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Die Geschichte des Neupfarrplatzes

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Als sich im zweiten Jahrhundert n. Chr. die Überfälle der Germanen gegen die nördliche Grenze des römischen Reiches mehrten und sie das bis dahin weiter südlich vom heutigen Regensburg gelegene Kastell zerstörten, ließ Kaiser Marc Aurel nach der Niederwerfung der Markomannen ein neues Kastell errichten. Dieses Kastell wurde Castra Regina genannt, weil es am hochwasserfreien Donauufer, genau an der Stelle der Einmündung des Flusses Regen in die Donau, erbaut wurde.

Die Lage des Judenviertels (orange) innerhalb des ehemaligen Legionslagers; Plan mit Stadterweiterung Herzog Arnulfs um 920. (Denkmalpflege Bd. 6; S. 14.)



Die auf den 25. 8. 179 datierte, circa acht Meter lange Inschrift des östlichen Lagertores ist die älteste Gründungsurkunde einer deutschen Stadt und bezeichnet die eigentliche Geburtsstunde Regensburgs.

Die Lage und die Aufteilung dieses Kastells mit der sich nach Westen anschließenden römischen Zivilsiedlung waren Ausgangspunkt für die städtebaulichen Veränderungen in den folgenden Jahrhunderten.

Auch der heutige Neupfarrplatz lag damals innerhalb des römischen Lagers. Das westliche Tor des Kastells, die „Porta Principalis sinistra“, befand sich an der Stelle der heutigen Einmündung der Gesandtenstraße in den Neupfarrplatz.

Die Entwicklung Regensburgs in den folgenden Jahrhunderten ist historisch kaum belegt. Fest steht nur, dass die Römer bis zum Jahre 488 völlig vertrieben waren und die Bevölkerung aus verschiedenen Volksstämmen zusammengesetzt war.

Erst mit der Entstehung einer jüdischen Gemeinde in Regensburg gelangte der heutige Neupfarrplatz zu geschichtlicher Bedeutung.

Aus einer Urkunde des Jahres 981 geht die Existenz eines Juden Samuel, wohnhaft in Regensburg, hervor. Es wird jedoch angenommen, dass schon zur Römerzeit Juden in der Zivilsiedlung westlich der „Porta Principalis sinistra“ lebten. Mit dem Abzug der Römer siedelten sie sich innerhalb der schützenden Lagermauern an und schon 1010/1020 wird ein „habitacula Judaeorum“ auf dem Gebiet des heutigen Neupfarrplatzes urkundlich erwähnt.

„Topographische Untersuchungen und archivalische Nachforschungen Adolf Schmetzers gestatten eine ziemlich genaue Lagebestimmung des Ghettos. Demnach verlief die Westgrenze zwischen dem Häuserblock Neupfarrplatz / Tändlergasse und Wahlenstraße bis zum Anwesen Tändlergasse 18. Die Nordgrenze entsprach etwa der Linie zwischen den Häusern der Tändlergasse 9 und Residenzstraße 2. Unter Ausschluss des Grundstückes der Bayerischen Staatsbank, Residenzstraße 3, zog sich die Ostgrenze zwischen den Häusern des Neupfarrplatzes und der Pfauengasse hin und schloss das Terrain der heutigen Kreissparkasse Neupfarrplatz 10 mit ein. Die Südgrenze dürfte nicht bis an die südliche Häuserreihe des Neupfarrplatzes herangereicht bzw. darüber hinausgegriffen haben. . . “

Diese jüdische Gemeinde war sowohl eine der reichsten als auch eine der ältesten in ganz Deutschland.

Aufgrund der günstigen geographischen Lage und weitreichender Handelsbeziehungen kamen die Regensburger Juden zu großem Reichtum. Auch auf geisteswissenschaftlicher Ebene gelangten sie durch ihre weltweit bekannte Thalmudschule zu außergewöhnlichem Ruhm. Aus dem Grund, dass die Judenstadt fast vollständig von Pogromen verschont geblieben war, konnten sich auf dem Neupfarrplatz, der durch eine Mauer von der restlichen Stadt getrennt war, circa 500 Juden nebst Einrichtungen des öffentlichen Lebens ansiedeln. Die damalige im frühgotischen Stil erbaute Synagoge befand sich
an der Stelle der heutigen Neupfarrkirche. Im Jahre 1519 änderte sich die Situation der Juden schlagartig. Die Bürger Regensburgs, unter ihnen auch Albrecht Altdorfer, nutzten den Tod Kaiser Maximilians, unter dessen Schutz die Juden gestanden hatten, um den Juden ein Ultimatum zu stellen. Auf Anordnung des Stadtrates mussten sämtliche Juden binnen fünf Tagen die Stadt verlassen haben; das Ghetto und die Synagoge, an deren Stelle die heutige Neupfarrkirche steht, wurden zerstört. Aus diesem Grund nimmt der Neupfarrplatz im Hinblick auf die sonst vorherrschenden engen Gassen der Regensburger Altstadt einen verhältnismäßig weiten Raum ein. Die Gebäude an der Nord-, Ost-, und Westseite des Platzes stammen ausschließlich aus der Neuzeit. Auch die Häuser an der Südseite, die als einzige nicht mit der ehemaligen Judenstadt in Verbindung standen, fielen im 18. und 19. Jahrhundert Modernisierungsmaßnahmen zum Opfer.

Die Stadt erkannte die Vorteile des weiträumigen Platzes mit der verkehrsgünstigen Lage und ersetzte die großzügigen, jedoch altersschwachen Bürgerbauten durch repräsentative, meist viergeschossige Wohnhäuser, die sich zum Teil noch über Kellern aus dem 13. Jahrhundert erhoben. Am westlichen Ende des Platzes wurde die im 13. Jahrhundert im gotischen Stil erbaute „Augustinerkirche“ im Jahre 1838 abgerissen und durch ein Wohn- und Geschäftshaus ersetzt, das den anderen Gebäuden der Südseite angepasst wurde.

Auch die Ostseite des Platzes, auf der sich nach dem Abriss des Judenstadels und des jüdischen Gemeindehauses hauptsächlich Bürgerhäuser befunden hatten, fiel im Jahre 1972 dem heutigen Kaufhaus Kaufhof zum Opfer.

„Dieses nimmt heute in seiner Überdimensionierung das Platzbild selbst und die ganze
Parzelle zwischen Neupfarrplatz und Pfauengasse für sich ein. Als letztes Zeugnis der
historischen Bebauung wurde zum Neupfarrplatz hin in den Komplex des Kaufhauses die
klassizistische Fassade der ehem. Hauptwache miteinbezogen. “

Ein weiterer Grund für den Verlust des typischen Altstadtbildes ist die Aufgabe des Platzes Am Spielhof und der Schlossergasse, die mit ihrer gotischen und neubarocken Bebauung dem Kaufhauskomplex, der Kreissparkasse und der Stadtsparkasse preisgegeben wurden und den Neupfarrplatz gen Südosten öffneten. Diese Schneise ließ in den 80er und 90er Jahren eine breite und vielbefahrene Straße mitten durch die Westhälfte des Platzes führen, die Osthälfte diente als Parkplatz.

Der Neupfarrplatz aus der Nordwestecke; um 1875 (Alte Photos; S.83)



Besonders durch die städtebauliche Situationsbereinigung an der Ostseite, deren Kleinstrukturiertheit noch bis zur Mitte unseres Jahrhunderts erhalten geblieben war, ging das typische Altstadtbild verloren.

Die städtebaulichen Veränderungen und die damit verbundene Aufgabe des mittelalterlichen Stadtbildes des größten Platzes der historischen Stadt Regensburg geben Anlaß dazu, einige für die Geschichte des Neupfarrplatzes wichtige Gebäude und deren Veränderung im Lauf der Jahre genauer zu betrachten .


Die Betrachtung einzelner Gebäude

Luftbild des Neupfarrplatzes um 1970 (entliehen von Galeria Kaufhof)



Die Neupfarrkirche

Im Zuge der Neugestaltung des Neupfarrplatzes in den Jahren 1995-1997 stellte sich heraus, dass die ehemalige Synagoge nicht auf dem Gebiet der heutigen Neupfarrkirche stand, sondern etwas weiter westlich, zwischen der Kirche und dem Neupfarrplatzbrunnen (siehe Abb. Nr. 4, blau eingefärbt).

Des weiteren war es den Wissenschaftlern anhand der Mauerreste und der Abbildungen des Innenraumes von Albrecht Altdorfer möglich die Synagoge zu rekonstruieren.

Man geht heute davon aus, dass der ursprüngliche, ins 11. Jahrhundert datierte romanische Bau im 13. Jahrhundert zu einer repräsentativeren, großflächigeren, gotischen Synagoge hin verändert wurde.

Als im Jahre 1519 sämtliche Juden die Stadt verlassen mußten und ihr gesamter Stadtteil abgerissen wurde, geschah beim Abbruch der Synagoge ein vermeintliches Wunder. Ein von einem herabgefallenen Stein getroffener Arbeiter, der für tot gehalten worden war, erschien am nächsten Morgen geheilt am Arbeitsplatz. Dieses Wunder wurde der Gottesmutter zugeschrieben und so wurde an der Stelle der Synagoge eine provisorische Holzkapelle Zur schönen Maria errichtet, die nicht zuletzt durch die geschickte Vermarktung der Stadt zur letzten großen Wallfahrtsstätte des Mittelalters wurde.

Der Baumeister Hans Hieber entwarf ein Modell für den steinernen Bau der Kirche, das jedoch nie in seinem Sinne fertiggestellt wurde, denn schon 1525 blieben die Pilger und somit auch die Geldeinnahmen aus, mit denen der Bau finanziert werden sollte. So konnte erst 1540 der Langchor, obwohl er noch nicht ganz fertiggestellt war, geweiht werden. Im Jahre 1542 schloss sich die Stadt Regensburg dem protestantischen Glauben an, die Kirche zu Ehren der schönen Maria wurde als Neupfarrkirche zum ersten evangelischen Gotteshaus der Stadt. Aus diesem Grund kam auch der Platz, auf dem sich die Kirche befindet zu seinem heutigen Namen, dem „Neupfarrplatz“.

Die Kirche selbst wurde erst im 19. Jahrhundert vollendet. Dabei wich man mehr und mehr vom imposanten, jedoch teueren Modell Hiebers ab.

So kann die Kirche als bemerkenswertes Beispiel für den Umgang mit historischer Bausubstanz im dritten Viertel des 19. Jh. dienen bei der Substanzerhaltung und eigenständiges Entwurfskonzept sich verbinden. “

Das heute sichtbare Ergebnis ist eine Kirche im Stil der Gotik, gemischt mit Merkmalen der Renaissance und des Manierismus.

Flugblatt der Holzkapelle "Zur schönen Maria" (Evangelische Kirche; S. 50)



Das Holzmodell Hans Hiebers (Städtisches Museum)



Neufarrplatz Nr. 5, 6 und Tändlergasse Nr. 13, 22/24 - Ein Stück malerische
Altstadt

Die Nordwestecke des Neupfarrplatzes hat im Lauf der Zeit nur wenig ihres ursprünglichen Altstadtcharmes eingebüßt, die sie vor allem im späten 19. und frühen 20. Jh. zu einem beliebten Postkartenund Bildmotiv werden ließ. Dennoch hat sich auch hier vieles verändert.

Der feinteilige Rokokostuck am Gebäude Neupfarrplatz 5 wurde um 1930 entfernt und die alten, mehrfach unterteilten Fenster wurden durch großflächige Scheiben ersetzt. In unserer Zeit sind die Gebäude dem Stadtbild gemäß restauriert worden und moderne Leuchtreklameschriften an den Häusern sind größtenteils entfernt worden.

Die Gebäude Neupfarrplatz Nr. 5 und 6 sind barocke Giebel- bzw. Traufsteinhäuser, die im 18. Jh. erbaut wurden und ursprünglich Rückgebäude zur Wahlenstraße waren.
Das ehemaligeWalmdachhaus Tändlergasse Nr. 13 wurde im Jahr 1817 erbaut. Es prägte das Stadtbild va. durch seine Zwerggiebel, die jedoch durch Umbauten von 1900 und 1963 völlig verschwanden.

Das Gebäude Tändlergasse Nr. 22/24, bekannt als die Engelapotheke prägt das Neupfarrplatzbild vor allem durch seinen Standerker an der Südostecke. Die Entstehung dieses Hauses wird auf das Jahr 1240 datiert. Während der Judenvertreibung wurde es jedoch zerstört und erst 1563 wiederaufgebaut.

Weitere Sanierungen erfolgten in unserer Zeit.

Die Neupfarrkirche zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Städtisches Museum)



Neupfarrplatz Nr. 14 - Der „Löschenkohlpalais“

Die heutige Dresdner Bank ist ein hervorragendes Beispiel dafür, dass nicht alle alten Bauwerke im Lauf der Zeit zwangsläufig gekünstelt modernisiert werden müssen. Der Löschenkohlpalais gilt als das bedeutendste Bauwerk des Spätbarock in Regensburg. Er wurde 1733 im Auftrag von Hieronymus Löschenkohl von Johann Michael Prunner, einem Schüler des Wiener Hofbaumeisters Lukas von Hildebrandt erbaut, die Kellergewölbe stammen schon aus dem 13. Jh.

Die Sanierung und der Umbau zum Bankhaus 1985/87 haben durch besondere Umsicht der Verantwortlichen kaum Schäden auf die bestehende Bausubstanz bewirkt.

„Trotz seiner Gliederung in waagrechte und senkrechte Fensterachsen wirkt der Löschenkohlpalais durch den abwechslungsreichen Stuck und die leicht nach vorne geneigte Fassade belebt. Der Eingang fügt sich harmonisch in die gesamte Fassade ein.

Das Erdgeschoss wurde nicht durch „pflegeleichte“ Kunststeinverkleidung verunziert. Die dreimal unterteilten Fenster setzen die Gliederung der Wand fort. Wozu brauchen Banken
große Schaufenster. “


Der Neupfarrplatzbrunnen

Ein weiteres stadtbildprägendes Element des Neupfarrplatzes ist der für eine Altstadt typische Brunnen.

Er entstand 1551, als die Stadt fünf öffentliche Brunnen aus Holz im Stadtgebiet errichten ließ.
Um 1650 wurde die Fassung durch Stein ersetzt, das Eisengitter und die Verzierungen stammen aus der Zeit um 1730.


Heute nicht mehr bestehende Bauwerke

Die Augustinerkirche (Baualterspläne; Abb. 75)



Die Augustinerkirche

Der Bau einer kleinen Holzkapelle 1255 zu Ehren des sich kurz zuvor ereigneten „Hostienwunders“ wurde aufgrund steigender Pilgerzahlen 1260 zum Anlaß, dieses Kirchlein durch Stein zu ersetzen und neben ihr eine größere Kirche, nebst Klosteranlage, zu errichten. Im Jahr 1267 schenkte der Rat der Stadt diese Anlagen den Augustinern.

Das Kloster blühte rasch auf und konnte in den folgenden Jahren weitere angrenzende Grundstücke aufkaufen. Auch der gotische Kirchenbau wurde erweitert und erhielt zum Neupfarrplatz hin einen schlanken, hochaufragenden Turm.

Man nimmt jedoch an, dass der Boden unter der Kirche nicht sehr fest war, denn schon 1565 war sie extrem baufällig. Erst 1731 wurde die Kirche, an der man jahrelang herumgebastelt hatte, im Stile des Barock generalsaniert. Für die Innenausstattung waren unter anderem die Gebrüder Asam verantwortlich. In der heutigen Augustinergaststätte findet man noch Rokkokostuck, der aufgrund der stilistischen Merkmale den Brüdern zugeschrieben wird. Im Zuge der Säkularisation um 1810 wurden die Mönche vertrieben, die Kirche geschlossen und schließlich 1838 abgerissen und durch Wohnhäuser ersetzt.

Das Judenhaus von Alois Kapeller (Baualterspläne; Abb. 75)



Das Judenhaus - Neupfarrplatz Nr. 3

Dieses Gebäude gelangte deshalb zu historischer Bedeutung, weil es als einziges die Zerstörung der jüdischen Siedlung 1519 überlebte. Man nimmt an, dass es das Wohnhaus des Rabbiners war. In den folgenden Jahren diente es als Wohnung für den katholischen Priester der Kirche Zur schönen Maria,später für den protestantischen Küster der Neupfarrkirche. 1838 wurde es verkauft und musste einem Neubau weichen. Die Lage ließ sich einwandfrei durch die Zeichnungen Adolph Schmetzers und Alois Kapellers rekonstruieren.

Das Gebiet des heutigen Kaufhauses vor 1972 (Stadtbauamt)



Das Gebiet des Kaufhauses Kaufhof

Zur Entstehung des Kaufhauses

1920 wurde in der Pfauengasse das Kaufhaus Schocken übernommen von der Vorgängerfirma Hammer - eröffnet. In der Nazizeit wurde der jüdische Besitzer, der das Geschäft während den zwanziger Jahren beständig vergrößert und modernisiert hatte, enteignet.

Das Geschäft erhielt den Namen Merkur und erfreute sich einer stetig wachsenden Kundenzahl, so dass von 1954 bis 1962 weitere Vergrößerungsmaßnahmen ergriffen wurden. Bereits 1969 gab es erste Pläne zum Abriss des bestehenden Geschäftes, um einen weit größeren Neubau zu realisieren.

Dieser wurde 1972 in die Tat umgesetzt; dabei wurde die Fassade der Alten Wache in den Baukörper integriert. Das neugestaltete Warenhaus wurde unter dem Namen Horten weitergeführt und besaß eine Verkaufsfläche von fast 13. 000 qm. Am 23. April 1998 erhielt es den Namen Galeria Kaufhof und erfreut sich heute noch als „absolute Einkaufshochburg im Herzen der Altstadt bei den Kunden größter Beliebtheit“

„Dem Neubau des Hortenkomplexes ab 1972 fielen folgende Häuser zum Opfer: Dreihelm Gasse 2, 4´,6, Pfauengasse 4/6, Am Spielhof 1, 2, 3; außerdem wurde das Areal des bereits zwischen 1952 und 1970 abgebrochenen Baublocks Neupfarrplatz 10, Schlossergasse 1, Am Spielhof 4, St. -Kassians-Platz 2 teilweise überbaut. Das Kaufhaus bildet jetzt den gesamten Block, die Häuser Pfauengasse 8 und 10 ausgenommen, zwischen Neupfarrplatz, Drei-Helm-Gasse, Pfauengasse und St. Kassians-Platz; der überbaute Platz Am Spielhof hat aufgehört zu existieren. Der Neubau, eine typische Kaufhausarchitektur nach abstrakten Gestaltungsprinzipien, bildet gegen den Neupfarrplatz eine Fassade aus, in der die Hauptwache ein verfremdetes Restdasein führt, bzw. diese gewinnt einen Charme, der mit ihrer historischen Funktion wenig zu tun hat.

Das Gebiet des heutigen Kaufhauses während der Bauarbeiten um 1972 (Stadtbauamt)



Die Alte Wache

Das Gebäude der ehemaligen Hauptwache entstand bereits um 1611. Es diente damals als Wachstube für die Bürgerwehr und für Soldaten, die wegen eines drohenden Krieges in Regensburg stationiert waren; 1663 wurden sie durch Berufssoldaten ersetzt. Schon 1753 wurde der Platz mit Pflastersteinen versehen, damit die Schildwache besser auf und ab gehen konnte.

1818 wurde das Gebäude, vormals aus Holz, aus Stein neuerrichtet. Der romanische Keller, ca. aus dem 12. Jh. zeugt von einem älteren Gebäude an dieser Stelle, dem sog. „Judenstadel“. Das Kaufhauskomplex eingegliedert, auch die alten Kastanienbäume vor ihrer Westfront mussten der modernen Großstadt weichen.

Der Neupfarrplatz mit der Alten Hauptwache im 19. Jahrhundert (Baualterspläne; Abb. 77)



Die Alte Hauptwache vor 1972 (Städtisches Museum)



Am Spielhof und die Schlossergasse

Aufgrund des Neubaus des Kaufhauses Horten und der Kreissparkasse ist das typische Altstadtbild an der Südecke des Neupfarrplatzes vollständig verloren gegangen. Durch den Bau der Sparkasse hat die Schlossergasse aufgehört zu existieren.

Der Platz am Spielhof fiel dem Kaufhaus vollständig zum Opfer. Auch das 1911 rechts neben der Alten Wache errichtete Gebäude der städtischen Sparkasse, das optisch so gut zum Altstadtbild gepasst hatte und das moderne Merkurgebäude, das sich damals noch in der Pfauengasse befand, zum Neupfarrplatz hin verdeckte, wurde dem Abriss preisgegeben.

Während dem Bau wurde keinerlei Rücksicht auf das Grundrissgefüge der Stadt genommen. Mit dem Abriss der historischen Bauten gingen auch wichtige Hinweise auf den Verlauf der Mauer des früheren Judenviertels verloren. Einen optischen Makel stellt zusätzlich der entstandene Freiraum an der Südecke des Platzes dar, der das Wechselspiel von engen Gassen und weiten Plätzen in der Regensburger Altstadt unterbricht. Die Errichtung eines Kiosks und einer öffentlichen Toilette 1998 zur optischen Verbesserung scheiden hier wohl aus. Auch stellt sich die Frage ob ein in den siebziger Jahren unseres Jh. entstandener Betonklotz ein kunstvolles Bauwerk aus dem Mittelalter würdevoll
ersetzen kann.

Die Südostecke des Neupfarrplatzes mit Einmündung in die Schlossergasse vor 1970 (Städtisches Museum)



Der Platz Am Spielhof zu Beginn des 20. Jahrhunderts (Baualterspläne; Abb. 17)


Autor: Alice Alexandra Hüttl
Quelle:
» http://www.schulen.regensburg.de/portal/projekte/facharbeiten/abi2000/neupfarr.pdf


Entnommen aus der Textschrift:
Gedanken zur Stadtbildgestaltung
— Der Neupfarrplatz in Regensburg —


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