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Vorbemerkung

Man muss die Mythologie von der eigentlichen Religion trennen, da die Mythologie als Dichtung nicht unbedingt den tatsächlichen Glauben widerspiegelt. Hinzukommt, dass eine Barriere der Überlieferung im 9. Und 10. Jh. und die Grenze zwischen Christentum und Heidentum nur scheinbar überschritten werden kann. Denn die Überlieferung setzt erst in der christlichen Zeit ein. So kann man in den Dichtungen nicht zwischen der alten Überlieferung und den Zutaten des Verfassers unterscheiden. Die Edda-Geschichten sind literarisch gestaltete Episoden mit Göttern in der Hauptrolle. Sie sind - wie der beste Kenner der Materie Jan de Vries sagt - "Spekulation und dichterische Phantasie". Sie sind nicht notwendigerweise repräsentativ für das kollektive Bewusstsein.


Die Götter

Dies vorausgeschickt lässt sich folgendes für die Wiking-Zeit ausmachen: Odin war ein Gott über alle anderen Götter. Odin war zuförderst Kriegs- und Todesgott, und erst in zweiter Linie ein Weiser. Der Name "Odin" leitet sich vom altnordischen Wort "óðr" her, das "wild, rasend" bedeutet. Daher war er der Gott der Ekstase und des rasenden Kampfes. Er war nicht ein nordischer, sondern ein gemeingermanischer Gott. Er war auch Hauptgott der Angeln, der Langobarden, der Sachsen, die ihn Wotan nannten.

Inschriften bekräftigen dies. Odin reicht auch weit zurück. Denn bereits die Römer wussten, dass die Germanen einen Gott verehrten, der ihrem Merkur ähnelte. Odin hatte nur ein Auge, das andere hatte er dem Jöten Mime verpfändet, der über den Brunnen der Weisheit am Lebensbaum Yggdrasil gebot. Dafür durfte er aus dem Brunnen trinken. Er opferte also sein körperliches Auge für ein anderes geistiges. Mit diesem geistigen Auge konnte er Dinge sehen, die anderen verborgen waren. Auch die Magie der Runen hatte er von Mime gelernt. Nach der Völuspá hatte Odin einst den ersten Krieg verursacht: "In die Feinde schleuderte Odin den Speer. Das war der erste Kampf der Völker." Als Ekstatiker und Magier war Odin in der Lage, seine Gestalt zu wechseln. Woher dieser schamanistische Zug in Odin kommt, ist nicht bekannt, möglicherweise aus dem Osten, wo der Schamanismus verbreitet war. Thor war vor allem der Gott der Bauern. Er ist der einzige, über den die Skalden Heldenlieder verfassten, z.B. die Þórsdrápa des isländischen Skalden Eiliv Gudrunsson. Seine wichtigste Eigenschaft war seine gewaltige Kraft. Darüber hinaus hatte Thor seinen Hammer Mjölnir. Thor beschützte sowohl Götter als auch Menschen gegen die Jöten, die feindlichen Mächte in der Welt. Thors Kampf mit der Midgardschlange ist der Mythen liebstes Thema. Diese war ein eiterspeiender Wurm draußen im Ozean. Der Wurm war so lang, dass er den Erdkreis umfasste.

Odin und Thor gehörten zu den Asen. Zu dieser Göttergruppe zählten auch Balder, Tyr, Heimdall, Bragi und Ullr. Frigg, Odins Frau, Siv, die Frau Thors, und Idun waren Asinnen. Daneben gab es noch Nornen, Folgegeister und Walküren. Sie alle hatten ihre Aufgabe und Rolle in der normalen und guten Weltordnung. Die Nornen Urd, Verdandi und Skuld spinnen den Lebensfaden eines jeden Menschen. Die Folgegeister sind Geister, die die Menschen begleiten, die Walküren Odins Sendboten. Hinzu kommen weitere Wesen in der Natur: Zwerge, Elfen und Geister. Die Jöten waren die Hauptwidersacher der Asen. Sie symbolisierten die blinden Naturkräfte. Ihr Stammvater war die Kampfgestalt Ymir. Er war der Urgund der geschaffenen Welt. Als Odin Ymir tötete, entstanden aus seinem Blut Bäche, Flüsse und das Meer, aus seinen Knochen wurden die Steine, sein Fleisch die Erde und seine Haare das Gras und der Wald. Sein Schädel ist das Himmelsgewölbe. Die ersten Menschen, Ask und Embla, wurden allerdings von Odin erschaffen. Ein anderes Göttergeschlecht waren die Wanen. Zu ihnen gehörte Njörðr und seine Kinder Freyr und Freya. Die Wanen waren Fruchtbarkeitsgötter. Zwischen Wanen und Asen gab es Krieg, der aber mit einem Bündnis endete. Es gibt Spekulationen über einen historischen Hintergrund, nämlich dass asengläubige Krieger wanengläubige Bauern unterworfen hätten oder einfach nur der Wanenkult von einem Asenkult abgelöst worden sei.

Der Kampf der Asen gegen die Jöten, der Kampf Gut gegen Böse, ist ein Gemeingut aller Religionen. Aber im Unterschied zum Christentum siegt bei den Nordleuten nicht das Gute. Vielmehr sind der Untergang und der Tod der Götter (Ragnarök) vorprogrammiert. Dass die Edda nach dem Untergang der Welt eine neue Welt erstehen lässt, ist wahrscheinlich auf christlichen Einfluss zurückzuführen. Im nordischen Heidentum gab es keine christliche Hoffnung; der Pessimismus dominierte.

Man wird diese hier nur zusammenfassend referierten Mythen aber nur mit Vorbehalt als Grundlage der nordgermanischen Religion ansehen dürfen. Denn auf der einen Seite sind die Namen zweifellos sehr alt, auf der anderen Seite handelt es sich aber auf weiten Strecken um intellektuelle Dichtung einer königlichen Kriegerkaste, so z.B. die Institution des Walhall. Auch dass Odin um des Gewinns der Weisheit willen ein Auge verpfändete, dürfte der ursprünglichen bäuerlichen Gesellschaft der Bronzezeit ferngelegen haben. Auch das pessimistische Weltbild des Ragnarök ist sicher keine ursprüngliche Auffassung einer bäuerlichen Gesellschaft.


Jenseits

Die Grabbeigaben zeugen von einem Glauben an ein Weiterleben nach dem Tode. In den Quellen tritt vor allem Hel als Göttin der Unterwelt in Erscheinung. Ihr Gesicht war zur Hälfte blauschwarz, zur Hälfte hatte es normale Hautfarbe. Sie war gierig und gnadenlos; wen sie einmal hatte, den ließ sie nicht mehr los. Diese Personifikation des Todesreiches ist in der Religion des Nordens wahrscheinlich nicht sehr alt, sondern stammt wohl erst aus der Wikingerzeit, wenn auch das Wort "hel" älter ist und wahrscheinlich mit dem Verb hylja = verbergen zusammenhängt. Man dürfte sich das Totenreich so konkret vorgestellt haben wie das Hügelgrab, in dem der Tote lag. Im 10. Jh. begegnet uns in den Skaldengedichten auch ein anderes Totenreich, Odins "Walhall". Dorthin kamen die, die im Kampfe fielen. Sie vergnügten sich jeden Tag miteinander und schlugen sich. Wer fiel, stand am Abend wieder auf. Wie tief dieser Glaube ging, ist schwer zu sagen. Es handelt sich um ein literarisches Produkt und scheint eher die ideale Welt einer Kriegerkaste widerzuspiegeln, als ein Ausdruck von Religiosität zu sein. Dafür spricht, dass Frauen in dieser Vorstellung keinen Platz haben.

Die Ortsnamenkunde gibt weitere Aufschlüsse: Die Götter Ullr und Njörðr kommen als Namensbestandteile relativ häufig vor, insbesondere in der Vorwikingerzeit. In der Wikingerzeit ist der Bestandteil Thor weit verbreitet. Aber sehr selten wird der Name Odin verwendet, was darauf schließen lässt, dass er in der Bevölkerung nicht tief verwurzelt war.


Religiöse Praxis

Dem wirklichen religiösen Bewusstsein kommt man näher, wenn man das älteste schriftliche Christenrecht, das Gulathingslov, heranzieht: "(Heiden)opfer ("blot") sind uns verboten, so dass wir nicht heidnischen Göttern, Hügeln und Steinen ("Horge") opfern dürfen." Nicht nur namentlich zu benennende Götter waren Gegenstand des Kultes, sondern auch Hügel und Horge.

"Horg" bedeutet im alten Norwegen ein vorchristliches Heiligtum, ein Altar unter freiem Himmel. Er muss nicht einem bestimmten Gott geweiht sein. Diese Altäre hatten eine große Bedeutung im täglichen Leben, was u.a. aus dem Beinamen Olavs des Hl. "horgbjótr" (= Altarzertrümmerer) hervorgeht. Das Gulathingslov verbietet auch, eine Stelle als "Horg" zu bezeichnen. Die Horge waren offenbar Bestandteil eines unter den Bauern weit verbreiteten Fruchtbarkeitskultes. Während der Asenkult scheinbar im 1. Jahrtausend n. Chr. aus dem Ausland, vielleicht aus Deutschland eingedrungen ist, so ist dieser Fruchtbarkeitskult sicher sehr alt und autochthon. Die Felszeichnungen aus der Bronzezeit und die überall in Skandinavien zu findenden Phallus-Steine bezeugen dies.

Bei den Hügeln, die im Gulathingslov genannt werden, handelt es sich sicher um die Hügelgräber. Das deutet auf eine Art Ahnenkult hin, von dem es aber sonst keine weiteren Zeugnisse gibt. Es könnte sich auch um eine nekromantische oder spiritistische Praxis gehandelt haben. Im Borgarthingslov findet sich eine Bestimmung, dass der friedlos sein soll, der sich ins Freie setzt (d. h. ans Hügelgrab) und Trolle aufweckt. Das Wort "blot" für Opfer hat nichts mit "Blut" zu tun. Die wahrscheinlichste Grundbedeutung des Verbs blota ist "stärken" oder "mit magischer Kraft füllen". Man stärkte den Gott mit seinem Opfer, damit dieser einem zu Hilfe komme. Es gibt keine zeitgenössischen Quellen, wie ein solches Opfer vor sich ging. Es gibt nur aus christlicher Zeit eine Schilderung Snorris, in der die Bewohner von Tröndelag Håkon den Guten, der in England Christ geworden war, zwangen, an einem solchen Opfer teilzunehmen: Die Bauern brachten allerlei Tiere, Schafe und vor allem Pferde, und schlachteten diese. Ihr Blut ("laut") wurde in Gefäßen aufgefangen, und mit ihm wurden die Altäre mit Büscheln bespritzt. Snorri setzt diese Büschel gleich den christlichen, mit denen das Volk mit Weihwasser bespritzt wird. Möglicherweise sind christliche Zeremonien bereits Grundlage dieser Schilderung. Das gleiche gilt für die Zeremonie der Namensgebung in den Sagas, in welcher die Kinder mit Wasser besprengt wurden. Ob es Menschenopfer gegeben hat, ist ebenso unsicher, wenn auch Adam von Bremen davon beim großen "blot" in Uppsala berichtet. Dort wurden neun männliche Individuen von allem Lebenden, auch Menschen, geopfert und in einem Hain, der den Tempel umgab, aufgehängt. Auf einem Bildteppich aus dem Osebergfund ist ein großer Baum mit daran hängenden Menschen abgebildet. Es dürfte sich um ein Odinsopfer gehandelt haben, da Odin auch an einem Baum hing und Odin ein Hauptgott in Uppsala war. Opfer waren aber nicht nur an Gott gerichtet, es waren auch soziale Ereignisse, in der die sogenannte „Trinkgemeinschaft“ eine besondere Rolle spielte. Das Wort "Øl" bedeutete im Norwegischen nicht nur Bier, sondern auch "religiöses Gelage". Der Beginn des Lebens bildete das "
Barnsøl" (Kindsbier), dann kamen "Brudeøl" (Brautbier) und am Ende "Gravøl" oder "Arveøl" (Begräbnisbier, Erbenbier), dazwischen oft auch "Festensøl" (Festbier).

Die christlichen Sagaverfasser gingen davon aus, dass es heidnische Gemeinden gegeben habe, die an einen Tempel gebunden waren, und dass der Häuptling am Tempel so etwas wie eine Tempelsteuer erhoben habe. Dass es Tempel gegeben hat, bezeugen die Ortsnamen auf -hov (= Tempel). Und die Gemarkungen liegen im allgemeinen ziemlich zentral im besiedelten Gebiet. Aber es sieht auf sprachlicher Grundlage so aus, als ob sie nicht sehr alt und erst in der Wikinger-Zeit entstanden seien. Es ist auch unwahrscheinlich, dass es sich dabei um ein Gebäude gehandelt hat, wie die Bezeichnung "templum" in lateinischen Quellen, z.B. bei bei Adam von Bremen nahelegt. Genauere Untersuchungen bei Ausgrabungen von Kirchen haben ergeben, dass diese auf den Resten älterer Kirchen, nicht aber von heidnischen Tempeln erbaut wurden. Daher ist der Schluss gerechtfertigt, dass die heidnischen Kulte im Freien abgehalten wurden. Da die Häuptlinge reich waren, kann es natürlich sein, dass die Versammlungen auch in ihrem Haus stattfanden, aber nicht in besonderen Gebäuden.


Autor: Wikepedia
Quelle:
» http://de.wikipedia.org/wiki/Nordgermanische_Religion