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Stadt mit 2000-jähriger Biertradition

Drei Brauereien, eine Vielzahl feinster Bierspezialitäten und ein gemeinsamer Zweck: In Regensburg, der am besten erhaltenen mittelalterlichen Stadt Deutschlands, trinkt man Bier für eine gute Sache. Ob Bischofshof, Kneitinger oder Spital, alle drei Regensburger Traditionsstätten der Biererzeugung sind Stiftungs-Brauereien. Ihr Erlös fließt gemeinnützigen Zwecken zu.

Warum gibt es in Regensburg mehr traditionelle echte Wirtshäuser und schönere Biergärten als sonstwo auf der Welt, wird man hier häufig gefragt. Die Antwort fällt leicht: Weil der Regensburger eben ein sozial eingestellter Mensch ist. Jede Mark, die das Regensburger Bier einbringt, erfüllt einen sozialen Zweck. Deshalb – und nur deshalb – trinkt der Regensburger so gerne Bier. Nicht etwa weil der Kneitinger Bock, des Spital-Festbier oder das Bischofshof Weizen vielleicht so gut schmecken würden. Oder gar weil es im Stadtamhofer Spitalkeller, im weltberühmten Bischofshof gleich neben dem Dom oder am Arnulfsplatz beim „Knei“ so griabig zugeht. Oder womöglich weil im Sommer die lauschigsten Plätzchen in der schönen Stadt halt einfach die herrlichen Biergärten unter schattigen Kastanien sind. „Je flüssiger die Brauereien, desto besser geht’s den Alten und den Bedürftigen der Stadt“, sagt der Regensburger und blickt dabei auf eine Jahrtausende alte Biertradition zurück. Fern der Heimat kamen in Regensburg sogar die alten Römer auf den Geschmack. Archäologen interessiert im 2000 Jahre alten Regensburg längst nicht nur die weltberühmte Porta Praetoria oder etwa die Steinerne Gründungsurkunde des von Kaiser Marc Aurel 179 n. Chr. gegründeten Castra Regina (heute im Museum der Stadt) – sie fanden hier auch die Reste einer römischen Brauerei, der ältesten Brauerei in Deutschland. Die Vielfalt der Brauereien in Regensburg erzählt eine launige Geschichte der Jahrhundertwende: In einem Brief schildert ein Soldat beim 11. Bayerischen Infanterieregiment seinen Eltern über Regensburg, am Montag sei er in St. Mang, am Dienstag in Obermünster, am Mittwoch in St. Klara, am Donnerstag in Heilig Kreuz, am Freitag im Bischofshof, am Samstag bei den Karmeliten und den Jesuiten und am Sonntag schließlich im Spital gewesen. Die besorgte Mutter schickte daraufhin sofort den Vater los, nach dem vermeintlich kranken, wohl geratenen Sohn zu sehen. Der Vater bleibt schließlich ebenfalls acht Tage und läßt sich vom Sohn alle die „frommen Stätten“ zeigen, verspricht bald wiederzukommen und gibt dem Sohn zum Abschied den guten Rat, der Mutter, wenn sie ihn denn einmal besuchen käme, wirklich die Kirchen zu zeigen, nicht nur die Bierschenken und Brauereien mit den heiligen Namen. Rund 40 Brauereien gab es vor hundert Jahren noch in der Stadt. Die verbliebenen drei Stiftungsbrauereien finanzieren mit ihrer Braukunst nicht nur die verschiedensten gute Zwecke, sie haben noch ein Gutes: Weil der Bierpreis in den Stiftungs-Statuten festgeschrieben ist, kostet die Halbe Bier beim Kneitinger auch heute noch 4,30 Mark. Die alte Wirtshaus-Tradition lebt in Regensburg in erfrischender Symbiose mit der jungen, agilen Kneipenszene einer modernen Universitätsstadt. Beides steht hier keineswegs im Widerspruch, es ergänzt sich zu einer unglaublich lebendigen Vielfalt. Wenn es draußen warm wird, pulsiert das Leben durch die engen Gassen und herrlichen Plätze der mittelalterlichen Stadt. Man diniert auf der Dachterrasse mit Blick zum Dom, genießt die Stadtsilhouette mit ihren jahrhundertealten Patriziertürmen bei einer Strudelrundfahrt auf der Donau oder flaniert leutselig durch Straßenzüge, die den Charme von Jahrhunderten versprühen und den Geist des 21. Jahrhunderts atmen.

Das hält Leib und Seele zusammen

Eine Halbe und eine gute Brotzeit

Der „Kneitinger“ ist der Inbegriff eines echt bayerischen Bierlokals. Vom „Spitalgarten“ heißt es, er sei einer der schönsten Biergarten Deutschlands und der „Bischofshof“ am Dom zählt zu den Berühmtheiten, an denen es der Stadt nicht mangelt. Und eine gute Brotzeit? Dazu gehört eine Halbe Bier, ein Paar original Regensburger, ein Stück Käse und ein „Weichser“ Radi. Die Regensburger – sagen die, die es wissen müssen – schmeckt am besten frisch vom Metzger, und da gibt’s einige in der Stadt. Ihre Lieblingswurzel aber holen sich die Regensburger bei den „Radi-Weibern“ am Krauterermarkt, gleich gegenüber vom Bischofshof. Der Radi gehört der Länge nach dünn geschnitten und gesalzen, damit er „weint“. Dann ist er am besten. „Sechs auf Kraut“, gegrillte Schweinswürstl mit Sauerkraut, schmecken in der Historischen Wurstkuchl gleich bei der Steinernen Brücke, der ältesten Brotzeitstube der Welt, oder im Biergarten. Dazu gehört der echte süße Regensburger Händlmaier-Hausmacher- Senf (das Rezept stammt aus dem Jahr 1900) und am besten ein Kipferl, ein Kümmel-Brötchen, aus dem „Ersten Wiener Backhaus Schwarzer“ in der Oberen Bachgasse. Regensburgs Gastronomie bietet von der feinen Küche bis zur bodenständigen kulinarischen Köstlichkeit ein breites Spektrum.

Der Spitalgarten



Spitalkeller und Brauerei – Der schönste Biergarten Deutschlands

Fast so alt wie Bayern – auf jeden Fall so gut“, dieser Slogan ist für die älteste Brauerei Regensburg nicht nur Werbung, sondern gleichzeitig Verpflichtung. In der Spitalbrauerei wird auch nicht für den großen Absatz gebraut, sondern für den individuellen Genuss. Helles, Festbier, Pils und Weißbier wird im Spital gebraut. Und am besten schmecken sie natürlich im „schönsten Biergarten Deutschlands“, dem Spitalgarten. Unmittelbar am nördlichen Donauarm gelegen, mit Blick auf die Steinerne Brücke und die Stadt, werden unter Jahrhunderte alten Kastanien die feinen Bierspezialitäten ausgeschenkt. Dazu gibt’s herzhafte bayerische Küche. Eine Oase der Gemütlichkeit, deren Ertrag das angrenzende St. Katharinenspital unterstützt. Das St. Katharinenspital im Regensburger Stadtteil Stadtamhof ist das älteste Altenheim Süddeutschlands. Gegründet 1226 war es Jahrhunderte lang ähnlich organisiert wie der Vatikanstaat: eine Regensburger Enklave, umgeben vom bayerischen Stadtamhof, mit der eigenen Pfarrei St. Katharina, wirtschaftlicher Autarkie und eigenen Zollschranken. Bischof Conrad IV. hatte vor 775 Jahren die Liegenschaft aus einem Muttergut gestiftet und die Einnahmen ausdrücklich zur Betreuung alter Menschen bestimmt.



Der Kneitinger und seine Brauereigasthöfe – Urform bayerischer Wirtshauskultur

Wenn die sprichwörtliche, urbayerische Gemütlichkeit irgendwo im Land seine Heimstatt hat, dann beim Kneitinger. Die Kneitinger Bierspezialitäten haben etwas zu tun mit Glückseligkeit, und da fühlt sich jeder wohl. Der Oberbürgermeister verkehrt im Stammhaus am Arnulfsplatz genauso wie der Straßenkehrer. Seit 1530 wird am Kneitinger Stammsitz in der Kreuzgasse gebraut. 115 Jahre davon befand sich die Brauerei im Familienbesitz der Kneitingers, bevor sie in eine Stiftung überging. Kein „Light“ oder „Ice“ oder wie die kurzlebigen Mode-Gebräue alle heißen mögen, gibt’s hier. Beim Kneitinger wird alle Liebe und Sorgfalt auf das Edel-Pils, das Dunkel Export, den berühmten Kneitinger Bock und in die traditionsreichen Brauereigasthöfe investiert, mit denen der „Knei“, wie ihn die Einheimischen liebevoll nennen, die Regensburger Wirtshaus-Kultur entscheidend prägt. Ob der „Kneitinger Keller“ mit seinem herrlichen Biergarten auf dem Galgenberg, die „Hubertshöhe“ am Ziegetsberg, das Kultur-Wirtshaus „Auer Bräu“ in Steinweg oder das Stammhaus am Arnulfsplatz selbst – hier lebt ein Stück echter bayerischer Wirtshaus- Kultur. Die Halbe Bier kostet hier noch 4,30 Mark. Den niedrigen Bierpreis regelt das Stiftungsstatut. Der Erlös fließt in die Hans-und- Sophie-Kneitinger-Stiftung zu Gunsten der Jugend- und Altenarbeit.

Der Bischofshof in Regensburg



Im Bischofshof logierten schon Kaiser und Könige – Das Bier, das uns zu Freunden macht

Bischofshof, Haus Heuport und Kolpingshaus – gleich drei der angesehensten Gasthäuser rund um den Regensburger Dom zapfen das Bier von der Brauerei Bischofshof. Zentrum freilich ist der Bischofshof selbst. Es gibt keine zweite bayerische Bischofsstadt, in der Bischofskirche und Bischofshof architektonisch so hautnah nebeneinander liegen wie in Regensburg. Zwischen der Porta Praetoria, dem Nordtor des ehemaligen Römerlagers Castra Regina und dem Dom St. Peter liegt das Juwel Regensburger Gastronomie und Hotellerie. Schon Kaiser und Könige stiegen während des immerwährenden Reichstags im Bischofshof ab. Seit mehr als zehn Jahren verwöhnen Monika und Herbert Schmalhofer ihre Gäste mit einem ganz besonderen Ambiente. Das Genießer-Journal „Savoir Vivre“ portraitierte Monika Schmalhofer sogar als Gastgeberin des Monats. Hier wohnt, speist und trinkt man im Buch der Regensburger Geschichte. Die Anfänge des berühmten Hauses am Dom datieren auf das späte 8. Jahrhundert. Damals logierten hier die ersten Regensburger Bischöfe. Und natürlich trinkt man hier „das Bier, das uns zu Freunden macht“. Bischofshof Pils, Hefe-Weißbier Hell und Dunkel, Leichte Weiße, Kristallweizen hefefrei, Urhell, Original 1649, Light, Radler und Malteser Weisse kommen als feine Bierspezialitäten aus einer der wenigen Brauereien in Deutschland mit eigener Mälzerei. „So können wir das Malz für jede Biersorte individuell abstimmen“, sagt Brauerei-Chef Hans-Joachim Moser, der sich über eine Vielzahl an DLGPrämierungen der Bischofshof-Biere freuen kann. Der Ertrag der Brauerei unterstützt übrigens den Regensburger Priesternachwuchs.


Eine römische Brauerei

Bier und Römer – das mag auf den ersten Blick wenig zusammenpassen. Doch fern der Heimat sind offensichtlich auch die Römer auf den Geschmack gekommen.

Im Jahr 179 n. Chr. errichtete Kaiser Marc Aurel die römische Festung Castra Regina. Die steinerne Gründungsurkunde zeugt noch heute im Museum der Stadt davon. Am sogenannten Kumpfmühler Kastell entdeckten Archäologen die Reste einer römischen Brauerei, der ersten ihrer Art überhaupt: Mit eigenen Brunnen, einem Holzvorbau zum Trocknen und Lagern des Getreides, einem Becken zum Weichen, um es zum Keimen zu bringen (Mälzen), mit einer Röstkammer (Darre), zum Rösten des Grünmalzes, um die Keimung zu stoppen und das Braumalz haltbar zu machen. Eine Feuerstelle diente zum Wasserkochen, zur Erwärmung der Maische zum zum Aufkochen der Bierwürze. Alles da, was man zum Bierbrauen braucht – auch ein Tipp für eine von vielen Besichtigungsmöglichkeiten in Regensburgs Museen.

Die älterste Römische Brauerei nördlich der Alpen


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Quelle:
Ausschnitt aus der Bierzeitung Ausgabe 1/2001