StartseiteDigitale WeltenRegensburgGermanenWeltgeschichteGrenzwissenschaftDas MittelalterSuche IndexAnfänge DeutschlandsGermanische MythologieGeschichte der SeefahrtInhalteSonstigesImpressumGästebuch

Regensburg:

Übersicht

Stadtgeschichte

Stadt mit vielen Namen

Berühmte Regensburger

Die Römer in Regensburg

Regensburg und die frühe Bayerische Geschichte

Herzöge, Könige, Kaiser in Regensburg

Die Jüdische Gemeinde in Regensburg

Klöster in Regensburg

Alte Kirchen in Regensburg

Bistum Regensburg

Immerwährender Reichstag

Historische Personen in Regensburg

Historische Ereignisse in Regensburg

Bauwerke, Plätze und sonstiges Berühmtes

Mittelalterliche Künste in Regensburg

Reinis Bücher zur Geschichte Regensburgs

Vorlage Regensburg

Bauwerke, Plätze und sonstiges Berühmtes:

Das Wappen der Stadt

Der Galgenberg

Altes Rathaus mit Reichstagsmuseum

Historische Wurstkuchl

Historisches Museum in Regensburg

Steinerne Brücke

Straßenbahn Regensburg

Walhallabahn

Donau-Schiffahrts-Museum Regensburg

Kneitinger

Regensburger Dom

Regensburger Domspatzen

Regensburger Wurst

Entstehung der Regensburger Fusswallfahrt

Regensburger Brautraditionen

Regensburger Pfennig - Ratisponenser

Die Geschichte des Neupfarrplatzes

St. Katharinenspital an der Steinernen Brücke

Allgemein:

Startseite



Die Galgenbergstraße

Es bedarf keiner großen Phantasie, um in ihr jene Straße zu vermuten, die zum Hochgericht der Reichsstadt Regensburg führte. Auf älteren Landkarten führte dieser Straßenzug auch die Bezeichnung Islinger Weg. Es handelt sich dabei vermutlich um eine alte Römerstraße, die beim heutigen Peterstor die Stadtmauern verließ und über Oberisling, Hinkofen, Thalmassing, Jovisura (ad Isuram) bei Landshut, Pfaffenhofen am Inn, Wilten (bei Innsbruck) zur Via Claudia und zum Etschgebiet führte. Im Laufe des Mittelalters hat man auf einem Hügel neben dieser vielbenutzten Straße das "Hochgericht", also den Galgen, aufgerichtet.

Der Regensburger Galgen mit drei aufgesteckten Rädern (Ausschnitt aus einer handgezeichneten Flurkarte des Gebietes im Süden der Stadt aus dem 16. Jahrhundert, Museum der Stadt Regensburg)



Die hohe Gerichtsbarkeit

Die Strafjustiz des Mittelalters unterscheidet die hohe und niedere Gerichtsbarkeit. Leib- und Todesstrafen durften nur jene Gerichte verhängen, denen vom König die Blut- oder Halsgerichtsbarkeit übertragen worden war. Die Stadtgerichte hatten diese Befugnis zunächst noch nicht, vielmehr waren sie vor allem für Klagen um städtischen Grundbesitz und für Marktstreitigkeiten zuständig. Das mittelalterliche Regensburg hatte zwei Stadtherren, nämlich den Bischof und den bayerischen Herzog, die beide ihrerseits die Herrschaft vom König ableiteten. So war auch die Ausübung der Hochgerichtsbarkeit geteilt. Zum einen lag die Blutgerichtsbarkeit beim königlichen Burggrafen, der seit 1185 vom Herzog bestimmt wurde und der sich auf den Schultheißen als Amtsträger stützte. Zum anderen übte im Namen des Bischofs der Domvogt die Hochgerichtsbarkeit aus und bediente sich dabei als Richter des Dompropstes. Im Zuge der Gewinnung ihrer reichsstädtischen Freiheit war die Stadt bestrebt, die hohe Gerichtsbarkeit als einen Teil der Souveränität an sich zu bringen. Im Hinblick auf das herzogliche Gericht ist dies schon 1360 gelungen. Das bischöfliche Gericht, das nur noch unbedeutend war, wurde 1571 der Stadt überlassen. Danach lag die Hochgerichtsbarkeit also ausschließlich beim Stadtrat.

Das Strafrecht des Spätmittelalters wird häufig als ungewöhnlich grausam und inhuman bezeichnet. Neuere Forschungen aber zeigen, daß die Todesstrafe keineswegs so häufig verhängt worden ist, wie man früher angenommen hatte. Vielmehr wurde - jedenfalls gegen Einheimische - häufig an Stelle der an sich verwirkten Todes- oder Verstümmelungsstrafe eine Geldbuße oder Haftstrafe verhängt. Diejenigen, die keine Gnade fanden, waren neben Mördern und Räubern häufig heimatlose Vagabunden, die beim Diebstahl erwischt worden waren. In einem aus dem 14. Jahrhundert stammenden Regensburger Stadtrecht heißt es: "Man soll einen, der 6 Schillingen oder 12 Pfennige oder etwas in diesem Wert stiehlt, aufhängen. Man soll einen Mörder radbrechen. Man soll einen Räuber köpfen."

Wenn nun das Blutgericht getagt und eine solche harte Strafe verhängt hatte, mußte das Urteil vollstreckt werden. Eine Richtstätte, Köpfstatt genannt, befand sich vor dem Jakobstor am Anfang der Dechbettener Straße, als eine zweite ist seit dem Jahre 1368 der Galgenberg an der Islinger Straße bekannt. Als Standort des Galgens läßt sich ein Grundstück südöstlich der Kreuzung Haydn- und Galgenbergstraße, also am Anfang der Reger-Straße, ausmachen. Viele Zeichnungen des Mittelalters und Kupferstiche der Neuzeit haben uns die Lage und das Aussehen des Galgens überliefert. Das Fundament bestand aus einem starken Mauergeviert, das ca. 7 m lang und nahezu 4 m hoch war. An den vier Ecken erhoben sich Säulen, auf denen die Querbalken lagen. Hier waren Haken angebracht, an denen der Henker seine Arbeit vollzog. An der Mauer des Galgens war das Stadtwappen angebracht. Ein steinernes Kreuz sollte den Delinquenten auf ihrem letzten Weg ein Zeichen der Hoffnung sein.


Die peinliche Gerichtsordnung

Das Straf- und Prozeßrecht der Neuzeit wurde durch die 1532 auf einem Reichstag zu Regensburg verabschiedete Constitutio Criminalis Kaiser Karls V. bestimmt. Als Ausführungsbestimmung zur Carolina erließ die Stadt Regensburg in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine eigene "Peinliche Gerichtsordnung", die auch Vorschriften über die Hinrichtung am Galgen enthielt. So wird hier angeordnet, wie die Wachleute den Delinquenten zur Richtstatt zu führen haben und wie insbesondere der Galgen vor und nach der Hinrichtung bewacht werden muß, damit nicht Frevel mit den Henkersketten oder gar mit dem Leichnam des Gehängten getrieben werden kann.

Die örtliche Lage des Regensburger Galgens ist sehr typisch. Man wählte üblicherweise eine Anhöhe vor der Stadt in der Nähe einer Ausfallstraße und in der Nähe der Grenze. Da die Strafe des Hängens eine Strafe der Hochgerichtsbarkeit ist, wird der Galgen zu einer Art von Hoheitszeichen. Darüber hinaus mag der Ort auch durch magische Vorstellungen bestimmt worden sein, denn der Übeltäter soll so gehängt werden, "daß Wind über und unter ihm zusammenschlägt": Wetter und Vögel können so dem Gehängten ungehindert zusetzen. Nicht zuletzt aber soll dieses Hochgericht der Abschreckung von Missetätern und fahrendem Volk dienen, weshalb ein Ort an der Wegscheide bevorzugt wird.

Der Kartenausschnitt zeigt links den Islinger Weg. Auf dem Galgenberg sieht man das städtische Hochgericht. Das oberhalb gelegene, mit H bezeichnete Steinkreuz markiert die Grenze des Regensburger Burgfriedens und steht heute auf dem Sportgelände der Universität. Dort, wo unterhalb der Karthause Prüll ein kleiner Weiher zu sehen ist, aus dem der Vitusbach zur Stadt hinunterläuft, befindet sich heute das Studentenheim an der Ludwig-Thoma-Straße. (Ausschnitt aus "Eigentliche Delineation und geometrischer Grundriß . . . Regenspurg" von Philipp Harpff, 1644).





Viele Jahrhunderte diente die Richtstätte auf dem Galgenberg dem Vollzug der Todesstrafe, die in unserem Lande glücklicherweise durch das Grundgesetz abgeschafft worden ist. Der Regensburger Galgen wurde schon viel früher, nämlich 1803 abgerissen, als die Stadt unter die Regierung des aufgeklärten Kurerzkanzlers Carl von Dalberg gelangte. Nur der Straßenname zeugt von einer Zeit, die lange versunken ist. Für die Lage der Regensburger Universität enthält der Straßenname eine rechtshistorisch interessante Aussage: Die Universität wurde nicht irgendwo auf dem Lande, sondern auf einem Gebiet errichtet, das schon im Mittelalter zum Hoheitsbereich der Reichsstadt gehörte.


Autor: Hans-Jürgen Becker, Prorektor
Quelle:
» http://www.uni-regensburg.de/Universitaet/RUZ/archiv/ruz-9504/becker2.htm


Reinis private Forschungen zur Geschichte Regensburgs
© by Reinis Entertainment Systems