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Der durchschnittliche Wikinger war im engeren Sinne eigentlich kein professioneller Krieger, da er Landwirtschaft und/ oder Handel betrieb und keine militärische Ausbildung genossen hatte. Es gab nicht einmal ein reguläres Heer oder eine Miliz, was aber wohl zu einem verstärkten Eigenengagement der bóendr (Bauern) im Bereich des Eigenschutzes und somit zu einer besseren Befähigung auf kämpferischem Gebiet geführt haben mag.

Bewaffnung

Hierfür standen dem Kämpfer mehrere Waffen zur Verfügung. So gehörten Axt, Schwert,Lanze, Speer, Messer, Pfeil und Bogen zu den Offensivwaffen, mit denen es der Wikinger umzugehen verstand. Jeder Waffe fiel eine besondere Aufgabe im Kampf zu. So wurde die Lanze beispielsweise in Formationen, zu Pferd und auf Schiffen verwendet. Der Bogen kam immer dann zum Einsatz, wenn ein Mann gegen Mann Kampf nicht unmittelbar bevorstand, so z. B. bei Seeschlachten oder bei Formationen aus den hinteren Reihen. Selbiges galt für den Speer welcher geschleudert wurde. Axt und Schwert hingegen sind die typischen Nahkampfwaffen des Wikingers, wobei das Schwert als präziseste Waffe und der Axt überlegen galt. . Mit ihrer Handhabung war der Wikinger sehr vertraut, da er sie bei vielen Arbeitsgängen benutzte. Diese konnte er auch schleudern und seine Kampfreichweite somit erhöhen. Nur wohlhabende Krieger (Anführer) trugen einen Körperschutz in Form eines Kettenhemdes. Alle anderen mußten auf dies verzichten und waren wohl nur mit wattierter Kleidung, einer Lederweste oder einem Fellumhang geschützt. Selbst wenn die Rüstungen nicht aus Eisen, sondern nur aus Leder waren, sollen sie oft zum Ertrinken geführt haben. Weit verbreitet war aber eine Kopfbedeckung, die aber ebenfalls vom Besitz des Inhabers abhing. So waren die einfachsten Helme wohl aus Leder gefertigt oder mit Eisen verstärkt. Die wertvollsten fertigte man jedoch komplett aus Eisen und fügte ihnen einen Gesichtsschutz an. Als wichtiger Schutz diente ebenfalls der Schild für den persönlichen Einsatz, aber auch bei Formationen zum Gruppenschutz.


Kampfweise und Formationen

Die Wikinger kämpften meist zu Fuß und kannten verschiedene Formationstaktiken die sie im Kampf zweier größerer Kampfgruppen anwenden konnten. So gab es zum einen die Formierung einer geschlossenen Phalanx oder einem Schildwall bei der die Lanze zum Einsatz kam. Hierbei befand sich die Hauptstreitmacht in der Mitte und an den beiden Flügeln befanden sich kleinere Gruppen um den Feind zu umgreifen. Der Tod des Anführers hätte eine Schlacht sofort beendet, weshalb man diesen durch eine „Schildburg“ schützten mußte, hinter der er mit seinem Banner Bezugspunkt des Heeres war und die Aktionen koordinierte. Dennoch wurde selten defensiv gekämpft, außer wenn der Feind numerisch überlegen war. Um aber eine Defensive aufzubrechen gab es eine Formation die die Form eines Pfeils hatte, die mit Schwung in die feindliche Verteidigung eindringen sollte, um diese aufzubrechen. Mit dieser Form sollen aber auch in Kombination mit Flügeltruppen, mobilen Einheiten, Eliteverbänden, Reserven, etc. verschiedenste Manöver möglich gewesen sein. Des Weiteren soll es Formationen die z.B. mit einer Zangenbewegung endeten oder andere Ziele hatten, gegeben haben.
Zwar klingen diese Formationen und Manöver in der Theorie sehr schön, in der Praxis aber hatten sie wahrscheinlich nicht immer den gewünschten Erfolg. Vielmehr muß damit gerechnet werden, dass der Kampf meist unkoordiniert geführt wurde. Diese Formationen und Kampftaktiken waren jedoch nur zu Beginn einer Schlacht von Nöten.
Zunächst schleuderte man aus ihnen heraus Steine, Speere, sonstige Gegenstände und schoß Pfeile, führte den Sinn der Formation aus, und verfiel danach in einen planlosen, mit roher Gewalt geführten Kampf Mann gegen Mann bis die andere Seite niedergerungen war. Ein Ziel war es den Anführer des Gegners zu töten und seine Standarte zu erobern, um den Feind der militärischen Führung zu berauben und eine Auflösung des generischen Trupps zu forcieren. Wenn die Wikingertrupps jedoch zahlenmäßig unterlegen waren und eine Niederlage auf offenem Feld drohte, waren diese meist dazu gezwungen in die Defensive zu gehen. Wichtig war hierbei, dass solche Kämpfe vermieden wurden, da sie auf offenem Feld höchst verwundbar waren, wenn sie des Überraschungsmomentes beraubt waren. Hierfür errichteten sie innerhalb kurzer Zeit aufgeworfene Verteidigungsstellungen. Diese waren mit einem Wall versehen den sie mit Palisaden schützten und vor dem ein Graben ausgehoben worden war. Auch hier bedienten sie sich der natürlichen Gegebenheiten, indem sie z. B. an Flüsse bauten um zu einer Seite hin natürlich geschützt zu sein. Darüber hinaus nutzten sie die gegebene Infrastruktur um ihre Verteidigung zu organisieren. So wurden bereits vorhandene Gebäude zu Lagern und Verteidigungsstellungen umfunktioniert. Diese Befestigungen erlaubten den Wikingern einen längerfristigen Beutezug und erhöhten somit ihr Einkommen. Wenn den Normannen eine Niederlage bevorstand und sie diese Situation erkannten, dann nutzten sie die Flucht als taktisches Mittel. So verließen sie beispielsweise heimlich bei Nacht ihr Lager um einer bevorstehenden Niederlage zu entgehen oder sie zogen sich zurück, um sich zu sammeln und erneut anzugreifen.


Belagerung

Die Wikinger verstanden sich aber nicht nur auf den Kampf auf einem Schlachtfeld. Vielmehr stellten sie mehrfach unter Beweis, dass sie Belagerungsmaschinen entwickeln konnten bzw. Belagerungstechniken kannten. So bauten sie vor Paris 885 beispielsweise Belagerungsgeräte oder legten Feuer mit Stroh und Reisig, um die Belagerung voranzutreiben. Auch arbeiteten sie mit Fallgruben, mit denen sie fränkischen Reitern Fallen stellten.


berserkir und hirth (Eliteverbände)

In einer groß angelegten Schlacht soll auch das Phänomen der berserkir zum Tragen gekommen sein. Diese angeblich durch Drogen Berauschten oder von Geburt an psychisch Kranken sollen von der Hauptarmee getrennte Korps gebildet haben und für ihre Tapferkeit und Kampfstärke bekannt gewesen sein. Sollte beispielsweise das Gerücht von den berserkir im feindlichen Heer und der Mythos im eigenen bekannt gewesen sein, dann dürften ein besonders verwegener Kämpfer einen gewissen psychologischen Effekt gehabt haben. Korrekter- oder fälschlicherweise als berserkr bezeichnet, könnte er die Kampfmoral der eigenen Truppe gestärkt bzw. die des Feindes gesenkt haben, und würde das Bild der psychologischen Kriegsführung der Wikinger unterstreichen. So sollen sich diese hervorragend darauf verstanden haben ihren Ruf der Angst und Schrecken verbreitete, bewusst auszubauen und zu fördern.

Eine andere Elitetruppe war das so genannte hirth. Dies war eine kleine Gruppe mit besonderen Fähigkeiten im Kampf, die vom konungr(König) und bedeutenden jarlar(Großbauern) unterhalten wurde. Wahrscheinlich werden Eliteverbände existiert haben, um den jeweiligen Anführer des Gesamtheeres oder der Kleingruppen im Gefecht zu schützen (s.o.). Ihre Fähigkeiten waren mit der hirth konungar aber wahrscheinlich nicht zu vergleichen. Diese waren professionelle Soldaten in einem stehenden Heer und ließen sich nur im hirth antreffen.


Pferde

Des Weiteren verließen sich die Wikinger auch auf Pferde, die in der wikingischen Kultur einen besonderen Stellenwert besaßen und auch in kriegerischen Zeiten eine bedeutende Rolle spielten. Diese dienten dann als schnelles Fortbewegungs- und Transportmittel oder eigneten sich hervorragend für die Aufstellung eines kleinen Aufklärungstrupps oder Vorauskommandos, welche der Gruppe zum Vorteil gereichen sollte. So bildeten Wikinger in großen Verbänden eine ausgesprochen gute Aufklärung aus, die sie über militärische und politische Veränderungen informierte. Auf dieser Informationsbasis drangen sie beispielsweise verstärkt vor, wenn das politische Oberhaupt eines zu überfallenden Gebietes gestorben war, und sich ein Machtvakuum gebildet hatte. Auch waren Pferde der Taktik des schnellen Überfalls sehr dienlich und stellten in Notzeiten eine nicht zu unterschätzende Nahrungsquelle dar. Doch die Wikinger waren meist darauf bedacht Vorteile gegenüber dem Feind auszunutzen und verließen sich daher auf Überraschung und List.


Zeit und Ort

So wurden Orte bevorzugt an Feiertagen oder Marktagen überfallen, da sich dort zu diesen Zeitpunkten viele Menschen befanden, die in der Absicht Almosen zu geben oder etwas zu kaufen handelten bzw. ihre Waren anboten. Hierfür zeichnete sich in erster Linie ihre Schnelligkeit mit dem Schiff und zu Pferde aus. So landeten sie schnell an, plünderten, zündeten meist die überfallenen Orte an, um ihren Rückzug zu decken und waren nach nur kurzer Zeit wieder verschwunden. Doch auch gesamtpolitisch hatten sie ein gutes Gespür für den adäquaten Zeitpunkt. So erkannten sie bspw. den Verfall und die politische Krise im Karolingerreich und nutzen diese durch verstärkten Einfall aus. Bei ihren Unternehmungen waren sie darauf bedacht, die Lage vorher zu erkunden, um kein Risiko einzugehen, weshalb in erster Linie unbefestigte und unbewachte Orte, Abteien, etc. angegriffen wurden. Hierbei nutzen sie oft auch den Schutz der Nacht um ihre Angriffe und Plünderungszüge durchzuführen.


Verhalten nach Siegen, Verhalten nach Niederlagen

Primärziele nach Siegen waren Gold, Silber, Geiseln, Sklaven, Vieh, Pferde, Nahrung, Waffen und Transportmittel, die sie nach einem erfolgreichen Überfall auf Dörfer, Klöster, etc. eintrieben und diese meist anzündeten. Die Beute, die aus Gold oder Silber war, wurde oft eingeschmolzen und dann nach Skandinavien gebracht. Für die hochrangigen Geiseln forderten sie Lösegeld und andere Gefangene verkauften sie als Sklaven. Erbeutete Waffen aus dem Frankenreich wurden aufgrund ihrer Qualität geschätzt. Hierbei galten die Waffen des gegnerischen Befehlshabers als besonders begehrt, da sie von großem, symbolischem Wert für die Wikinger waren. Jedoch das lukrativste Vorgehen war das Erpressen von Tribut in großen Mengen aus den von ihnen verwüsteten Regionen, da diese Möglichkeit weitaus ertragreicher war als ihre regulären Plünderungszüge. Nach einem Angriff folgten oft Verhandlungen mit gegenseitigem Geiselaustausch und Lösegeldzahlung. Hierbei lässt sich beobachten, dass sie den Erpressten eine Beschaffungsfrist für die Tributzahlung einräumten, und währenddessen in andere Regionen vordrangen, um dort nach gleichem Schema vorzugehen. Zu erkennen ist auch, dass der Erfolg nicht allein von einem militärischen Sieg bestimmt war, sondern vielmehr dadurch definiert war, welchen Wert das Erbeutete hatte. Sobald jedoch die Beute eingetrieben war, mußte sie verteilt werden.

Dies geschah entsprechend festgelegter Kriterien, welche sich meist an Rang und Bedeutung der Person orientierten. Das Erpresste setzte sich nicht nur aus Edelmetall zusammen, sondern beinhaltete auch Nahrungsmittel. Dies ermöglichte eine Versorgung der Truppen und erhöhte ihre Einsatzbereitschaft und Reichweite, da sie hierdurch autark wurden und an keine von ihnen kontrollierte Ausgangsbasis unmittelbar gebunden waren. Zur Beute gehörte aber auch Land. So wurde Godfred 882 mit Friesland belehnt, welches als Vorposten gegen die Normannen konzipiert war, ihnen jedoch vielmehr als Brückenkopf diente. Meist wandten sich die Normannen nach einer verlorenen Schlacht zur Flucht, was aber nicht immer gelang und dies in der Vernichtung des Wikingertrupps endete. Bei einer drohenden oder bereits erlebten Niederlage war es des Öfteren der Fall, dass sich Normannenführer taufen ließen um einer Vernichtung zu entgehen und/ oder um noch aus der Niederlage zu profitieren.

Die Taufe hingegen diente dem Christentum als Versuch der Integration und der Befriedung von kriegerischen Heiden. Bevor es aber soweit kam, mussten zunächst Friedensverhandlungen geführt werden. Ein am Lager befestigter Schild war hierbei ein Zeichen der Kapitulation konnte aber ebenfalls einen Friedenstatus repräsentieren oder freundschaftliche Absichten bekunden. Auch war es möglich, dass keine Seite zu gewinnen vermochte bzw. eine Konfrontation unterblieb, weshalb man sofort zu Verhandlungen überging.


Autor: Wikepedia
Quelle: