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Studien zur Baugeschichte des Regensburger Bürgerspitals

Die feierliche Grundsteinlegung für das „Gebäude am Spitalgraben“ fand am 27. März 1730 um zwei Uhr nachmittags in Beisein der Spitalräte und der beiden Spitalmeister statt. Der Scholaster Johann Siegmund von Pienzenau segnete den Grundstein mit den Reliquien und fügte eine Zinnplatte mit den Namenszügen der Beteiligten hinzu: acht Spitalräte, vier Offizianten und zwei Baumeister. Schließlich wurde der Grundstein mit einer Deckplatte verschlossen, auf der obiger Reim des Hausschreibers Sebastian Heinrich Gemeiner eingehauen war. Zum Abschluß ergriffen die für den Bau verantwortlichen Personen den bereitliegenden Hammer und führten sybmolhaft je drei Schläge zum Gelingen des Bauwerks aus. In der Reihenfolge ihres Amts und ihrer Würde vollzogen zunächst die geistlichen Spitalräte, dann die weltlichen Spitalräte und schließlich die Spitaloffizianten die symbolhafte Handlung. Anschließend reichte das Spital den Festgästen Wein, Weißbier und Semmeln. Eine derart ausführliche Beschreibung einer Grundsteinlegung bleibt im Katharinenspital die Ausnahme. Aus früheren Zeiten berichten Rechnungen und Pläne eher spröde von der Ausführung bzw. dem Abschluß einzelner Baumaßnahmen. Von vorrangigem Interesse für den Rechnungsführer waren stets die Material- und Lohnkosten. Das Bauobjekt selbst, dessen Standort, Funktion und Form, verlieren sich im Zahlengewirr der Rechnungsbände fast bis zur Unkenntlichkeit. Beim Vergleich der erhaltenen Bausubstanz mit historischen Ansichten und Schriftstücken bedarf es schier kriminalistischer Anstrengungen.

Historische Einleitung

Das St. Katharinenspital entstand um 1220 aus der Fusion des Domspitals mit dem Brückenspital und führte zunächst das Johannes-, seit 1238 das Katharinenpatrozinium. Gerade die zahlreichen Ablaßbriefe aus dem ersten Jahrhundert des Katharinenspitals lassen auf eine rege Bautätigkeit schließen, die Mitte des 14. Jahrhunderts zum erliegen kam. Entsprechend den damaligen Machtverhältnissen in Regensburg waren die Aufsichtsrechte über das Spital auf den bischöflichen Stadtherrn, das Domkapitel und die Bürger verteilt. Treibende Kraft für die Fusion und die finanzielle Erstausstattung des Spitalprojekts war Bischof Konrad IV., der den Spitalbau mit 7000 Pfund Pfennigen unterstützte, dem Spital im Jahre 1226 eine Verfassung gab und bis heute als Stifter des Spitals verehrt wird. Das Spitalprojekt war als Armenkrankenhaus konzipiert, beherbergte Pilger und Reisende und entwickelte sich zunehmend zu einer Pfründnereinrichtung. Das Siechenhaus wurde durch ein Pilger- und Gästehaus ergänzt.

Die Krankenhausfunktion endete um 1600 mit der Umwandlung der Infirmerie in eine evangelische Kirche, die sogenannte Scharkirche. Das im Jahre 1821 eingerichtete Armenkrankenhaus knüpfte nochmals für wenige Jahrzehnte an die ursprüngliche Funktion an und trat seine Räumlichkeiten 1859 an die neue Spitalschenke ab. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts übernimmt das Katharinenspital ausschließlich Aufgaben als Alten- und Pflegeheim. Das Katharinenspital wurde im Mittelalter von einer Spitalbruderschaft geleitet, die nach der Regel des hl. Augustinus lebte. Päpste und Kardinäle unterstützten das Spital mit Ablaßbriefen, und die Almosensammler des Spitals zogen bis nach Böhmen.
Die Finanzierung des Spitals erfolgte zunächst über Stiftungen und Spenden, später aus den Erträgnissen der erworbenen Liegenschaften und dem Verkauf der Pfründen. Nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs (1633) und der Napoleonischen Kriege (1809) wurde das Katharinenspital wieder aufgebaut. Der Westfälische Friede bestimmte das Katharinenspital zu einer paritätischen Wohlfahrtseinrichtung und forderte eine konfessionell ausgewogene Besetzung der Ämter und Pfründen. Dem Spitalrat gehörten seit jeher Mitglieder zweier Reichsstände an, die im 16. Jahrhundert auch konfessionell auseinandergingen: die protestantischen Ratsherren und Vertreter der Reichsstadt auf der einen Seite und die katholischen Domkanoniker und Vertreter des Bischofs auf der anderen Seite. Seit dem Ende der reichsstädtischen Zeit wurde die Parität allmählich zurückgenommen und 1891 aufgehoben. Heute finden im Spital Angehörige unterschiedlicher Konfessionen Aufnahme und Versorgung. Die Grenzen des Spitalareals blieben seit dem Mittelalter unverändert. Eine räumliche Erweiterung war nicht möglich, denn die Spitalgrenzen waren zugleich Landesgrenzen. Und außerhalb der Mauern des Spitals begann das Herzog- und spätere Kurfürstentum Bayern. Die einzige Verbindung zur Reichsstadt war die Steinerne Brücke. Doch der direkte Zugang zur Steinernen Brücke wurde 1430 durch den Ausbau des Brückenrondells erschwert und führte fortan über bayerisches Territorium. Der direkte Zugang zur Brücke war weiterhin möglich und führte unter Umgehung der bayerischen Grenzposten über das sogenannte Posttürl. Das vormals geschlossene Bauensemble Brücke und Spital war den Bürgern noch über Jahrhunderte durch die Katharinenkapelle und die „Schöne Pforte“ bewußt. Erst mit dem Abbruch von Kapelle und Pforte gingen die sichtbaren Zeugen und allmählich auch die historische Erinnerung verloren. Geblieben ist das Namensattribut – „in pede pontis“ – der mittelalterlichen Spitalanlage, das bis heute im Straßennamen „am Brückenfuß“ fortlebt.

Der Bau des Brückenrondells (1430) erforderte den Abbruch der brückennahen Gebäude und verlagerte deren Funktionen in das Spitalareal hinein. Weitere bauliche Verwerfungen brachten die Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges (1633) und die Brandkatastrophe der napoleonischen Zeit (1809). Eine Annäherung an die mittelalterliche Spitalanlage und deren Bausubstanz ist durch die Beschreibung des Spitalschreibers Ulrich Obser (1438) und eine detailgetreue Spitalansicht aus der Zeit kurz nach dem Dreißigjährigen Krieg (1656) möglich. Erstere gibt eine Vorstellung von den 1430 abgebrochenen Gebäuden, letztere liefert ein Bild der spätmittelalterlichen Spitalanlage vor der Beseitigung der Schäden des Dreißigjährigen Krieges. Die Akten, Pläne und Rechnungsbände vergangener Jahrhunderte ermöglichen schließlich eine räumliche, zeitliche und funktionale Präzisierung der einzelnen Gebäudekomplexe. Eine Rekonstruktion der Katharinenkirche, der Allerheiligenkapelle, des Spitalkastens oder des Pilgerhauses wäre ohne diese Quellen nicht möglich. Geschichte und Funktion der einzelnen Spitalgebäude werden im folgenden kurz vorgestellt.



1. Siechenhaus

Das Siechenhaus (domus infirmorum) des St. Katharinenspitals war der Funktion nach ein Krankenhaus mit einer Längserstreckung von 55 Metern und glich der Form nach einem zwei- oder dreischiffigen Kirchenraum. Der Westtrakt des Siechenhauses, die Schar, blieb im wesentlichen erhalten, während der Osttrakt 1430 abgebrochen wurde. Derartige Hospitalhallen haben sich mehrfach erhalten, wie in Lübeck, Rom, Brügge, Beaune, Tours oder Tonnerre. Die Infirmerie des Katharinen- und Bürgerspitals betrat man direkt von der Steinernen Brücke durch ein frühgotisches, dreifach gestuftes Rundbogenportal, dessen Lünette von einem Mittelpfeiler mit vorgestellter Pfeilerfigur gestützt wurde. Wegen der reichlichen, figuralen Ausschmückung wurde das Portal als „porta speciosa“ bzw. „Schöne Pforte“ bezeichnet. Die lebensgroße Figur des Bischofs und Spitalstifters Konrad IV. stand segnend am Eingang des Spitals; aus den beiden Bogenfeldern des Doppelportals blickten Maria mit Kind (links) und Christus mit Evangelienbuch (rechts). Die Christusdarstellung entspricht dem Beau-Dieu-Typus, einem charakteristischen Christusbild der Frühgotik, wie wir es vom Portal der Kirche in Amiens kennen. Bemerkenswert ist der Ort des „Beau Dieu“ am Spitaleingang: „Ich bin die Türe. Wer durch mich eingeht, der wird gerettet werden.“ Die Figuren in den Bogenfeldern, Christus und Maria, waren jeweils von einer Heiligen- und einer Stifterfigur flankiert. Attribute und Gewand der beiden Heiligen lassen auf Katharina von Alexandria und Elisabeth von Thüringen schließen. Die Stifterfiguren zeigen einen Kleriker und einen Laien mit Wappenschild. Die Portalfiguren der Infirmerie standen mit den Kaiserdarstellungen auf den benachbarten Brückentürmen in einer subtilen Rechtssymbolik und garantierten Kirchen- und Reichsschutz für Brücke und Spital. Von den Brückentürmen blickten Friedrich von Schwaben, Kaiserin Irene und Friedrich II., während Bischof Konrad IV., zugleich Reichskanzler für Italien und Stadtherr, die vorbeiziehenden bzw. eintretenden Menschen segnete. Das Brückentor war zugleich Nordtor der Bischofs- und späteren Reichsstadt. Architektur und Figurenschmuck fielen an dieser Stelle besonders repräsentativ und symbolträchtig aus. Diese Sonderstellung gegenüber den anderen Stadttoren von Regensburg erklärt sich aus der direkten Grenzsituation zum Herzogtum Bayern. Als die Reichsstadt die nördliche Brückenbefestigung im Jahre 1430 zu einem Brückenkastell ausbaute und mit einem Graben umgab, wurden die angrenzenden Spitalgebäude mit der Infirmerie und dem Elisabethaltar abgebrochen. Von der Infirmerie blieb vorerst das Mauerwerk an der Brücke mit der Portalanlage erhalten. Das Portal wurde 1809 bei der Beschießung Stadtamhofs beschädigt und drei Jahre später zusammen mit dem nördlichen Brückenturm abgetragen. Der Verbleib des reichen Figurenschmucks der „Schönen Pforte“ ist unbekannt.

Zeichnungen der Portalanlage blieben von Thomas Wolf (um 1773), Georg Christian Wilder (1809) und Georg Bichtel (um 1810) erhalten. Das Untergeschoß der Infirmerie beherbergte die Spitalmühle, das Obergeschoß das Siechenhaus, das Dachgeschoß die Schlafräume für Priester, Güterpröpste, Pfründner und Gäste. Reste der Grundmauern der Infirmerie blieben unter dem westlichen Brückenbasar erhalten.



2. Schar und Scharkirche

Der westliche Teil der Infirmerie blieb erhalten und liegt höher als der ehemalige Osttrakt. Den Maueransatz zum Osttrakt hielt Hans Georg Bahre (1638) im Bild fest. Als Schar (1396) bzw. Scharstube (1486) belegt, wurde dieses Gebäude 1610 in eine Kirche umgewandelt. Im 16. Jahrhundert sprechen die Quellen immer wieder von den Siechen auf der Schar. Der Name Schar ist nicht eindeutig geklärt, dürfte jedoch auf die große Zahl der hier versorgten Kranken und Bedürftigen zurückgehen. Außen- und Innenansichten der Scharkirche lassen vorsichtige Rückschlüsse auf den mittelalterlichen Baubestand zu. Demnach stellt sich die Schar für die Zeit vor ihrer ausschließlich sakralen Nutzung als hohe Halle mit Flachdecke dar. Die beiden Reihen Dachgauben auf alten Ansichten lassen auf ebensoviele Dachgeschosse schließen.

Baulich integriert oder angegliedert an die Schar war eine Heiliggeistkapelle. Auch der 1430 abgebrochene Elisabethaltar wurde hier neu errichtet. Beim Abbau des Altars in der Scharkirche stießen die Mauerer 1694 auf einen Steinsarkophag mit Gebeinen. Der Spitalmeister verständigte den Weihbischof Albert Ernst Reichsgraf von Wartenberg, und dieser veranlaßte die Verlegung der Gebeine in die Johanneskirche. In der Scharkirche fanden jeden Montag evangelische Gottesdienste und zweimal im Jahr, am Pfingstmontag und am Margaretentag, katholische Gottesdienste statt. Am 23. April 1809 brannte die Scharkirche vollständig aus, und die Innenausstattung mit einem wertvollen Gemäldezyklus ging verloren. Eine zeitgenössische Federzeichnung Georg Bihlers zeigt nur noch die Außenmauern. Beim Wiederaufbau wurden Zwischendecken eingezogen sowie Pfründnerzimmer und eine Kapelle für den evangelischen Kultus eingebaut. Letztere wurde 1895 profaniert und zu Archiv und Registratur umfunktioniert. Ihr charakteristisches Aussehen erhielt die Scharkirche durch die beidseitigen Stichbögen im Untergeschoß, die ursprünglich vergittert waren. Die Scharkirche wird 1773 um fünf Werkschuh erhöht, eine Empore eingebaut und die kleinen spitzbogigen Fenster durch größere rundbogige ersetzt. Der doppelzügig gewölbte Unterbau der Schar ist wegen seiner Wölbungstechnik bemerkenswert. Das kreuzrippengewölbte Südschiff ist rundbogig, das tonnengewölbte Nordschiff hingegen spitzbogig. Den Grund für die unterschiedliche Wölbungstechnik liefert der Spitalkanal, der unter dem breiteren Südschiff verläuft. Der Spitalkanal wird bereits 1236 erwähnt und war bis in die 1960er Jahre in seiner vollen Länge begehbar. Längst hatte der Spitalkanal seine Funktion als Mühlgraben verloren und verbreitete bei Niedrigwasser einen fauligen Geruch. Dies führte zu häufigen Beanstandungen und schließlich zur Verfüllung der freiliegenden Abschnitte.

Unter den Spitalgebäuden blieb der gewölbte Spitalgraben vollständig erhalten und ist bei Niedrigwasser begehbar. Die Schar zeigt sich heute als mächtiger, dreigeschossiger Mansarddachbau mit Schopfwalm. Der sechsachsigen Südfassade mit Lisenengliederung ist ein schützender Laubengang vorgebaut. Osttrakt und Westtrakt der Infirmerie waren gegeneinander höhenversetzt, was noch einer Erklärung bedarf. Ähnliche Baukonzepte treten auch bei italienischen Spitalanlagen auf. Die Schar des Katharinenspitals ist eines der ältesten sozialgeschichtlichen Denkmäler in Deutschland. An der Ostfassade neben dem Eingang ist eine Kalksteintafel mit folgender Inschrift angebracht. Der Verfasser geht besonders auf die Gründungszeit des Spitals ein und sucht mit dem Datum 1101 eine funktionale Anknüpfung an den 1. Kreuzzug. Quellenbelege dafür gibt es jedoch nicht.

„Das St.-Katharinen-Hospital, um 1101 für Kreuzfahrer und Pilgrime gegründet, beschenkte 1207 Pfalzgraf Otto von Wittelsbach, wurde 1226 neu reguliert von seinem zweiten Stifter, dem Bischofe Conrad IV. Grafen von Taisbach und Frontenhausen (1204 –1227), vom Bischofe Siegfried (1227 – 1246) ausgebaut und der hl. Katharina gewidmet, von Papst Gregor IX. 1238 bestätigt, brannte am 23. April 1809 ab, wurde unter dem Fürsten Primas Carl von Dalberg wieder aufgebaut und im Jahre 1859 erweitert.“




3. Heiliggeistkapelle — Getreidekasten

Parallel zur Infirmerie verlief ein wuchtiger Satteldachbau, der im Kriegsjahr 1633 zerstört wurde. Darauf läßt zumindest der Vogelschauplan des Jahres 1656 schließen, der nur noch die Außenmauern dieses Gebäudes zeigt. Bis zur Übersiedlung in die Schar nutzten die Protestanten die hier befindliche Heiliggeistkapelle zu Gottesdienst und Predigt. Nachdem „der Stock“ oberhalb der Heiliggeistkapelle im Jahre 1642 abgebrochen werden mußte, ist anzunehmen, daß das Gebäude akut einsturzgefährdet war. Der Wiederaufbau des Gebäudes nach dem Dreißigjährigen Krieg war mit einer Nutzungsänderung zu einem Getreidekasten verbunden. Der alte Spitalkasten lag in der Nordostecke des Ökonomiehofs und wurde um 1650 als Brandstatt bezeichnet. Der Spitalbrand von 1809 machte auch den jüngeren Spitalkasten zur Ruine. Der erneute Aufbau erfolgte als dreigeschossiger Pfründnerbau mit Halbwalm. Gleichzeitig rückten Infirmerie und ehemaliger Getreidekasten räumlich auseinander und bildeten eine Gasse zwischen Brückenfuß und Katharinenplatz. An die Stelle eines älteren Giebels trat nach 1809 ein Traufabschluß.



4. Katharinenkirche und Katharinenkapelle an der Steinernen Brücke

Die Katharinenkirche war ein mächtiger, gewölber Sakralbau und stand direkt an der Steinernen Brücke zwischen dem Siechenhaus im Süden und dem Bauhaus im Norden. Im Jahre 1251 eingeweiht, diente sie dem Spital bis 1430 als Pfarrkirche. Spitalschreiber Ulrich Obser beschrieb die Katharinenkirche als Basilika mit Sakristei und sechs Altären, die Katharina, Johannes, Ursula, Maria, der Dreifaltigkeit und einem oder einer nicht näher bekannten Heiligen geweiht waren. An der Westwand der Kirche stand das Hochgrab des 1250 verstorbenen Ulrich Zant. Über die Kirche führte eine Verbindung vom Dormitorium der Priester zum Refektorium und zur Baustube, und unter der Kirche lag der Bierkeller des Spitals. Als die Katharinenkirche 1430 abgebrochen wurde, nutzte das Spital das verbliebene Mauerwerk neben der Brücke als Katharinenkapelle. Dort fand allwöchentlich ein katholischer Gottesdienst statt. Ein Grundriß der Kapelle von 1786 zeigt den nach Süden gerichteten Kirchenraum mit Altar und Eingang unter dem Brückenturm.

Die brückenwärts gerichteten Kapellenfenster (1656) wurden zurückgebaut. Die Baulast der Kapelle trug das Spital, wie aus zahlreichen Rechnungsbelegen hervorgeht. Auf den Stadtbrand von 1809 folgte schließlich der Abbruch der Kapelle und des Brückenturms.

Von der Kapelle blieben Altarstein und Weiheinschrift (1769) erhalten. Aus dem Verkauf des Baumaterials am 21. Oktober 1810 erlöste das Spital 40 Gulden. Damit ging die knapp 600-jährige Geschichte der Pfarrkirche und späteren Kapelle St. Katharina vorerst zu Ende. Gleichzeitig wurde das Katharinenpatrozinium frei und ging allmählich auf die Spitalpfarrkirche St. Johannes über. Der offizielle Patroziniumswechsel folgte erst mit der Renovierung der Pfarrkirche Mitte des 19. Jahrhunderts. Das Patrozinium des Regensburger Bürgerspitals und seiner Pfarrkirche war somit nach 430 Jahren Trennung wieder vereint.



5. Bauhaus

Nördlich der alten Katharinenkirche erhob sich der wuchtige Baukörper des Bauhauses. Im Untergeschoß waren drei Kellergewölbe für Wein, Brot und Fleisch, im Erdgeschoß das Refektorium der Herren und die Stube für das Gesinde des Spitalhofs, im Ober- oder Dachgeschoß lagen die Kammern für Schmiede, Köche, Halmhauer und weitere Dienstboten. Zwischen der Herren- und der Bauernstube war der Vorratsraum zum Trocknen und Dörren von Fleisch und zur Bevorratung frischer Nahrungsmittel. Zum Ausgleich für das 1430 abgebrochene Bauhaus errichteten die Bürger von Regensburg neben dem Spitaltor zwei Stuben, eine für die Herren, die andere für die Bauleute. Nach dem Dreißigjährigen Krieg wohnten hier der weltliche Spitalmeister und der Güterpropst. Ursprünglich waren im Spital zwei Güterpröpste, in den Quellen Bereiter genannt, tätig.



6. Pfründner und Sieche

Das Katharinenspital war nach der Intension seines Gründers ein Armenkrankenhaus mit Beherbergung von Fremden und Pilgern. Die Bettenkapazität war auf mindestens 100 Bedürftige ausgelegt, überschritt diese Zahl jedoch deutlich. Wie in anderen Spitälern setzte die Umwandlung vom Armenkrankenhaus zum Pfründnerhaus noch im 13. Jahrhundert ein und sicherte dem Spital reichlich Zustiftungen und Spenden der Bürger.

Die Kranken waren im Siechenhaus (= Infirmerie und Schar) untergebracht, die Pfründner hingegen in gesonderten Sälen und Stuben. Früh belegt sind die „nove stube“ (1390) und das „new heuslein der pfrunderin“ (1392). Eine sichere Lokalisierung der im folgenden genannten Pfründner- und Siechenstuben ist noch nicht möglich: Schlafhaus (1433), Siechenstube (1433, 1438), Frauenstube (1427), Neue Stube (1514), Roggenstube (1557), Keuche in der Roggenstube (1576, 1629), Keuche in der trockenen Stube (1564), Stube der Kranken, Brechenstube (1590, 1632), Narrenstube (1486, 1562), Bettelstube (1609 1620, 1686), Pestinstube neben der Prechenstube (1608), Untere Pfründnerstube (1664), große Stube bzw. große Pfründnerstube (1664, 1679), Scharstube (1667), Krankenstube (1681), Katholische Pfründnerweiberstube (1760, 1772), Neuer Bau (1568), Neues Gewölbe (1580), eine Pfründnerstube im Spitalbad (1581) und eine im Kuhstall (1681). Die beiden letztgenannten Beispiele zeigen, das einzelne Pfründner über das gesamte Spitalareal verteilt waren. Besser überliefert ist der sogenannte Weiberstock (1650), auch Spitalpfründner-Wohnstuben genannt (1749). Das Frauenhaus (1398) bzw. die Frauenstube (1427) lag westlich der Infirmerie am Mühlkanal und wird später als Weiberstube (1760) bezeichnet. Ein Plan des 18. Jahrhunderts zeigt einen zweigeschossigen Satteldachbau mit acht Achsen, Aufzugsgaube und Mitteldurchfahrt. Auf drei Geschossen liegen im 18. Jahrhundert sechs beheizbare Pfründnerzimmer mit je 6-7 Betten, sechs Abtritten, zwei Küchen, Speisesaal, Holzlege, Gerätekammer und Faßkeller.

Heute wird das Gebäude im Erdgeschoß von der Brauerei, in den beiden Obergeschossen vom Altenheim genutzt. Den Stadtbrand des Jahres 1809 überstand das Gebäude ohne größere Schäden.



7. Allerheiligenkapelle, Johanneskirche, Katharinenkirche

Mit der Spitalkirche von Regensburg blieb einer der schönsten Zentralbauten aus der Zeit der Hochgotik erhalten. Auftraggeber des Zentralbaus mit hohem Helmgewölbe war der Regensburger Patrizier und Schultheiß Heinrich Zant. Zant wirkte am Dombau mit, zumindest an dessen Finanzierung, und beauftragte die Dombauhütte mit der Errichtung seiner Grablege im Katharinenspital. Nach späterer Überlieferung wurde die Allerheiligenkapelle 1287 fertiggestellt und ist somit die älteste Grablege eines Patriziers im deutschsprachigen Raum. Als Vorbild für Bauform und Patrozinium diente vermutlich die Allerheiligenkapelle im Domkreuzgang, die Grablege Bischof Hartwigs II. Langhaus, Chor, Josephskapelle und Sakristei der Spitalkirche kamen als spätere Anbauten hinzu. In den Jahren 1858/1860 wurden Bauform und Innenausstattung dem Stilempfinden der Neugotik angepaßt. Ursprünglich betrat man den Zentralbau durch ein Schulterportal an der Südostseite, doch dürfte das gotische Portal am Langhaus dessen Funktion bald übernommen haben. Erneut freigelegt wurde das Schulterportal in den Jahren nach 1910.
Der Chor wurde 1489 und 1859 vollständig erneuert, das Langhaus mehrfach umgebaut. Die Josephs- und spätere Andreaskapelle steht auf achteckigem Grundriß und nimmt die zentralisierende Architekturform der Allerheiligenkapelle auf. Die beiden spätgotischen Flügelaltäre, der Katharinen- und der Andreasaltar, standen anfänglich in der Filialkirche Martinsberg bei Allersburg und kamen 1959 in die Spitalkirche. Das äußerst qualitätvolle Hochgrab des Ulrich Zant (+1250) stand ursprünglich in der Katharinenkirche an der Brücke und ist heute in die Westwand des Langhauses eingelassen. Zwei Wappenschilde aus Stein sind in die Nordwand des Langhauses verbaut. Zwei größere Tumbafragmente mit Zantwappen und Akolythengel, am ehesten dem Erbauer des Mausoleums zuzuordnen, blieben im Stadtmuseum erhalten. Ein mehrfacher Patroziniumswechsel verdeckte bisher den Blick auf den Bauherrn, die Funktion und die Bauzeit der Spitalkirche. Das Patrozinium wechselte von Allerheiligen zu Johannes dem Täufer und schließlich zu Katharina. Gleichzeitig rückten Bauzeit und Stilform von der Spätromanik in die Hochgotik. Der Patroziniumswechsel zu Katharina wurde erst nach dem Abbruch der Katharinenkapelle an der Steinernen Brücke möglich und erneuerte die Übereinstimmung von Spital- und Kirchenpatrozinium. Gleichzeitig ging die Erinnerung an die früheren Kirchenpatrozinien allmählich verloren. Mit dem Zentralbau der Spitalkirche blieb ein eindrucksvolles Bauwerk erhalten, das gleichermaßen Selbstbewußtsein und Stilempfinden des Regensburger Patriziats widerspiegelt. Der ehemalige Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Torsten Gebhard, beurteilte die Spitalkirche wie folgt: „Der Bau zählt kunstgeschichtlich zu den bedeutendsten Arbeiten dieses Jahrhunderts in Bayern.“



8. Pilgerhaus, Franziskanerkloster, Pfarrhaus

Im Jahre 1460 stiftete Andreas Niedermaier, Kaplan an der Stephanskapelle im Domkreuzgang, 1200 Gulden zur Errichtung eines Pilger- oder Bruderhauses mit 14 Betten. Die Ausweisung des Bauplatzes neben der Allerheiligenkapelle im Jahre 1458 zeigt, daß die Planungen und Verhandlungen schon längere Zeit andauerten. Niedermaier bestimmte: „also das ein yeder spitalmaister des egenannten spitals beherbergen sol ewiglichen alle nacht nächtiglichen all pillgram, es sein frawen oder man, briester oder arm schüler und auch annder arm ellennd lewt, sovil der kommen und der herberg durch gotz willen begeren.“ Die Aufenthaltsdauer im Pilgerhaus war auf eine Nacht beschränkt.

Als Verpflegung empfingen die Pilger ¼ Pfund Fleisch, Suppe, Gemüse, einen Laib Brot und ein Seidel Bier. Den Haushalt im Pilgerhaus führte ein Knecht, der sogenannte Bruderknecht. Zur Auslastung des Pilgerhauses existieren keine Angaben. Das Haus wird in den Aufzeichnungen des Spitals bis 1514 als Pilgerund bis 1606 als Bruderhaus geführt.
Nach der Auflösung des Pilgerhauses wird 1609 wiederum eine Gastkammer erwähnt. Die Zeit der großen Pilgerfahrten endete im 16. Jahrhundert und damit auch der Bedarf an Pilgerherbergen. Eine neue Nutzung bahnte sich wenige Jahre nach der Zerstörung des Katharinenspitals (1633) an. Am 4. Februar 1638 zogen die Franziskanerreformaten in das ehemalige Pilgerhaus ein und nutzten es vorübergehend als Kloster. Den Grundstein für das eigene Kloster im benachbarten Färberviertel von Stadtamhof legten die Reformaten am 26. September 1650 und verließen das Katharinenspital zwei Jahre später am 13. Juli 1652. Das Gebäude wird in den folgenden Jahren als Haus des geistlichen Spitalmeisters und ab 1680 als Pfarrhof bezeichnet. Ursprünglich war es zweigeschossig mit Satteldach, Schleppgauben und nördlichem Laubengang. Aus dem Satteldach entstand nach 1809 ein Mansardwalmdach, das bis heute für den Pfarrhof charakteristisch ist. Nördlich an das Pfarrhaus grenzt der sogenannte Pfarrgarten.



9. Friedhof und Friedhofskapelle

Als selbständige Pfarrei verfügte das Katharinenspital über einen Friedhof, der erstmals 1242 urkundlich erwähnt wird. Das Spital besaß zwei Sepulturplätze: den hinteren Friedhof zu Allerseelen und den vorderen Friedhof zu St. Johannes. Die Allerseelenkapelle nahm zu Beginn des 17. Jahrhunderts das Michaelspatrozinium an und wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört. Mitte des 18. Jahrhunderts wieder aufgebaut, dient die Michaelskapelle inzwischen als Gartenhaus.



10. Krondorf – Pfaffenstuben

Das Krondorf war ein zweigeschossiger Satteldachbau, der nördlich an die Heiliggeistkapelle grenzte und in Nord-Südrichtung verlief. Der Name Krondorf geht vermutlich auf das Krondorferische Seelhaus bei St. Leonhard zurück, das 1315 zum Katharinenspital gezogen wurde. Nur wenige Jahre zuvor stiftete Otto von Krondorf dem Spital zwei Höfe. Im Krondorf waren Refektorium und Herrenstube untergebracht (1384, 1427). Ein größerer Umbau im Krondorf ist für 1483 belegt. Obgleich der Name bis ins 17. Jahrhundert bekannt blieb, nannte sich das Gebäude fortan Pfaffenstock. Darin befanden sich Küche, Archiv, Ratsstube, Bauernstube (1433) und die Wohnung des Hausschreibers.
Die Namen Herrenstube (1433, 1507), Pfaffenstube (1562) und Priesterstube (1585, 1616) bezeichnen vermutlich ein und denselben Raum. Die Schreibstube des Spitals wurde 1430 westlich an das Krondorf angebaut. Eine Lokalisierung des Klosterfrauenhauses (1438) steht noch aus.



11. Wohnhaus des Spitalmeisters und Bereiters

Das Haus des weltlichen Spitalmeisters und Bereiters, ein dreistöckiger Satteldachbau, lag nördlich des Hoftors. Zum Markt hin öffneten sich im Erdgeschoß drei Läden mit Vordach, in deren rundbogigen Öffnungen Verkaufsbänke standen. Ein vierter Laden lag südlich der Toreinfahrt im Torwärterhaus und wird als Kramladen bezeichnet. Dieses sogenannte neue Bauhaus mit rundbogiger Ladenfront zur Vorstadt hin entstand 1430: „drei läden unnder dem Pauhaus gegen dem Hoff, das holtzweerch und gemeuer auszubrechen“ (1567/1568). Die Stadtamhofansicht aus der Zeit um 1600 zeigt östlich des Bauhauses ein freistehendes Gebäude, das 1601 als Metzger- und später als Riemerladen zu identifizieren ist. Beim Abbruch des Riemerladens am 20. Februar 1730 wurde ein Münzschatz gefunden, nämlich ein Krug mit Silber- und Goldmünzen im Gegenwert von 100 Gulden. Im Jahre 1786 stand an dieser Stelle das kurfürstliche Haupt- und Grenzmautamt. Eine Lokalisierung der folgenden Gewölbe ist bisher nicht möglich: Fleischstock (1507), Speis- und Fleischgewölbe (1568, 1676), Metzgergewölbe und Fleischgewölbe (1592), Obstgewölbe (1595), Speis- und Krautgewölbe (1610), Schmalzgewölbe (1776), Salzkammer (1594). Ähnliche Aufgaben in der Vorratshaltung hatte jedoch vor 1430 das alte Bauhaus. Nach dem Brand von 1809 wurden Torwärterhaus und Bauhaus zu einem Gebäude zusammengefaßt und die Spitalzufahrt überbaut. Es entstand ein dreigeschossiges Walmdachhaus auf L-förmigem Grundriß mit drei Läden nördlich und einem Laden südlich der Durchfahrt. Der damalige Eigentümer Joseph Zech ließ an der siebenachsigen Ostfassade ein Relief von dem Bildhauer Christoph Ittelsberger anbringen. Das weiß gefasste Relief zeigt eine umkränzte Imperatorenbüste, die beidseitig von sphingenartig sitzenden Greifen sowie Akanthusvoluten mit den Insignien Caduceus und Anker flankiert wird.



12. Braumeisterhaus

Zweigeschossiges Walmdachhaus aus der Zeit nach 1809, errichtet an der Nordwestecke des ehemaligen Brückengrabens.



13. Gasthaus, Spitalschenke, Spitalgarten

Mit dem Katharinenspital war seit Anbeginn ein Beherbergungsbetrieb für Fremde verbunden. Kleriker, Ritter und Laien erhielten dort Unterkunft und Verpflegung. Das Gasthaus sollte aber unter der Aufsicht des Meisters stehen. Über die Verpflegung der Gäste berichten die Statuten von 1230: „soll man Kost haben maßvoll, wie es sich geziemt.“ Die Verpflegung in Gasthäusern war in der Regel sehr einfach. Vor 1430 lagen die Gastkammern des Spitals im Obergeschoß des Siechenhauses, und 1449 existierte eine Gastkammer mit fünf Betten. Die Spitalschenke wird als Schenke (1395), Schenkhütte (1553), Schenkstatt (1566) und Schenkkeller (1720) erwähnt. Die Tische und Bänke in der Schenkstube wurden 1733 rot gestrichen, der Schenkkeller 1737 mit Ziegelsteinen gepflastert und die „ruinierten Zechbänke in der Bierschenckstuben“ 1746 ausgebessert. Welche Getränke der Schenk im Einzelfall abgab, ist nicht bekannt. Jedoch war Bayern bis weit ins 16. Jahrhundert eine ausgesprochene Weingegend, so daß der Bierkonsum erst allmählich an Bedeutung gewann. Die Gegend um Regensburg war das Hauptanbaugebiet des sogenannten Bayerweins, und das Spital verfügte über reichen Weinbergbesitz. Der Vorläufer des Biergartens ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt und wurde wegen der schönen Lage an der Donau von „Reichstagsgesandten und anderen honetten Personen“ aufgesucht. Doch der Bierverschleiß des Spitals war den bayerischen Kurfürsten und besonders den Brauern von Stadtamhof eine unliebsame Konkurrenz. Im Jahre 1748 beanstandete deshalb der bayerische Hauptmann Campana und die Stadtamhofer Brauerschaft den Bau einer neuen Schenkstube und die Aufstellung von Tischen und Bänken zum Biertrinken auf dem Spitalanger. Spitalmeister Heinrich Schmers konterte mit dem Hinweis auf das hohe Alter der Spitalschenke: „Die Tisch und Bäncke stehen alleweiters etliche 100 Jahr unter denen Bäumen auf dem Baadtanger.“ Nach dem Brand von 1809 lag die Spitalschenke im Erdgeschoß des Spitalkastens und wechselte 1859 an den heutigen Standort. Ende des 19. Jahrhunderts erlebte der Schenkgarten einen derartigen Ansturm von Besuchern, daß der Spitalrat am 26. Januar 1882 die Erweiterung des Gartens beschloß. Und bereits am 26. Mai 1882 konnte der neue Schenkgarten feierlich eröffnet werden. Längs der Donau pflanzte man Ahornund Kastanienbäume. Den neuen Garten mit 27 Tischen und 170 Stühlen erleuchteten acht Gaskandelaber. Das zugehörige Salettel mit drei Tischen und 36 Stühlen errichtete Zimmermeister Krön aus Stadtamhof. Bereits 1896 verlagerte man das Salettel in den östlichen Biergarten, wo es im Jahre 2000 zum Eingangstor des Spitalgartens umgestaltet wurde. Geselligkeit und Musik gehörten seit diesen Tagen zum Image der Spitalschenke.

Musikalische Veranstaltungen bedurften jedoch ausdrücklich der Genehmigung durch die Spitalverwaltung. Für das Wohl der Gäste in der Schenkstatt sorgten fünf Dienstboten, nämlich zwei Kellnerinnen, zwei Hausmägde und eine Köchin. Im Dienstvertrag des Wirts Michael Gruber (1879) ist zu lesen: „Der Schenk hat für gute prompte Bedienung der Gäste, für Reinlichkeit der Lokale zu sorgen, höfliches Benehmen gegen alle Gäste zu beobachten, hiezu sein ganzes Personal anzuhalten und das gehörige Maß zu verabreichen.“ Die Spitalgaststätte ist wegen ihrer Lage an der Donau und dem herrlichen Blick auf Steinerne Brücke und Dom weithin bekannt. Der Namenswechsel von Spitalschenke zu Spitalgarten dürfte sich noch im 19. Jahrhundert vollzogen haben. J

Jedenfalls zeigt eine Postkarte aus der Zeit um 1910 bereits die Aufschrift Spitalgarten. Länger dauerte die Einführung des neuen Namens in der Spitalverwaltung, die erst 1938 auf Spitalgarten umstellte. Ungeachtet des Namens kann der Spitalgarten, die frühere Spitalschenke, inzwischen auf eine über 750-jährige Gasttradition zurückblicken.



14. Spitalbad, Spitalanger, Antwerch

Das Spitalbad lag auf dem Spitalanger und nahm etwa den Standort der Spitalgaststätte ein. Die Stadtansicht von Hans Georg Bahre zeigt das Spitalbad als stattliches, zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach. Im Jahre 1346 erwirkte das Katharinenspital ein kaiserliches Privileg, in dem Ludwig der Bayer die Zuständigkeit des Spitalbads für die gesamte Vorstadt festlegte. Tatsächlich ist für Stadtamhof erst im 16. Jahrhundert ein eigenes Bad belegt. Das Spitalbad verfügte über eine Männer- und eine Frauenabteilung, und der Spitalbader war für die wundärztliche Versorgung der Spitalinsassen zuständig. Einmal im Monat war für die Spitalinsassen Badetag. Brechhafte Personen versorgte der Bader hingegen täglich. Zusätzlich fand einmal wöchentlich eine ärztliche Visite statt. Spitalbader Andreas Jakob Praun stiftete 1730 einen ewigen Jahrtag in der Spitalkirche.

An der Stelle des Spitalbads entstand 1821 das Armenkrankenhaus, und in dessen Räume zog 1859 die Spitalgaststätte. Der Spitalanger war eine dem Nordufer der Donau vorgelagerte Insel. Auf dem Spitalanger standen Infirmerie, Bad, Waschhaus und Antwerch. Hier war die Roßschwemme des Spitals. Baumbewuchs zeigt der Badanger in früherer Zeit kaum. Ein Gärtner pflanzte dort im Herbst 1761 vier Nußbäume. Kastanien und Ahorn kamen im 19. Jahrhundert hinzu und wurden im 20. Jahrhundert von Linden verdrängt. Das Antwerch war eine Schiffswinde am Spitalanger und gehörte zur Brückenverwaltung. Mit Hilfe dieser Zugvorrichtung wurden die Schiffe durch die Steinerne Brücke gezogen. Das Antwerch wird erstmals 1236 erwähnt und wurde 1486 durch Matthias Forster abgebrochen. Die beiden Schiffspassagen nördlich und südlich der Steinernen Brücke ermöglichten erst die Durchfahrt durch die Brückenbögen und lenkten den Handel an beide Ufer. Nachdem Stadtamhof bayerisch geworden war, zeigte die Reichsstadt kein Interesse mehr am Unterhalt des Antwerchs.



15. Mühle, Schmiede und Spitalgraben

Die Spitalmühle war eine Getreide- und Malzmühle mit vier Mahlwerken unter dem Krankenhausgewölbe. Nach 1430 war sie freistehend mit Satteldach und wurde in den Tagen zwischen dem 4. und 22. Oktober 1712 abgebrochen. An der Stelle der Mühle entstand noch im gleichen Jahr eine neue Stiege zur Scharkirche und ein Schuppen, 1768 als Mühlschuppen bezeichnet. Nach 1809 wurde dieser nicht mehr aufgebaut. Durch den Ausbau des Brauhauses (1859) entstand Bedarf für eine Malzmühle, die im ehemaligen Schreiberhaus eingerichtet wurde. Die mittelalterliche Spitalschmiede ist am Mühlgraben zu suchen und war mit einer Esse, zwei Blasebälgen und zwei Ambossen (1443) ausgestattet. Im 19. Jahrhundert lag die Schmiede in dem Winkel zwischen Spitalaufgang und Infirmerie. Nach Auflassung der Spitalschmiede wurde das Gebäude als Schuhmacherladen genutzt, letzterer 1987 abgebrochen. Längs des Spitalgrabens, der Spitalschmiede bzw. dem Schusterladen gegenüber, lag die alte Kegelbahn. Der Spitalgraben wird erstmals 1236 als „canalis sive aqueductus“ erwähnt und lag bis ins 19. Jahrhundert offen unter dem Flutgewölbe der Infirmerie. Ursprünglich dürfte es sich um einen Seitenarm der Donau gehandelt haben, der von der Infirmerie überbaut wurde.

Hochwässer und Eisgänge machten immer wieder Reparaturen notwendig. Die Einwölbung unter der Infirmerie und längs des Pfründnerstocks und Brauhauses erfolgte um 1854. Mit dieser Baumaßnahme wurden Platz und Lagerkapazitäten für die Brauerei geschaffen.



16. Brauhaus

Die Geschichte der Spitalbrauerei beginnt im Jahre 1226 mit einem Schlaftrunk für die Pfründner des Spitals. Als älteste Spital- und Stiftungsbrauerei der Welt blickt die Spitalbrauerei inzwischen auf eine Braukontinuität von weit über 750 Jahren zurück und ist zugleich die älteste Brauerei der Stadt Regensburg. Das Brauereigebäude ist ein zweigeschossiger Satteldachbau (1600) am Mühlkanal, der nach Norden vorspringt. Den östlichen Teil nimmt das Sudhaus ein, den westlichen die Malztenne. Umbauten und Reparaturen im Brauhaus lassen sich über sieben Jahrhunderte verfolgen. Das Brauhaus diente anfänglich zur Selbstversorgung des Spitals und seiner Gäste. Die Spitalbrauerei produzierte Märzen- und Georgsbier (1391), Jakobsbier (1393), Kofentbier und Weizenbier (1408). Ob letzteres ober- oder untergärig gebraut wurde, ist nicht bekannt.

Die Gerste bezog man aus spitaleigener Produktion, während der Hopfen zunächst aus dem Regensburger Umland und seit dem 16. Jahrhundert zunehmend aus Böhmen und dem Spitalgut Aschach geliefert wurde. Im Brauhaus wurde jedoch nicht nur Bier gebraut, sondern hier stand auch der Branntweinkessel (1580). Den Pfründnern des Spitals stand ein gewisses Quantum Bier zu, das über Bierzeichen (1589) abgerechnet wurde. Der Bierausstoß des Spitals ist seit 1359 kontinuierlich belegt, und im Jahre 1486 belieferte man Herzog Albrecht IV. von Bayern. Erst mit der allmählichen Änderung der Trinkgewohnheiten im 16./17. Jahrhundert wuchs die Nachfrage nach Bier. Besonderer Beliebtheit erfreute sich das Spitalbier bei den Bürgern von Stadtamhof. Damit wurde die Spitalbrauerei den benachbarten Brauern zur unliebsamen Konkurrenz. Bürgermeister und Rat von Stadtamhof beschwerten sich deshalb beim Spitalrat (1664) und dem bayerischen Kurfürsten gegen den öffentlichen Ausschank von braunem Bier im Spital. Da es sich hierbei um einen Konflikt zwischen zwei Reichsständen handelte war das Reichskammergericht in Wetzlar zuständig. Doch Spitalmeister Heinrich Schmers legte Beweise für das hohe Alter von Brau- und Schankrecht vor und argumentierte: „ ... im Gegentheil aber kann durch die Spitalrechnungen bewiesen werden, daß man anno 1359, wo die Gegend mit lauter Weinstöcken angebauet gewesen und dazumahlen das Bier nicht viel geachtet worden, dennoch umb 378 Gulden 23 Pfennig ausgeschenket hat; auch nach der Handt ist das Biersieden und Ausschenken an einen Präuknecht von Reinhausen auf 1 Jahr verstift worden.“ Ungeachtet der Streitigkeiten vor den höchsten Gerichten und der bayerischen Biersperre bevorzugten die Bürger von Stadtamhof weiterhin das Bier aus dem Spital. Kontrolleure wurden deshalb aufgestellt, die eine illegale Biereinfuhr unterbinden und bei Zuwiderhandeln das Bier beschlagnahmen sollten.
In der Bevölkerung von Stadtamhof entstand wegen dieser Maßnahme große Unruhe. Die Kontrolleure wurden gewaltsam vertrieben, und es war zu befürchten, daß die Häuser der Brauer von der aufgebrachten Menge gestürmt würden. Als Ursache für den Zulauf der Spitalschenke wurde das schlechte Bier der Stadtamhofer „Bräuschaft“ angeführt, auf das „über 30 Personen sterbenskrank geworden“ seien. Um eine Eskalation zu vermeiden, wies der Spitalrat den Brau- und Kellermeister am 2. März 1753 an, kein Bier mehr an fremde Personen zu verkaufen. Mit dem Ausbau der Brauerei Mitte des 19. Jahrhunderts vervielfachten sich Bierausstoß und Bierabsatz innerhalb weniger Jahre. Die Personalunion zwischen Braumeister und Schenk wurde im Jahre 1895 endgültig aufgehoben.



17. Toranlagen

Zwei Tore und eine Tür führten in das Spital. Von Stadtamhof aus betrat man das Spital durch das sogenannte Hoftor. Nach Westen in die „Waidergassen“, den späteren Franziskanerplatz, führte das hintere Spitltor (1618). Die rote Ölfarbe des Spitltors (1771) machte deutlich, daß hier das reichsstädtische Territorium begann. Direkt von der Steinernen Brücke aus betrat man vor 1430 Infirmerie, Katharinenkirche und Gesindehaus. Nach dem Ausbau des Brückenrondells war der Poststeg (1589) die einzig sichere Verbindung zur Steinernen Brücke und damit zur Reichsstadt. Den Schlüssel zum Posttürl verwahrte der Stadtkämmerer aufgrund der brisanten politischen Verhältnisse höchstpersönlich. Erst in späterer Zeit führte das sogenannte „Bauhoftor“ (1799) in den Ökonomiehof, und durch einen weiteren Torbogen betrat man den Friedhof der Johanneskirche.



18. Schreiberhaus – Malzmühle
Das Gebäude westlich des Pfarrhofs brannte im Dreißigjährigen Krieg ab und wird 1749 als Schreiberhaus bezeichnet. Nördlich davon lag der später ebenfalls bebaute Schreibergarten. Mit dem Ausbau der Spitalbrauerei erfolgte der Einbau einer Malzmühle (nach 1860) und schließlich der Umbau zur Wohnung (1897).
Der zugehörige Brunnen ist noch vorhanden.



19. Ökonomiehof – Spitalhof

Mit einer Hofgröße von vier Einzelhöfen war die Spitalökonomie ein stattlicher Betrieb, der neben einem Hofmeister und vier Bauleuten zahlreiche Knechte und Mägde beschäftigte. Der Bauhof lag nördlich von Johanneskirche und Pilgerhaus und nahm etwa ein Drittel des gesamten Spitalareals ein. Die zugehörigen Felder lagen im Stadtwesten. Alte Ansichten und Pläne geben Auskunft über Lage und Funktion der einzelnen Gebäude. Um den Hofraum herum lagen von Ost nach West folgende Baulichkeiten: Gesott- und Heuboden, Alter Stadel, Roßstall, Neuer Stadel, Alter Kasten und Baumgarten, Michaelskapelle und Friedhof in der Nordwestecke, südlich davon der Kuhstall und mitten im Hof die Miststatt.

Die Gültbauern stellten ihre Pferde im Kuhstall ein (1668). Vom Viehbestand des Spitalhofs berichtet ein Inventar des Jahres 1449. Demnach standen folgende Tiere in den Ställen: 9 schwarze Kühe, 8 Kälber, 153 Schweine, 12 Zugpferde, 3 Reitpferde und ein altes Roß. In dem benachbarten Spitalhof zu Aschach standen nochmals 21 Rinder und auf dem Amhof sieben Kälber. Bei gefährlichem Hochwasser trieb man das Vieh über die Steinerne Brücke in die Stadt, so 1587 zum Koppenwallner. Frühe Erwähnung finden die einzelnen Gebäude in den Rechnungsbüchern: Roß- bzw. Marstall (1392, 1594), Gerstengewölbe (1392), Mehlboden (1392), Mehlkasten (1392), Hühnerkobel (1397), Kleiboden (1392), Schweinestall (1445, 1568), Ochsenstall (1553), neuer Kasten (erbaut 1581), Hühnerhof (1590), Gänsestall (1590), Kornkasten (1591), neuer Getreidekasten (um 1640), alter Zehntstadel (abgebrochen 1590), neuer Zehntstadel (1591). Ein zweigeschossiger Satteldachbau aus der Zeit um 1762 schließt den Hof nach Westen ab.

Im Erdgeschoß waren Kuh-, Pferde- und Schweinestall untergebracht, im 1. Stock zwei Krankenzimmer und ein großer Heuboden eingeplant. Die frühere Raumaufteilung blieb trotz späterer Einbauten erkennbar. Östlich des Stallgebäudes steht eine große Fruchtremise des 19. Jahrhunderts. Ehemalige Fruchtremise und Stallgebäude wurden in den Jahren von 1950 bis 2000 von der Druckerei Manz genutzt. Ebenfalls auf dem Areal der ehemaligen Spitalökonomie steht der Nordtrakt des Altenheims (1985). Die Halle mit Platzlgewölbe im Untergeschoß diente im 19. Jahrhundert als Pferdestall. Die Südfassade ist unregelmäßig von drei Erkern gegliedert.





Literatur- und Quellenauswahl:

Karl Busch, Regensburger Kirchenbaukunst 1160-1280, in VHVO 82 (1932), S. 1-192. Artur Dirmeier und Wido Wittenzellner (Hrsg.), Die Spitalkirche zu Regensburg. Mausoleum der Zant, Regensburg 2000. Artur Dirmeier, Zur Baugeschichte des St. Katharinenspitals. Ein Überblick. Selbstverlag Regensburg 1992. Hans-Eberhard Paulus, Baualterspläne zur Stadtsanierung. Regensburg VIII (Oberer und Unterer Wöhrd, St. Katharinenspital, Steinerne Brücke), München 1987. 750 Jahre St. Katharinenspital Regensburg, hrsg. von der St. Katharinenspitalverwaltung, Regensburg 1976. Bayerisches Hauptstaatsarchiv: Hochstift Regensburg, Urkunden u. Literalien Reichsstadt Regensburg, Urkunden u. Literalien Spitalarchiv Regensburg: Urkunden u.Rechnungsbücher A



Autor: Artur Dirmeier
Quelle:
» http://www.spital.de/archiv/reihen/web_spital.pdf


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