möglicherweise bis nach Italien führt; in der Folgezeit schwächt eine verheerende Seuche die römische Verteidigung an der Donau.

Marc Aurel verlegt sein Hauptquartier nach Aquileia, um näher am Brennpunkt der Kämpfe zu sein. Um 171/172 vertreibt der Ritter Publius Helvius Pertinax mit seinen Truppen Markomannen und Quaden aus Raetien und Noricum. Nach einem zwischenzeitlichen Friedensabkommen 175 dringen die Römer unter persönlicher Anwesenheit der Kaiser Marc Aurel und Commodus gegen Ende des Jahrzehnts weit in germanisches Gebiet ein, wobei Marc Aurel im Frühjahr 180 in Wien bei einem Wiederaufflammen der erwähnten Seuche stirbt. Commodus schließt darauf recht schnell, aber wohl durchaus sinnvoll Frieden mit den Markomannen und beendet so diese Kriege.

Die beiden neuen Legionen bezeichnet man nach ihrem Aushebungsgebiet im Norden Italiens 2. und 3. Italische Legion mit den Beinamen Pia und Concors. Diese neuen Truppen waren anfangs offenbar eine Art von mobiler Reserve in der Nähe des Kaisers in Aquileia. Ob die 3. Italische Legion, die dann schließlich nach Regensburg kam, in der Folgezeit ab 169 in der Nähe von Trient lagerte, wo inschriftliche Zeugnisse gefunden worden sind, oder näher an der Grenze im Norden, wie Dietz und Fischer aus militärischen Gründen vermuten, ist unbekannt. Die 2. Legion errichtet für sich um 170 ein Steinkastell in Loçica/Lotschitz im heutigen Slowenien, das aber wohl noch nicht fertig ist, als sie nach Albing (Österreich) an die Donaugrenze versetzt wird. Im Jahr 170 sind Teile der beiden Legionen zum Bau eines Teilstücks der Stadtmauer in Salona abkommandiert. Ob die dritte italische Legion in der Folgezeit während des Baus des Regensburger Lagers in Eining-Unterfeld ein größeres Lager für etwa die Hälfte ihrer Soldaten hat, ist umstritten. Ein weiterer möglicher Standort für Teile der Legion in dieser Zeit ist in Alkofen, zwischen Saal und Bad Abbach, nur wenige Kilometer von Regensburg entfernt. Ab etwa 175 ist die Lage so befriedet, dass an den Bau eines festen Quartiers zur Sicherung der Grenze der Provinz Raetien begonnen werden kann. Nach der bekannten Bauinschrift wird das Legionslager Regensburg in den ersten Monaten des Jahres 179 eingeweiht. Die Bedeutung einer Legion in der römischen Armee ist ziemlich groß, immerhin erhöhen die beiden Neugründungen die Gesamtzahl auch nur auf einunddreißig Legionen; die nächsten zur Gründungszeit sind die Schwesterlegion in Albing in einem Abstand von 200 km und diejenigen in Mainz, Straßburg und Carnuntum in einem von 300-400 km. Die Wahl für Regensburg als Standlager der Legion ist sicher mit der Lage an der als Transportweg wichtigen Donau und der Möglichkeit zur Sperrung des durch das Regental führenden Wegs aus Böhmen begründet. Eine offensive Aufgabe zur langfristigen Eroberung der jenseits der Donau liegenden Gebiete dürfte dagegen eher unwahrscheinlich sein. Im Lauf des 3. Jahrhunderts verschiebt sich die militärische Gefahr aber nach Westen (Alamannen und Juthungen), wodurch der Wert des Kastells sinkt.

Bereits in den ersten Jahren sind Teile der Regensburger Legion bei Baumaßnahmen an der Befestigung der Kastelle Böhming und Ellingen beschäftigt. Weitere Arbeiten dieser Art an den Kastellen von Künzing, Straubing und Passau sind anhand von Ziegelstempeln nachweisbar. Im Jahr 182 nimmt Commodus nach Erfolgen in den Kämpfen gegen die Buren den Titel „Germanicus Maximus“ an; dieses Ereignis ist für die Regensburger Legion so wichtig, dass die Bauinschriften über den Toren mit erheblichem Aufwand überarbeitet werden, um dem dort schon damals neben Marc Aurel aufgeführten Commodus diesen neuen Titel hinzufügen zu können. Das Legionslager wird in den folgenden beiden Jahrhunderten mehrmals erobert und in weiten Teilen verwüstet, worauf sowohl Münzhortfunde als auch Zerstörungshorizonte hindeuten; die Anzahl dieser kriegerischen Ereignisse, ihre genauen Datierungen und ihr jeweiliger Umfang sind aber noch unbestimmt. Immerhin lassen sich für das 3. Jahrhundert Zerstörungen in der Zeit um 240 und ein zweitesmal um 270/275 oder 278/288 sicher feststellen. Die Zivilsiedlung ist davon besonders betroffen und wird danach nur noch zum Teil wieder aufgebaut. Auch im Kastell lassen sich diese Zerstörungen mit eindrucksvollen Befunden belegen: von der ersten Zerstörung stammt der abgebrochene Säulenstumpf vom Frauenbergl, der in einer Brandschicht steckt und über den eine neue Säule gesetzt wurde, in der zweiten wird der Magazinbau an der Ostseite (die sogenannte „fabrica“) zerstört. In das Umfeld dieser kriegerischen Ereignisse dürfte auch der Umbau der südlichen Hälfte der Umwehrung zu datieren sein, als das Osttor bis ins Fundament erneuert wird und die Kurtinen mit Spolien und Bruchsteinen im oberen Teil neu errichtet werden. Im Zuge der Heeresreformen unter Diokletian und seinen Nachfolgern wird die Legion in kleinere Einheiten von etwa 1000 Soldaten aufgeteilt, wovon eine noch einige Zeit in Regensburg bleibt, bis auch sie verlegt wird. Aus dem rein militärisch genutzten Lager wird so eine Festungsstadt mit zahlreichen zivilen Bewohnern und einer Garnison. Ob in dieser Zeit - wie häufig vermutet - das Militär in der Nordostecke des Kastells konzentriert ist, lässt sich derzeit noch nicht klären. Weitere schwere Zerstörungen sind aus der Mitte des 4. Jahrhunderts überliefert, als die Juthungen gegen 358 in römisches Gebiet einfallen. Obwohl um 400 die verbliebenen Teile der Legion abrücken, scheint Regensburg dennoch weiter mit Truppen besetzt geblieben zu sein, deren Größe und Art aber unbekannt ist; einige Befunde deuten auf vor allem von Germanen gebildete, aber offiziell römische Truppen hin28. Das Ende der Römerherrschaft muss wegen des Fehlens von Zerstörungshorizonten dieser Spätzeit und der guten Erhaltung der Kastellmauern, die sich aus der Beschreibung Arbeos ableiten lassen, weitgehend friedlich abgelaufen sein. Nach einer Lücke von 100-200 Jahren taucht Regensburg dann wieder in der Geschichte auf und ist Residenz der Agilolfinger und mithin eine der wichtigsten Städte Süddeutschlands, wobei die Existenz der römischen Befestigung eine wichtige Rolle gespielt haben dürfte. Der Bischof siedelt den Dom nahe der Porta Praetoria an; inwieweit dabei das Tor selbst eine wichtige Rolle spielt, ob es zu seinem ersten Herrschersitz gehört oder seine Platzwahl beeinflußt, ist nicht mehr zu entscheiden, auch wenn gute Argumente für die Porta Praetoria als Ausgangspunkt und Symbol der bischöflichen Macht sprechen. Die Mauern des Legionslagers bilden bis ins 10. Jahrhundert die Begrenzung der Stadt, dann erweitert sich diese nach Westen und Norden, um 1300 auch nach Osten. Der südliche Teil der Ostseite und der östliche der Südseite bleiben aber bis ins 19. Jahrhundert die Grundlage der Stadtmauer und werden erst nach 1850 weitgehend abgetragen.


Autor: Thomas Aumüller
Quelle:
Die Porta Praetoria und die Befestigung des Legionslagers in Regensburg


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