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In den Jahren 1955 - 63 wurde am Ernst-Reuter-Platz die Südost-Ecke des römischen Legionslagers freigelegt und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Diese Aktion war ein harter Kampf und forderte sowohl der Deutschen Herold AG, die das Gelände bebauen wollte, als auch den damit befaßten Archäologen, Konservatoren sowie der Regensburger Stadtverwaltung viel Geduld und Fingerspitzengefühl ab.

ENTDECKUNG UND RETTUNG DER MAUER

Im Mai 1954 reichte die Deutsche Herold AG eine Bauvoranfrage für ein Bürogebäude ein, das am Ernst-Reuter-Platz errichtet werden sollte. Bereits zuvor hatte man vermutet, auf dem noch relativ unverbauten Gelände auf Bodendenkmäler zu stoßen, insbesondere auf die römische Lagermauer. Es bestand eine gewisse Wahrscheinlichkeit, die römische Schicht relativ unverletzt vorzufinden.

Die bauliche Situation an der Südostecke der Römermauer um 1915, Bleistiftzeichnung, StAR ZR 4328.

Nach einigen Verzögerungen einigte man sich im Sommer 1955 darauf, zunächst durch Grabungen den Mauerverlauf festzustellen. Während dieser von Oktober bis Dezember 1955 dauernden Untersuchung des Grundstücks wurden in 8 m Tiefe die römischen Schichten erreicht. Die Römermauer kam tatsächlich in einem hervorragenden Erhaltungszustand in einer Länge von 23 m bei einer aufgehenden Höhe von mehr als 4 m zum Vorschein. Auch die Reste der mittelalterlichen Stadtbefestigung mit Wehrturm wurden ergraben.

Bild der mittelalterlichen Wehranlage an der Süd-Ost-Ecke

Auch aufgrund von Streitigkeiten zwischen dem Deutschen Herold, der Stadt Regensburg und verschiedener Anlieger lagen die freigelegten Bodenfunde bis Juni 1958 ohne weiteren Schutz in der offenen Baugrube. Erst zu diesem Zeitpunkt konnte das Baulinienfeststellungsverfahren abgeschlossen werden. Auch die Grabungen wurden wieder aufgenommen und prompt konnten die Archäologen weitere 16 m Römermauer bis unmittelbar an die Maximilianstraße heran freilegen.

Nachdem durch einen Architektenwettbewerb ein für beide Seiten annehmbarer Plan entstanden war, stand der Vollendung des ersten Bauabschnitts des Versicherungsgebäudes nichts mehr im Wege. Die Stadt Regensburg und der Bauherr hatten sich dahingehend geeinigt, daß die römischen Überreste erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich bleiben sollten. Einen so krassen Fall von Denkmalzerstörung, wie man ihn beim Bau der Industrie- und Handelskammer 1952 hatte hinnehmen müssen, wollten die Verantwortlichen absolut vermeiden. Dort wurden ca. 30 m bestens erhaltener Römermauer einfach abgerissen. Die Steine fanden als Material zur Rollierung des Untergrundes Verwendung.

Die Römermauer während der Ausgrabung, Foto BLfD

Im Zuge eines zweiten Bauabschnitts mußte ein Parkplatz für die Mitarbeiter der Deutschen Herold AG angelegt werden. Die Zufahrt sollte gerade über jenen Teil des Geländes führen, auf dem die Römermauer stand. Dagegen wehrte sich die Stadt und forderte zudem vom Deutschen Herold finanzielle Mittel zur Konservierung der Mauer, was die Versichungs-AG aus nachvollziehbaren Gründen ablehnte.

Nachdem der Streit soweit eskaliert war, daß der Deutsche Herold sogar die Zuschüttung der Mauerreste veranlaßt hatte, regte sich massiver Protest in der Bevölkerung. Durch die Initiative verschiedener Privatpersonen konnten bis Mai 1962 ca. 22.000,-- DM für die Konservierung der Mauer gesammelt werden. Auch die Regierung der Oberpfalz hatte inzwischen reagiert und verfügt, daß die Versicherungsgesellschaft die Mauer wieder freilegen müsse. Ende Juni 1962 waren insgesamt ca. 75 m Römermauer gerettet.

Südostecke des römischen Legionslagers: Grabungsbefund 1962 Zeichung: R.Röhrl; Entwurf: G.Waldherr



KONSERVIERUNG UND INSTANDSETZUNG DER MAUER

Nun standen Stadtverwaltung und Landesamt für Denkmalpflege vor einem neuen Problem. Wie sollte man die Überreste erhalten und für die Öffentlichkeit zugänglich machen? Man entschied sich für die noch heute bestehende Lösung. Die Mauer wurde in eine kleine Grünanlage eingebettet. Dies war damals zwar die praktikabelste Lösung, nicht aber die optimale. Weitaus besser wäre es gewesen, die Anlage in Form eines kleinen Museums zu gestalten. Der Römerpavillon am Kornweg bietet dafür ein Beispiel. Denn die Römermauer ist unter freiem Himmel allen Witterungseinflüssen ungeschützt ausgesetzt, was eine aufwendig und v.a. ständige Pflege notwendig macht, wenn das Denkmal nicht schnell gänzlich verloren gehen soll. Damit sind natürlich immer große Kosten verbunden, die die Stadt scheinbar bis 1989 gescheut hat.

27 Jahre lang geschah in und an der Anlage nämlich überhaupt nichts mehr. Die Römermauer rottete vor sich hin. Auch die Tradition, die Ausgrabungen wie schon während der Freilegung als Müllkippe zu mißbrauchen, lebte schnell wieder auf. 1989 beschloß die Stadt endlich, wieder etwas für das seinerzeit so hart erkämpfte und nach der Porta Praetoria wohl wichtigste römische Denkmal Regensburgs zu tun. Daß dies bitter nötig war, mögen Zitate aus Zeitungsartikeln verdeutlichen. So stand z. B. in der "Woche" am 16.2.1989 zu lesen:

"Römermauer stiefmütterlich behandelt", "Römermauer als Schandfleck [...] Sie [die Stadt] hat an einem schlechten Beispiel demonstriert, wie man mit Dingen nicht umgeht, die sonst gerne als Touristenattraktion verkauft werden."

Die Stadt Regensburg stellte 50.000,-- DM für die Instandsetzung bereit. Man säuberte die Mauer von Bewuchs und befestigte mittlerweile lose gewordene Steine. An der mittelalterlichen Wehranlage wurde eine Treppe angebracht, so daß der Wehrturm nun begehbar ist. Schließlich richtete man noch einen Schauraum ein. Drei Schautafeln geben Auskunft über die Südost-Ecke des Lagers und über Castra Regina im allgemeinen. Für Interessierte ist die Besichtigung dieses Schauraumes im Zuge von Stadtführungen möglich.

Im Bereich der Südost-Ecke der Legionslagermauer hatte man also in zähem Ringen einen akzeptablen Kompromiß zwischen den Interessen der Denkmalpflege, der Stadtentwicklung und der Privatwirtschaft gefunden.


Autor: S. Fleischmann, K. Sperl
Quelle:
http://www.uni-regensburg.de/Fakultaeten/phil_Fak_III/Geschichte/Alte_G/
roemer/eingang/ein-main.htm