StartseiteDigitale WeltenRegensburgGermanenWeltgeschichteGrenzwissenschaftDas MittelalterSuche IndexAnfänge DeutschlandsGermanische MythologieGeschichte der SeefahrtInhalteSonstigesImpressumGästebuch

Germanische Mythologie:

Übersicht

Einführung Nordische Mythologie

Germanische Schöpfungsgeschichte

Struktur des Weltenbaums Yggdrasil

Die Bewohner Yggdrasils

Die Asen

Die Wanen

Die Nornen

Die Walküren

Die Riesen

Die Zwerge

Mythische Gegenstände

Mythische Tiere

Die Edda

Die Nibelungensage

Die Edda:

Snorra-Edda

Codex Regius

Völuspá

Grímnismál

Hávamál

Skírnismál

Rigsthula

Hyndlulióð

Die Texte der Edda

Die Texte der Prosa Edda

Allgemein:

Startseite



Die Grímnismál (Gmr), das Lied von Grímnir, ist ein Götterlied der Lieder-Edda, das zur mythologischen Wissensdichtung gehört. Es besteht aus 54 Strophen im Ljóðaháttr, dem für Wissens-, Lehr- und Zauberdichtung charakteristischen Versmaß. Das Lied ist dreigegliedert:



Inhalt des Liedes

Der erste Teil der mythologischen Rahmenhandlung berichtet in Form eines Prologs von zwei Brüdern, den Söhnen eines ansonsten unbekannten König Hraudungs: Geirrodr, Odins Ziehsohn, und Agnarr, den Frigg aufgezog. Geirrodr usurpierte die dynastische Nachfolge, und beseitigte dazu seinen Bruder. Odin verwendet zur Prüfung der Gastfreundlichkeit des Königs Geirrodr den Decknamen Grímnir, der Maskierte. Geirrodr vermutet in Grímnir einen dunklen Zauberer und unterzieht ihn einer Prüfung: Er setzt ihn acht Tage lang zwischen zwei Feuern, ohne Essen und Trinken. Nur Geirrods zehnjähriger Sohn Agnarr, der nach seinem Onkel genannt ist, und dadurch an den Grundkonflikt der hypothetischen Amlethus saga (Hamlet bei Shakespeare) erinnert, bietet Odin Essen und Trinken an.

Der Monolog Odins (das eigentliche Grímnirlied), der mit Grm.4 an die Prosaeinleitung anschließt, bildet den Hauptteil der Grímnismál. Nur in den Strophen Grm.2 (Geirrodr) und Grm.3 (Agnarr), sowie ein weiteres Mal gegen Ende der Dichtung in den Strophen Grm.51-53 (Geirrodr) bezieht sich der Grímnismál-Text auf die Personen der Rahmenhandlung. Zwischen den beiden Feuer sitzend, spricht Grímnir-Odin, in seinen Mantel gehüllt, am neunten Tag seine Wissensstrophen.


Odins visionäre Schau

Mit Grm.4 beginnt Odins visionäre Schau, die der Dichter der Grímnismál in eine formelhafte Rede gefasst hat, die an Geirrodr und seinen Sohn Agnarr gerichtet ist. Die in Strophen gefassten Merkverse und Þulur-Reihen der Grímnismál tradieren Teile der vorchristlichen, altnordischen Kosmogonie und Kosmologie: Aufzählungen der Götter und ihrer Wohnsitze (Grm.4-17), die Namen von mythologischen Flüssen (Grm.26-29) und Pferden, Reittieren der Asen (Grm.30), eine kurze Beschreibung des Weltenbaums, seiner Bewohner und deren Funktionen (Grm.31-36), Funktionen von Sonne und Mond werden genannt (Grm.37-38), und die Gefahr, die den Himmelslichtern droht, aber auch ihre Bewegung garantiert (Grm.39), die Schöpfung der Welt aus dem Körper Ymirs ist Thema (Grm.40-41) sowie ein umfangreicher Katalog von Odinsnamen (altnordisch nafnþula bzw. heiti; Grm.46-50, mit einer Unterbrechung in Grm.54). Die Grímnismál vermittelt eine religiöse Wissensvermittlung, die nur noch mit der Völuspá oder der Vafþrúðnismál vergleichbar ist. Wahrscheinlich ist die Fülle der Namen, die Odin in Grm.46-50 für sich in Anspruch nimmt, und die auf seine Taten rekurrieren, der eigentliche Teil der rituellen Rede zwischen den Feuern, alles andere Einführung, Erwärmung in das Thema der rituellen Inkarnation Odins.

Odin offenbart seine wahre Identität erst in der letzten Strophe (Grm.54: an. Óðinn ec nú heiti, Odin heiß ich jetzt), erst nachdem er Geirrods Verhalten kritisiert hat, und ihm seinen bevorstehenden Tod prophezeit. Es spricht einiges dafür, dass Odin Geirrodr prüft, ihn in seinen Kult initiiert, ihn in die Gemeinschaft wissender Männer aufnimmt, dessen Mitglieder die wahren Namen der Gegenstände, Personen und Emanationen kennen. Ob Geirrods Tod als der (symbolische) Abschluss der rituellen Belehrung oder als seine Strafe gewertet werden muss, lässt die Dichtung offen (vgl. Grm.51: er þú ert míno gengi / öllum einherion / oc Óðins hylli; viel verlorst du / meiner Liebe darbend / aller Einherier und Odins Huld; Grm.52: Fiolð ec þér sagða / enn þú fát um mant; viel sagt ich dir / du schlugst es in den Wind). Es kann als sicher gelten, dass der Hörer und Kulturteilnehmer, an den sich die Grímnismál einst richtete, diesen Schluss richtig interpretieren konnte. Im epilogartigen, abschließenden Teil der Rahmenhandlung erkennt Geirrodr dann, wer sein Gast ist (Ankündigung in Grm.54), und stürzt, wie zufällig stolpernd, in sein Schwert (prophezeit vorab in Grm.52-53), dem ein seltsamer Eigenwille anzuhaften scheint.

Daraufhin verschwindet Odin, und Agnarr, Geirrods Sohn, erwirbt Königswürde und –titel. Der Plot der Grímnismál erinnert sehr an den Rätselwettstreit in der Hervarar saga ok Heiðreks konungs, in der König Heidrekr, unmittelbar nach der Wissensbegegnung mit Gestumblindi-Odin, von seinen Dienern getötet wird; ursprünglich wird er den gleichen odinischen Tod erlitten haben wie Geirrodr.


Figuren der Dichtung


Autor: Wikepedia
Quelle:
» http://de.wikipedia.org/wiki/Gr%C3%ADmnism%C3%A1l